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Markkleeberg Marius Heckmann – Deutschland zwischen Traum und Trauma
Region Markkleeberg Marius Heckmann – Deutschland zwischen Traum und Trauma
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07:00 16.07.2016
Übt Kritik an brüchiger Gesellschaft: Marius Heckmann vor dem Hauptwerk der Ausstellung „Deutschland, Fickdichselberland“. Quelle: André Kempner
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Markkleeberg

Marius Heckmann traut sich was. Der Berliner Maler bezieht Haltung zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen, befasst sich mit Deutschland zwischen NSU und Willkommenskultur. Im Weißen Haus sind seine Werke jetzt erstmals in der Region Leipzig zu sehen. Die Ausstellung, die vom Kulturamt der Stadt Markkleeberg präsentiert wird, trägt den Titel „Brüche“.

„Sein zentrales Motiv ist die Auseinandersetzung mit der brüchigen, widersprüchlichen Welt. Seine Kunst ist es, vertraute Sehgewohnheiten zu brechen“, erklärt Kuratorin Marianne Kapfer. Heckmann nehme Bilder aus der Kunstgeschichte, Filmausschnitte, Bildklischees aus der Werbefotografie und Zeitungsfotos und übertrage diese durch Brechung, Neuinszenierung, Assoziation, Verzerrung und Vergrößerung in seine eigene künstlerische Realität.

Das Rosenzimmer ist das Zentrum der Schau. Hier hängt das Hauptwerk „Deutschland, Fickdichselberland“. „Ich habe den Spruch auf einer dieser tausendmal übersprühten Hauswände entdeckt. Er ging mir unter die Haut. Diese Wut, von wegen Willkommenskultur, diese 2015er deutsche Neufindung“, sagt Heckmann. Er hat das Graffiti neu in Szene gesetzt, macht Deutschland „zwischen Traum und Traumaland“ sichtbar.

„Offensichtlich gab es von Seiten des Staates gar kein Interesse, die neun NSU-Morde an Türken aufzuklären. Das hat mich wahnsinnig irritiert. Genau wie die Tatsache, dass sich die Gruppe nicht offiziell zu ihren grausamen Taten bekannt, sondern sie im Netz mit dem Pink-Panther-Video noch verniedlicht hat“, erklärt Heckmann. Der Maler hat Videoszenen mit dem Pinsel festgehalten, „reflektiert so den Bruch zwischen vordergründiger Bildästhetik und der furchtbaren Geschichte“, sagt Kapfer. Und er fragt: „Wie tief können wir noch sinken?“

In der Diele lacht Sabine Christiansen im Abendkleid. „Es geht mir nicht um sie, sondern um Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Sie steht für die Glamour-Welt, die mit uns spielt“, sagt Heckmann. Der Blick auf die Schippe daneben unterscheidet den Kunstkenner vom Gelegenheitsbesucher. „Das ist ein Readymade des großen Künstlers Marcel Duchamp. Solche indirekten Porträts mache ich gern“, gesteht Heckmann. Das Motiv sei trivial, „in der Sphäre der Kunst ist es jedoch ein Millionenobjekt“, verrät der 59-Jährige. Es gebe eben immer eine Wahrheit dahinter, meint Heckmann, der in den Siebzigern an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, später noch Psychologie in Berlin studiert hat.

Im Buchenzimmer widmet sich Heckmann den Brüchen in der Natur: Caspar David Friedrichs Eisberg ist hier weniger romantisch als vielmehr Zeugnis gescheiterter Hoffnungen und Sehnsüchte. „Ich habe meine eigenen Empfindungen als zweite Ebene hinzugenommen. Es brauchte mehr Tiefe“, so Heckmann.

Auf die Frage, warum er die Einladung ins Weiße Haus angenommen hat, sagt Heckmann: „Leipzig ist nicht nur kulturell ein hoch spannendes Feld, es ist in jeder Hinsicht ein Hotspot in Deutschland geworden.“ Leider Gottes stehe Sachsen in der öffentlichen Wahrnehmung auch für Fremdenfeindlichkeit. Ein Grund mehr seine Ausstellung hier zu zeigen, findet Kulturamtsleiter Falk Hartig. Geöffnet ist die Schau bis 3. Oktober, dienstags, mittwochs und donnerstags von 10 bis 17 Uhr, der Eintritt frei.

Von Ulrike Witt

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