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Markkleeberg bekommt im Dezember eine Stadtbuslinie

Markkleeberg bekommt im Dezember eine Stadtbuslinie

Nach gut einem Jahren Arbeit liegt das neue Konzept für den öffentlichen Personennahverkehr in Markkleeberg vor. Am Mittwochabend wurde das von der Stadt und dem Landkreis in Auftrag gegebene und vom Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) mit dem Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig, den LVB, der Regionalbus GmbH, der DB Regio und der Stadt Leipzig erarbeitete Werk erstmals den Bürgern im Lindensaal vorgestellt.

Markkleeberg. Der Stadtrat war bereits Ende April in nichtöffentlicher Sitzung informiert worden.

Die wichtigsten Änderungen, die sofern der Kreistag im Juli zustimmt, Mitte Dezember umgesetzt werden sollen:

Die Straßenbahnlinie 9 wird zwischen Connewitzer Kreuz und Markkleeberg-West durch die Buslinie 70 ersetzt. Diese soll alle zehn Minuten im bisherigen Linienverlauf fahren.

Markkleeberg bekommt die lang ersehnte Stadtbuslinie, die (fast) alle Stadtteile und die beiden Seen verbindet. Die 106, so der Arbeitstitel, soll im 30-Minuten-Takt vom Bahnhof Großstädteln zum Zöbigker Hafen fahren, weiter in einer Schleife über den Eulenberg, zurück auf die Koburger Straße, in die Rathausstraße, zum S-Bahn-Umsteigeknoten Bahnhof Markkleeberg, dann in die Hauptstraße, zur Seenallee, in die Bornaische Straße, zum Markkleeberger See/Promenade und nach Wachau. Dort wird die Linie zur 106E und fährt auch am Wochenende alle 60 Minuten abwechselnd übers Gewerbegebiet Wachau nach Probstheida oder zum Kanupark nach Auenhain. Als Option vermerkt ist die Anbindung des Störmthaler Sees.

Die Buslinie 107 zwischen Connewitzer Kreuz und Zwenkauer Hafen verzichtet auf Wunsch vieler Zwenkauer auf die "Showrunde durch Markkleeberg" und fährt nach dem Bahnhof Großstädteln im 60-Minuten-Takt über die Städtelner Straße zu Marktkauf, weiter durch die Wasserturmsiedlung zur Endstelle der 9 beziehungsweise 70, dann über August-Bebel-Straße und Ring zum Bahnhof und zum Connewitzer Kreuz.

Von der neuen Buslinie 108 sollen nicht nur die Markkleeberger, sondern auch die Leipziger profitieren. Diese fährt im 60-Minuten-Takt von Probstheida über das Gewerbegebiet Wachau, durch die Leinestraße, über den Goethesteig, hält am S-Bahnhaltepunkt Markkleeberg-Nord und endet am Markkleeberger Bahnhof.

Für die neuen Linienführungen wird die Stadt 15 Haltestellen bauen. Zudem soll ein Vertrag mit den LVB zum Rückbau der Gleise, beginnend in der Friedrich-Ebert-Straße, geschlossen und die Sanierung der betroffenen Straßen in den Finanzplan aufgenommen werden.

"Das Konzept ist eine Sensation, für die Markkleeberger ein Qualitätssprung", schwärmte MDV-Verkehrsplaner Ron Böhme. Bislang nicht erschlossene Stadtteile und Seebereiche würden angebunden, kürzere und schnellere Wege geschaffen, das Angebot allein am Wochenende um 62 Fahrten aufgestockt. Bei der Entwicklung der Vorzugsvariante - sechs wurden insgesamt betrachtet - seien sowohl die Fahrgastzuwächse bei der S-Bahn von 50 Prozent, der Rückgang von bis zu 32 Prozent bei der 9 seit Einführung des mitteldeutschen S-Bahnnetzes 2013, die zum Dezember 2015 geplante Aufstockung des S-Bahnangebotes als auch die Ergebnisse der Haushalt- und Fahrgastbefragungen vom März 2014 berücksichtigt worden, betonte Böhme.

"Ich bin sehr zufrieden. Alle Ziele werden erfüllt. Wir bekommen eine Ost-West-Verbindung, alle Stadtteile und die Seen werden angebunden und wir werden mehr Fahrgäste locken. Und da sind die Touristenströme noch nicht eingerechnet", erklärte Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD). Einziger Wermutstropfen sei die Umstellung von Straßenbahn auf Bus. "Letztlich ändert sich aber nur das Verkehrsmittel, Linienführung und Takt bleiben", betonte er.

Renate Müller, die mit ihrem Mann in den Lindensaal gekommen war, teilte diese Meinung. "Auf den ersten Blick ist das wirklich ein gutes Konzept. Wir haben kein Auto und da ist es bislang schwer an die Seen zu gelangen", erzählte die Markkleebergerin.

Kritik äußerte Carsten Schulze vom Fahrgastverband Pro Bahn: "Ein halb gares Konzept mit guten Verbesserungen, aber wieder wird mit dem Glauben gehandelt, dass verspätungsanfällige Busse die Straßenbahn ersetzen können, dass Umsteigen und Umwege für die Fahrgäste attraktiv sind." Außerdem werde der touristische Verkehr weitgehend ignoriert. "Die Einstellung der 9 ist ein Fehler. Stattdessen sollte die Straßenbahn bis zum Zöbigker Hafen verlängert werden. Das würde die einträglichste Linie werden", so Schulze.

Während das für den MDV nicht in Frage kommt, haben sich die Verkehrsplaner offensichtlich noch nicht von der Verlängerung der 11 bis zum Markkleeberger See verabschiedet. Die 200 Meter zwischen Schillerplatz und See-Promenade sind als Option eingezeichnet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.05.2015
Ulrike Witt

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