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Markkleeberg Maler, Mediziner und Bourgeois
Region Markkleeberg Maler, Mediziner und Bourgeois
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00:21 07.07.2018
Christof Schauer inmitten seiner Selbstporträts in der Ausstellung „Selbstgespräche“, in der er viel Persönliches preisgibt. Quelle: Foto: Andre Kempner
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Markkleeberg

Christof Schauer setzt seine „Selbstgespräche“ künstlerisch in Szene. In der gleichnamigen Ausstellung, die am Donnerstag, 5. Juli, im Parksalon des Weißen Hauses eröffnet wird, transportiert er über großformatige Malereien ganz Privates.

Christof Schauer ist Arzt und Künstler, ein Mann mit zwei Berufen und zwei Berufungen. Der Internist setzt oder stellt sich nicht zum reinen Zeitvertreib an die Staffelei. Darauf legt er Wert. Er widmet seiner Kunst feste Zeiten in seinem Wochenplan. „Ich will beides klar trennen“, sagt er bestimmt, obwohl ihm die Doppelbelastung nicht nur Freude bringt. „Es kostet viel Zeit und Kraft, weil das Malen nicht einfach nur Liebhaberei ist“, erklärt er. Diese Problematik, seine Zweifel, Erhofftes und Gefürchtetes, verarbeitet er in seinen Gemälden.

In die Bildgestaltung sind sehr viele persönliche Erfahrungen eingeflossen. Manche verleiten zum Schmunzeln, wie „Der kleine Anarchist“, der frech auf der Tastatur eines Klaviers tanzt. Dazu habe ihn sein Sohn Tilman inspiriert. Der Sechzehnjährige, damals sieben oder acht Jahre alt, habe damals mit allen Möglichkeiten seiner Körpersprache zum Ausdruck gebracht, dass er keinen Klavierunterricht möchte, erinnert sich der Vater, der Verständnis und Liebe im expressiven Ausdruck weder verhehlen kann noch möchte.

Tilman kommt ein weiteres Mal vor, in einer Szene, die der Maler „Pubertät“ genannt hat. Der junge Mann ist in einen fürstlichen Umhang gehüllt und hält selbstbewusst und aufrecht einen königlichen Gehstock. Damit versinnbildlicht er den Übergang der Phase, in der Schauer als Vater versucht hat, seinem Sohn die Welt zu erklären und dem Punkt, an dem der Teenager begonnen hat, eigene Wege und Wahrheiten zu entdecken. Gleich daneben hängt ein Porträt von Schauers Vater. „Ich selbst bin symbolisch irgendwo dazwischen“, sagt der Künstler.

Er hat mit 15 oder 16 Jahren zur Malerei gefunden und arbeitet in der Leipziger Baumwollspinnerei. „Meine Kindheit war sehr musisch geprägt, meine Mutter spielte Geige, ich spiele selber Klavier“, blickt er zurück. Die gelegentlichen Zweifel seiner Künstlerkollegen an der Ernsthaftigkeit seines Schaffens mit dem Tenor, wenn man etwas nicht mit hundertprozentiger Inbrunst tue, werde das Nichts, nagen an ihm. Auf den Spagat, den er als Maler und Mediziner macht, will er jedoch keinesfalls verzichten.

„Selbstgespräche“ heißt sowohl die Ausstellung, die bis zum 7. Oktober zu sehen ist, als auch das Bild rechts von Christof Schauer. Quelle: Kempner

„Ich liebe mein bürgerliches Leben, ich möchte meinen Kindern eine sichere Zukunft bieten“, ist seine Einstellung. So muss er auch den Spagat zwischen dem Dasein eines Kunstschaffenden mit all seinen Facetten und Unsicherheiten, dem egoistischen Kampf mit dem eigenen Dämon und seinem altruistischen Rollenverständnis im Arbeitsalltag als Arzt aushalten. Das verlange Opfer im privaten Bereich und ein schlechtes bourgeoises Gewissen, gibt er unumwunden zu. Schließlich spiegelt sich das gerade in dieser Ausstellung wider.

Am Clochard, den er in Lissabon zwischen einer Schar von Tauben beobachtet hat, fasziniert ihn der Freiheitscharakter der Szene, das Loslassen materieller Bedürfnisse. „Ich liebe auch diese Vögel und ihr Gurren“, sagt er. Obwohl der Augenblick, so idyllisch er scheinen mag, im Widerspruch zum tagtäglichen unbarmherzigen Überlebenskampf des Landstreichers auf der Straße steht.

Schauers Selbstbildnisse veranschaulichen die geistige und körperliche Last „mit der man sich herumschlagen muss“, vielleicht auch Zeichen einer inneren Zerrissenheit, dass er bei der Fertigstellung seiner Motive empfindet: „Ich möchte sie nicht totmalen, aber ich habe das Gefühl, keines meiner Bilder ist richtig fertig.“

Ein Triptychon zeigt ihn auf einem hölzernen Steg, nach vorne gebeugt schleicht er mühsamen dahin. Er kauert mit gesenktem Kopf, obwohl er nicht den Eindruck vermittelt, den Kopf hängen zu lassen, auf einer Kommode. Er schleppt dieses klassisch-elegante, stilvolle Möbelstück, obwohl er unter der übermächtigen Last beinahe zusammenbricht und nennt die Reihe mit einem Hauch von Ironie „Der verdammte Bourgeois“.

Die Ausstellung wird am Donnerstag, 5. Juli, um 19 Uhr im Weißen Haus feierlich eröffnet und bis zum 7. Oktober gezeigt. Geöffnet ist jeweils Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 17 Uhr.

Von Gislinde Redepenning

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