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Markkleeberg Mibrag und LMBV beenden Flutungsvertrag
Region Markkleeberg Mibrag und LMBV beenden Flutungsvertrag
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06:01 24.11.2018
Symbolisch sperren Klaus Zschiedrich (LMBV), Armin Eicholz (Mibrag) und Andreas Berkner (v.l.) das Ventil nach 20 Jahren zu. Mit 475 MIllionen Kubikmetern Wasser aus dem aktiven Tagebau wurden die Bergbaufolgeseen geflutet, auch der Zwenkauer See. Quelle: A. Kempner
Zwenkau

Mit der Flutung der ausgekohlten Tagebaue entstanden im Südraum von Leipzig zahlreiche Seen, die heute die Region prägen. 20 Jahre lang wurde dafür Sümpfungswasser aus aktiven Tagebauen in die Narben im Boden gepumpt. Eine einzigartige Erfolgsgeschichte, die dank eines Abkommens zwischen dem Bergbauunternehmen Mibrag und dem Tagebausanierer Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) geschrieben werden konnte. Der Vertrag läuft Ende des Jahres aus.

Grund genug, die Meilensteine der Sanierungstätigkeit und den beispiellosen Wandel der Landschaft in einem feierlichem Rahmen im Bergbauausstellungspavillon am Kap Zwenkau Revue passieren zu lassen. „Der Schulterschluss zwischen Mibrag und LMBV hat gezeigt, wie wichtig eine vorausschauende Sanierung für die Zukunft einer Region sein kann“, erklärte Armin Eichholz, Vorsitzender der Mibrag-Geschäftsführung. „Nie zuvor hat es eine so weitreichende Aktion zwischen einem Sanierer und einem aktiven Tagebau gegeben.“ Der Vertrag brachte beiden Unternehmen Vorteile. „Wir konnten das bei uns anfallende Wasser in die Seen leiten und hatten lediglich die Betriebskosten für zwei Pumpstationen in Predel und Schleenhain zu tragen“, sagte Eichholz. Eine eingehende Prüfung hatte ergeben, dass das Wasser gut gegen Übersäuerung gepuffert sei und keiner zusätzlichen Behandlung bedürfe. Die LMBV übernahm den Bau der Ringleitungen, insgesamt 60 Kilometer, durch die in zwei Jahrzehnten 475 Millionen Kubikmeter Wasser durchgeflossen sind.

Noch einen Schritt weiter in die Vergangenheit blickte LMBV-Chef Klaus Zschiedrich zurück. Wo Bergbau betrieben werde, gebe es immer tiefe Einschnitte in die Wasserwirtschaft. So sei über die Jahrzehnte in der Region ein Grundwasserdefizit von 5,7 Milliarden Kubikmetern entstanden. „Wir hatten damals drei Varianten zur Auswahl, die künftigen Seen zu befüllen“, erläuterte er. Warten, bis die Seen von selbst zuliefen, hätte 60 bis 80 Jahre gedauert – viel zu lange. Auch keine Option: Die Vorflut aus fließenden Gewässern wie Pleiße oder Elster, die nicht nur in diesem Sommer von längeren Trockenperioden betroffen waren. „Wir haben uns nach Voruntersuchungen für die dritte, witterungsunabhängige Variante entschieden“, sagte Zschiedrich. Die Ergebnisse seien gut, Nachsorge und Konditionierung des Wassers waren kaum nötig, saure Zuflüsse aus den Böschungen wurden minimiert. Das Grundwasserdefizit sei weitestgehend ausgeglichen. Wo es nötig sei, werde man die Beschaffenheit des Wassers weiter stützen. „Damit haben wir einen wesentlichen Beitrag zu Wiederherstellung eines sich selbst regulierenden Wasserhaushalts geleistet“, so der LMBV-Chef.

Andreas Berkner, Leiter der Regionalen Planungsstelle Leipzig-Westsachsen, erinnerte an die Neuorientierung der Wirtschaft und der Einstellung zahlreicher Tagebeaue nach der Wende. „Ich habe das Privileg, damals jung genug als Geburtshelfer dabeisein zu können und heute noch tätig zu sein“, schmunzelte er. Die Flüsse waren damals stark verschmutzt, die Pleiße regelmäßig acht Grad wärmer als die Luft, keine Spur von Badeparadies. „Zu Beginn der Regionalplanung war es den Menschen nicht zu vermitteln, dass sie an die 100 Jahre warten sollten, bis sich die Landschaft entwickelt“, so Berkner. In der Zeit des Strukturwandels ängstigten sich die Bergleute um ihre Arbeitsplätze und ihre Zukunft. Der Wasserüberleitungsvertrag habe mit seinem steuerbaren System für eine einmalige Win-win-Situation gesorgt. „Fast im Jahrestakt haben wir im Wechsel mit Flutungen von Seen begonnen und Seen freigegeben“, sagt Berkner.

Acht Bergbaufolgeseen sind so entstanden. Das Ende der erfüllten Mission sieht er mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Lachend, weil der Zweck erfüllt ist, weinend, weil jetzt das Steuerelement für die Seen wegfällt.“ Die Arbeit sei auch noch nicht ganz getan. Pumpen und Ringleitungen würden jetzt zurückgebaut, Start für das Entfernen der Rohre ist am Werbener See bei Kitzen.

Von Gislinde Redepenning

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