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Markkleeberger sind Vorreiter bei der Midi-Technik

Martin-Luther-Kirche Markkleeberger sind Vorreiter bei der Midi-Technik

Vergangene Woche wurde das Paulinum in Leipzig eingeweiht. Die Orgel, wie der ganze Bau, hochmodern – und computergesteuert. Für Leipzig etwas Neues, für Sachsen nicht. Im Markkleeberg gibt es in der Martin-Luther-Kirche seit beinah drei Jahren eine Orgel mit Midi-Technik.

Professor Martin Kürschner vor der Orgel in der Martin-Luther-Kirche.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Vergangene Woche wurde das Paulinum in Leipzig eingeweiht. Die Orgel, wie der ganze Bau, hochmodern – und computergesteuert. Für Leipzig etwas Neues, für Sachsen nicht. Im Markkleeberg gibt es in der Martin-Luther-Kirche seit beinah drei Jahren eine Orgel mit Midi-Technik (Englisch: musical instrument digital interface), einer Schnittstelle zwischen PC und Instrument.

„Unsere Orgel verbindet Tradition und Fortschritt. Der Klang knüpft an den barocken Bau an, die Midi-Technik nimmt die aktuelle Entwicklung auf und eröffnet Organisten und Komponisten ganz neue Möglichkeiten“, erklärt Professor Martin Kürschner, Rektor der Musikhochschule Leipzig, und langjähriger Vorsitzender des Orgelausschusses der Kirchgemeinde. Als die von der baden-württembergischen Firma Fischer und Krämer gebaute Orgel 2014 geweiht wurde, sei sie die erste ihrer Art im Freistaat gewesen. Denn anders als bei der nachgerüsteten Ladegast-Orgel in der Leipziger Nikolaikirche sei die Übertragung in Markkleeberg auf zwei Wegen – vom PC zur Orgel und anders herum – als Midi-in und -out möglich. „Das haben wir gut hingekriegt“, findet Kürschner. Die 25 000 Euro extra seien bestens angelegt.

Der Professor für Komposition/Neue Musik und Musiktheorie ist von der Technik fasziniert. Der 63-Jährige hat auch Mathematik und Physik studiert, kennt sich mit Zahlen wie mit Tönen aus. Am Orgeltisch strahlt Kürschner, neben sich den Laptop mit einer Komposition. Auf Druckknopf beginnt die Orgel wie von Geisterhand zu spielen, bewegen sich die Register. Ein Klangteppich, den der Organist manuell beliebig bespielen kann. „Unter jeder Pfeife sitzt ein Magnet, der elektronisch vom Computer angesteuert wird, das Ventil öffnet, damit Luft einströmen kann, und wieder schließt“, erklärt der Musiker.

„Mir war von Anfang an klar, dass die zukunftsweisende Midi-Technik für unsere Orgel einen Riesenschub bringt“, betont Kürschner. Den wollte die Martin-Luther-Kirchgemeinde mit einem Orgel-Kompositionswettbewerb anfeuern. Anfang 2017 wurde dieser, unterstützt vom Friedrich-Hofmeister-Musikverlag, ausgeschrieben. „Über das Ergebnis war ich ein bisschen traurig“, gesteht Kürschner. Gerade mal zehn Komponisten hätten sich beworben, „wahrscheinlich weil es so innovativ ist, dass sich nur wenige etwas darunter vorstellen konnten“, vermutet er. Und nicht einer habe die Möglichkeiten der Midi-Technik wirklich ausgeschöpft.

Die Jury war mit Martin Schmeding, Orgelprofessor an der Musikhochschule und Künstlerischer Leiter der Europäischen Orgelakademie, laut Kürschner einer der genialsten Orgelinterpreten, Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger, Kantor Frank Zimpel, Stefanie Clement vom Friedrich-Hofmeister-Musikverlag und Kürschner selbst prominent besetzt. Im Frühsommer wählten sie die besten Werke aus - von Jens Klimek/Magdeburg und Johannes Söllner/Tübingen. „Sie konnten ihre Kompositionen noch innerhalb von zwei Monaten auf die Midi-Technik zuschneiden“, erläutert Kürschner. Genutzt habe die Option nur Klimek. Dessen Werk „Feste Burg – Festung (?)“ läge nun in zwei Versionen vor und habe den zweiten Platz beim Wettbewerb geholt. Auf einen ersten Platz sei mangels Erfüllung aller Kriterien verzichtet worden. Söllner erhielt immerhin einen Sonderpreis.

Uraufgeführt wurden die beiden 15 Minuten langen Stücke, wie sechs weitere mit Midi-Einsatz, Mitte August in der Martin-Luther-Kirche beim Abschlusskonzert der 6. Europäischen Orgelakademie. Alle zwei Jahre wird die von der Musikhochschule veranstaltet. Studenten aus 25 Nationen kämen nach Leipzig, um bei berühmten Orgelprofessoren Meisterkurse zu absolvieren, diesmal unter anderem bei Daniel Roth aus Paris und Martin Haselböck aus Wien, berichtet Kürschner.

„Für die Teilnehmer der Orgelakademie und unsere Gemeinde war das toll. Sie konnten erleben, was mit der Midi-Technik alles machbar ist“, schwärmt der Markkleeberger. Klimeks Midi-Version erscheint übrigens demnächst im Friedrich-Hofmeister-Musikverlag.

Von Ulrike Witt

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