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Ministerin ruft Notarzt, klärt Behinderten-Bleibe

Ministerin ruft Notarzt, klärt Behinderten-Bleibe

Welche Probleme haben Flüchtlinge ganz konkret im Landkreis? Dieser Frage konnte Staatsministerin Petra Köpping (SPD), zuständig für Integration und Gleichstellung, gestern vor Ort nachgehen.

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Beratungstelle mit gespendeten "Fördermitteln": Petra Köpping (2.v.l.) mit den Betreuern Eros Avena, Eman Aissa und Friederike Bensien (v.l.).

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Im Rahmen der Aktion Perspektivwechsel war sie mit den Betreuern der Caritas Beratungstelle für Flüchtlinge unterwegs.

Eigentlich sollte es in mehrere Unterkünfte im ganzen Südraum Leipzig gehen. Start war in der Röthaer Einrichtung. "Aber wir sind nicht weit gekommen", erklärte sie am späten Mittag zurück im Markkleeberger Büro der Caritas-Flüchtlingsberatung. "Der neue kleine Beratungsraum in Rötha war ständig voller Menschen und ihrer Probleme."

Für einen jungen Mann, der über starke Schmerzen in seinem geschwollenen Bein klagte, habe sie sofort den Notarzt gerufen. Der Mann sei direkt in eine Klinik eingeliefert worden. Das Problem dahinter: Den Flüchtlingen stünde nur medizinische Nothilfe zu, so Köpping. "Und bei vielen Ärzten und auch Hebammen sind sie nicht gerade willkommen", weiß Betreuerin Friederike Bensien aus Erfahrung.

Ein an den Rollstuhl gefesselter Mann habe zudem darüber geklagt, in seinem Zimmer in der dritten Etage wie gefangen zu sein. Hintergrund: Die Flüchtlinge können in dem ehemaligen Hotel, in dem der Freistaat rund 150 Leute unterbringt, die Aufzüge nicht nutzen. Gemeinsam sei veranlasst worden, dass der Mann nun ein Erdgeschoss-Zimmer zugewiesen bekomme, so Köpping. Unterdessen bahnt sich bei ihm die nächste Katastrophe an: Der langjährige Weggefährte des Lybiers, ein Landsmann, der ihm auf der Reise bereits seit Jahren zur Seite steht, muss gemäß des Dublin-III-Abkommens demnächst Deutschland wieder verlassen, weil er in Italien erstmals Asyl beantragte. Köpping: "Die Menschen helfen sich gegenseitig sehr gut. Bei uns gibt es aber noch große Lücken bei der Betreuung von behinderten Flüchtlingen."

Aber auch Positives erlebte die Ministerin. Der Kirchverein sei vorbeigekommen, auch der Sportverein. Beide wollten den Flüchtlingen Angebote unterbreiten, zum Beispiel einen Obstgarten aufbauen,oder Sportler aufnehmen. Köpping konnte ihnen gleich aus erster Hand die neuen Förderprogramme vorstellen, bei denen der Freistaat die Sachkosten übernimmt, wenn Ehrenamtliche etwas für Flüchtlinge auf die Beine stellen. In vielen Bereichen hapere es aber noch, so die Ministerin. So könnten Arbeitgeber mehr Praktikantenplätze aufbauen und Flüchtlingen dadurch nicht nur Beschäftigung, sondern auch ein berufliches Ziel geben.

Die vier Anlaufstellen im Kreis, das Markkleeberger Büro mit drei Beratern für rund 400 Flüchtlinge befindet sich in der Koburger Straße 86, halte sie für modellhaft im Freistaat, so Köpping. Im Büro werde auch das Nötigste gesammelt, wie Kinderwagen und Babysachen, so Bensien. "Bitte vorher anrufen und fragen." Infos: Tel. 0341 35019683

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.08.2015
Jörg ter Vehn

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