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Markkleeberg soll hinschauen

Markkleeberg soll hinschauen

In der Hofpause wird ein Bier getrunken. Im Supermarkt auf dem Weg zur Party noch eine Flasche Wodka gekauft. Alkohol ist fast immer und überall für Teenager verfügbar – auch in Markkleeberg.

Markkleeberg. Die SPD-Fraktion will das nicht mehr hinnehmen. Sie fordert ein kommunales Suchtpräventionskonzept.

„Das Problem Alkoholmissbrauch durch Kinder und Jugendliche wird in der öffentlichen Diskussion weitgehend ausgeblendet“, meint Karsten Schütze. Die Gründe sieht er im legalen Erwerb und Konsum, aber auch in der hohen gesellschaftlichen Akzeptanz des – in erster Linie – Genussmittels. „Eltern, die selbst regelmäßig Alkohol trinken, schauen auch bei ihren Kindern nicht hin“, ist der 43-Jährige überzeugt. Der Gymnasiallehrer kennt die Spuren der zahlreichen Strandfeten unter dem Motto „Saufen bis der Arzt kommt“, die besonders an den Wochenenden rund um den Cospudener See gefeiert werden. Andere treffen sich vor der Rathausgalerie oder dem Bahnhof – Schamgrenzen existierten längst nicht mehr. „Da wurden schon Siebtklässlerinnen gesehen“, sagt Schütze.

Mit seiner Fraktion will er möglichst schnell eine Anti-Sucht-Kampagne ins Leben rufen. „Wir möchten die Markkleeberger für das Thema Alkohol und Drogen generell sensibilisieren und viele ins Boot holen“, erklärt Schütze. Dazu zählten Geschäfte und Gastronomen, die sich öffentlich zur Altersbegrenzung von 16 Jahren beim Alkoholverkauf bekennen sollen, aber auch Jugendklub-Betreiber, Lehrer, Schulsozialarbeiter und nicht zuletzt die Familien selbst.

Vorbilder gibt es einige, zum Beispiel „Metzingen schaut hin“. Die baden-württembergische Stadt im Landkreis Reutlingen startete im vergangenen Jahr ihr Suchtpräventionsprojekt mit zahlreichen Informationsveranstaltungen, Ausstellungen und Streetworking. Dabei geht es den Verantwortlichen nicht allein um die Gefahren durch übermäßigen Alkoholkonsum, auch Nikotin- und Medikamentenmissbrauch, Computer- und Spielsucht, sowie Essstörungen werden in Metzingen seither thematisiert.

Im Markkleeberger Stadtrat waren die Reaktionen auf den SPD-Vorschlag indes verhalten. „Die Idee an sich ist löblich, aber was kämen denn für Kosten auf uns zu?“, wollte CDU-Fraktionsvorsitzende Anne-Katrin Seyfarth wissen. Und selbst Oberbürgermeister Bernd Klose (SPD) musste von seinen Parteifreunden im Vorfeld erst einmal überzeugt werden. Er fragte, inwieweit Suchtprävention überhaupt in den Aufgabenbereich einer Stadt fällt. Um konkrete Zahlen bat indes FDP-Stadtrat Christoph Waitz.

Evelyn Beitz, Leiterin der DRK-Suchtberatungsstelle in der Mittelstraße, hat diese vorgelegt. „Im Jahr 2009 kamen 276 Patienten mit der Diagnose „alkoholabhängig“ zu uns. Davon waren elf Prozent zwischen 18 und 24 Jahren, 66 Prozent zwischen 36 und 55 Jahren“, so Beitz’ Statistik. Was die Zahlen nicht offenlegen, ist das wahre Ausmaß. Denn das Angebot der Suchtberatung nehme nur in Anspruch, wer sich seines Problems bewusst sei. Und der Weg bis dahin ist in der Regel weit länger als der in die Sucht. „Bis die Jugendlichen bei uns landen, dauert es oft Jahre“, sagt Beitz.

Wesentlich schneller soll das kommunale Suchtpräventionsprogramm nach Schützes Vorstellung auf die Beine gestellt werden: „Ich hoffe, dass es im Frühjahr soweit ist.“ Wie er mitteilte, habe es inzwischen eine nicht-öffentliche Sitzung des Sozialausschusses gegeben, in deren Ergebnis ein Runder Tisch unter anderem mit Vertretern der Jugendhilfe, Suchtberatern und Stadträten initiiert werden soll.

Ulrike Witt

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