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Lesung im Rudolf-Hildebrand-Gymnasium erinnert an Leid jüdischer Frauen

Lesung im Rudolf-Hildebrand-Gymnasium erinnert an Leid jüdischer Frauen

Draußen scheint die Sonne am blauen Himmel, herrscht ausgelassene Stimmung vor dem Feiertag. Drinnen in der Aula des Markkleeberger Rudolf-Hildebrand-Gymnasiums erklingt Klezmermusik.

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Generalkonsul Mark J. Powell (links), Bürgermeister Philipp Staude und Gymnasiastinnen mit der Übersetzung von "Snow Flowers".

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Dann plötzlich Schreie, Schläge, Gewehrsalven, Tränen, Angst. Eine irreale, bedrückende Situation. Zum Glück eine, die vom Band kommt.

Die Toncollage ist der Auftakt einer Lesung. Im Mittelpunkt die Erinnerungen der New Yorkerin Dr. Zahava Stessel. Als 14-jährige ungarische Jüdin musste sie von August 1944 bis April 1945 im Konzentrationslager Buchenwald, Außenstelle Markkleeberg, mit ihrer Schwester und 1500 weiteren Mädchen und Frauen Zwangsarbeit leisten. Das Martyrium im Lager und auf dem Todesmarsch durch Sachsen hat Zahava Stessel in ihrem 2008 erschienenen Buch "Snow Flowers" festgehalten. Auf ihren Wunsch haben es Schüler der Oberstufe in den letzten Monaten vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Karoline, Jil-Annabell, Johanna, Felicitas, Lydia und Casey - alle 15 Jahre und damit so jung wie Zahava Stessel damals - lesen daraus.

"Im Lager waren Geburtstage etwas Besonderes, ein Ausdruck von Nähe und Verbundenheit. Am 19. Januar 1945 bekam ich zu meinem 15. Geburtstag von meiner Schwester eine kleine Puppe, aus Brot geknetet mit einem Gesicht aus Zucker", schreibt Zahava Stessel. Im Verborgenen und unvorstellbar bescheiden seien auch die jüdischen Feiertage Chanukka und Pessach gefeiert worden. "Manche hat für ein Gebetbuch trotz unbändigen Hungers ihr einziges Stück Brot gegeben", erzählt Zahava Stessel.

In anderen Szenen beschreibt sie den Gewaltausbruch betrunkener SS-Wachmänner in der Silvesternacht und wie die Frauen am Equipagenweg stundenlang in Eiseskälte nackt auf Kleidung warten. "Am nächsten Tag hatten viele Lungenentzündung. Auch meine Schwester musste ins Krankenrevier. Das endlose Warten und die Angst, dass sie nicht wieder kommt, sind meine schlimmsten Erinnerungen an Markkleeberg", berichtet die heute 83-Jährige.

Berührend auch die Episode über den Todesmarsch im April 1945: Tiefflieger über den Häftlingskolonnen, der Versuch in Straßengräben Schutz zu finden. Frauen, die kraftlos zusammenbrechen und die Begegnung mit einem kleinen Mädchen. "Ilse hatte eine richtige Puppe. Meine Schwester konnte den Blick nicht von ihr lassen." Über Umwege gelangten die Jüdinnen nach Kriegsende in ihre Heimat Ungarn, ihre Familie suchten sie vergeblich.

Schweigen im Saal: Auch die Gäste, darunter der US-amerikanische Generalkonsul Mark J. Powell, sind ergriffen. Dann übergibt Karoline Brehm aus der 9e die 300-seitige Übersetzung an Bürgermeister Philipp Staude. "Ich möchte mich bei allen Beteiligten für die Arbeit am Buch bedanken, aber fast mehr noch für die eindrucksvolle Präsentation. Die ging unter die Haut." Er sei sicher, dass Zahava Stessel, die ein Video von der Lesung erhalten werde, ein anderes Bild von Markkleeberg bekommt. "Was in ihrem Buch steht, darf nie aus unserem Bewusstsein rücken", mahnt Staude.

Überwältigt zeigt sich auch Schulleiter Ditmar Apel: "Ich bin sehr stolz, dass Ihr meine Schüler seid." Sein besonderer Dank gilt Englischlehrerin Ingeburg Hänsgen, die das Projekt nach einer Begegnung mit Zahava Stessel angeschoben und geleitet hat und Evelyn Kirsche, die für den künstlerischen Rahmen verantwortlich war.

Als "glücklichen Zufall" bezeichnet Apel die Tatsache, dass die Lesung ausgerechnet am 8. Mai stattfindet - auf den Tag 68 Jahre nach der Kapitulation Hitler-Deutschlands. Die Stadt Markkleeberg will gegen das Vergessen ankämpfen. "Snow Flowers" wird demnächst in deutscher Sprache gedruckt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.05.2013

Ulrike Witt

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