Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Markkleeberg Berkner: „Lippendorf wird als eines der letzten Kraftwerke vom Netz gehen“
Region Markkleeberg Berkner: „Lippendorf wird als eines der letzten Kraftwerke vom Netz gehen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:42 29.01.2019
Andreas Berkner, Leiter der Geschäftsstelle des Regionalen Planungsverbandes Leipzig-Westsachsen. Quelle: Andreas Döring
Landkreis Leipzig

Als tragfähigen Kompromiss sieht Andreas Berkner, Leiter der Planungsstelle des Regionalen Planungsverbandes Leipzig-Westsachsen, den vorgelegten Abschlussbericht der Kohlekommission. „Es ist aus meiner Sicht ein Konsens erzielt worden, der so nicht zu erwarten war.“

Das Ausstiegsdatum aus der Stromgewinnung durch das Verbrennen von Kohle sei aus seiner Sicht „dicht an der Obergrenze des Erwartbaren“. Faktisch dürften die Neubaukraftwerke in Mitteldeutschland kaum von früheren Stilllegungen gegenüber den bisherigen Planungen betroffen sein, schlussfolgert der Experte. Denn zunächst sollen Kohlekraftwerke in Westdeutschland vom Netz gehen.

Letzte Kohlekraftwerk in Deutschland sollen Ende 2038 vom Netz gehen

Für das letzte Kohlekraftwerk in Deutschland soll spätestens Ende 2038 Schluss sein. Die Laufzeit des Kraftwerkes Lippendorf sei bislang auf eine Zeit bis etwa 2040 ausgelegt gewesen, so der Experte. Aus den Festlegungen des Berichtes, so unkonkret die diesbezüglichen Aussagen auch sein mögen, geht für Berkner hervor, dass die Kraftwerke Lippendorf wie auch Schkopau im Mitteldeutschen Revier zur Gruppe „2030+“ gehören. Von einer zeitlich davor liegenden Stilllegung würden diese aus seiner Sicht nicht tangiert.

Mehr zum Thema Kohleausstieg

Das Aktionsbündnis „Ende Gelände Leipzig“ ist wie viele Umweltorganisationen unzufrieden mit dem Ergebnis der Kohlekommission. Am 2. Februar wird deshalb zu einer Demo aufgerufen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sieht in den Ergebnissen der Kohlekommision eine Chance für Sachsen.

Gegen den Kohleausstieg haben Umweltschützer heftig protestiert.

Die Kohlekommission hat ihre Arbeit getan, jetzt muss die Politik den Ausstieg in Gang bringen und die betroffenen Regionen fördern. Die Regierung kündigt schnell erste Schritte an.

Die Multimedia-Reportage erklärt, wie das Kraftwerk Lippendorf funktioniert.

„Neue Kraftwerksblöcke“, erläutert Berkner, „wurden nach der Wende überwiegend im Osten errichtet.“ Lippendorf sei eines der jüngsten und modernsten Kraftwerke. Es gebe nur vier Kraftwerksblöcke in Deutschland, die jünger sind. „Dafür aber 20 älteren Datums.“ Deshalb besteht aus Sicht des Planungsverbandes die begründete Hoffnung, dass der Standort im Landkreis Leipzig erst nach 2030 – und zwar möglichst viele Jahre nach diesem Datum – ausgedient hat.

Lippendorf wird als eines der letzten Kohlekraftwerke geschlossen

„Lippendorf wird als eines der letzten Kohlekraftwerke vom Netz gehen“, ist sich Berkner sicher. Vor allem die westdeutschen Kraftwerke seien von der Effizienz her nicht mit Lippendorf vergleichbar. „Der Standort ist, was den Wirkungsgrad anbelangt, noch immer das Maß der Dinge.“ Außerdem verweist Berkner auf die Revisionsklausel, für die sich die Kohleländer eingesetzt haben und die sich im Abschlussbericht wiederfindet.

Das Kraftwerk Lippendorf wird wohl als eines der letzten Kraftwerke vom Netz gehen. Quelle: Armin Kühne

Sollten Ziele in einzelnen Bereichen, sowohl bei Energie und Klimaschutz als auch beim Fortschritt des Strukturwandels, absehbar nicht erreicht werden, müsse nachgesteuert werden. Heißt: Es könnte auch zu einem späteren Kohle-Ausstieg kommen, sollte sich der Strom aus Kohlekraftwerken als unverzichtbar erweisen.

Keine Aussage zur Zukunft bedrohter Dörfer

Von den geänderten Rahmenbedingungen ist natürlich auch die Zukunft des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain betroffen. „Dieser ist in seiner Bereitstellung zu hundert Prozent an das Kraftwerk Lippendorf gekoppelt, es gibt also keine anderen Kunden, die aus dem Tagebau beliefert werden.“

Dass der Abschlussbericht dennoch keine Aussagen zur Zukunft einzelner noch von der Abbaggerung bedrohter Dörfer trifft, ist für Berkner nachvollziehbar. „Das würde bedeuten, dass man in laufende Verwaltungsprozesse eingreift, die mit dem Sächsischen Oberbergamt laufen.“

Vor allem überwiegt bei Berkner in einer ersten Reaktion das Positive. Die Region habe jetzt Planungssicherheit. Ganz anders, als das bei der Schließung der Brikettfabriken nach der Wende der Fall war. „1990 hätten sich viele ein solches Maß an Sicherheit gewünscht.“ Noch seien zwar viele Fragen offen, aber die Akteure könnten sich jetzt gemeinsam auf den Weg machen, den Strukturwandel anzupacken. Dafür seien die 40 Milliarden zur Flankierung des Prozesses zudem eine ordentliche Hausnummer.

Von Simone Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Diebe in Zwenkau haben einen Riesenfischzug gemacht – und wussten es womöglich gar nicht. Sie stahlen einen Firmenwagen – mit extrem kostbarer Ladung.

28.01.2019

Die Gemeinde Großpösna hat in den nächsten Jahren viel vor im Dorf. Brachflächen sollen verschwinden, die Infrastruktur für Wohnen und Freizeit sowie für die Nahversorgung verbessert werden. Vor allem aber müssen Kita-Plätze geschaffen werden.

25.01.2019

Auf den Landkreis-Straßen kracht es erstaunlich häufig. Laut Kfz-Versicherer Generali rangiert die Region zwischen Thallwitz und Geithain bei der Unfallhäufigkeit über dem Landesdurchschnitt.

23.01.2019