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Markkleeberg MP Kretschmer: „Als Konservativer muss man auch mal Spaßbremse sein“
Region Markkleeberg MP Kretschmer: „Als Konservativer muss man auch mal Spaßbremse sein“
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14:29 11.03.2019
Michael Kretschmer (links) hat den Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt als „wunderbaren Unterstützer“ in die Programmkommission berufen. Quelle: Kempner
Markkleeberg

Die sächsische CDU ruft auf dem Weg zur Landtagswahl mit Ideenwerkstätten zur Mitarbeit auf. Bei der dritten Runde zum Thema „Heimat in Stadt und Land“ kamen im Großen Lindensaal am Freitag Bürger mit Michael Kretschmer, Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat, ins Gespräch. Ihre Vorstellungen und Wünsche hatten sie zuvor als Diskussionsgrundlage an eine große Grüne Wand gepinnt.

„Wir sind in allen Teilen Sachsens unterwegs, weil wir glauben, dass es wichtig ist, die Menschen einzubeziehen“, erklärte Generalsekretär Alexander Dierks als Leiter der Programmkommission. „In Markkleeberg sind wir, weil sich die Stadt im Umfeld von Leipzig sehr gut entwickelt hat.“ Ein wichtiges Thema im Laufe des Abends. Vehement widersprach Kretschmer den Äußerungen aus dem Institut für Wirtschaftsförderung in Halle, das kürzlich empfohlen hatte, die Strukturförderung auf die Städte zu konzentrieren. „Wir werden das Gegenteil machen, da sind wir Überzeugungstäter“, versprach Kretschmer. Das Land ruhe auf zwei Säulen, den Metropolen Leipzig, Dresden und Chemnitz sowie dem ländlichen Raum, im dem die Mehrzahl der Menschen und Unternehmen angesiedelt sind. So sei in Markkleeberg der gesellschaftliche Zusammenhalt um ein Vielfaches höher als in Connewitz oder Berlin-Kreuzberg mit allen typischen Problemen eines Hotpots. München, Stuttgart oder Frankfurt, die großen Städte im Westen, hätten Probleme mit dem Wachstum, mit unbezahlbaren Mieten und Platzmangel für Unternehmen, die sich erweitern wollten. „Wir machen das anders“, versichert Kremtschmer.

Patzelt: Sachsen dürfen stolz auf Heimat, Geschichte und Kultur sein

Der Dresdener Politikwissenschaftler Werner Josef Patzelt, wegen seiner Nähe zur AfD nicht unumstritten (die LVZ berichtete) propagierte den gesellschaftlichen Zusammenhalt unterschiedlicher Religionen. Deutsche könnten auch schwarz, rot oder gelb sein, das seien fast die Nationalfarben, betonte er in einer pathetischen Rede zum Heimatbegriff. Doch stehe nicht zur Verhandlung, was man im Land erreicht habe. Zur Heimatliebe gehöre auch das Eintreten für die Werte einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Viel Beifall gibt es, als ein Bürger erklärte, „die CDU stünde nicht gerade vorne dran, wenn es darum ginge, straffällig gewordene Migranten auszuweisen“. Dafür hätte man wenig Verständnis. „Wir haben klare Gesetze, aber wir haben ein Durchsetzungsproblem, wenn es darum geht, Intensiv- und Mehrfachtäter in sogenannte sichere Herkunftsländer zurückzuschicken“, gab Kretschmer zu. Ursache seien die Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat. „Das liegt nicht an uns. Daran sind die Grünen schuld.“

Markkleeberger wollen mehr Förderung des Ehrenamts

Die Markkleeberger interessierten sich besonders für die Punkte Mobilität und Öffentlicher Personennahverkehr, die Infrastruktur, auch die digitale, sowie die Identifikation mit der Region und die Stärkung des Ehrenamts, hatte Christian Funke, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands beobachtet. „Natürlich ist uns wichtig, was die Leute vor ihrer Haustür bewegt“, so Funke. Rainer Leipnitz plädierte als Vorsitzender des größten Sportvereins, der TSG Markkleeberg mit rund 1600 Mitgliedern, für die Stärkung des Ehrenamts. „21 Sportvereine in der Stadt für rund 6000 Markkleeberger sind ein maßgebliches Mittel für den Zusammenhalt“, so Leipnitz. Er erinnerte an dringend notwendige Reparaturarbeiten in kommunalen Hallen und mahnte Handlungsbedarf und vor allem eine bessere Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer an. Jeder Übungsleiter verzichte neben seinem Beruf allein für die Ausbildung auf sieben freie Wochenenden. „Wir wollen mehr Förderung, aber nicht durch Orden und Ehrenzeichen“, sagte Leipnitz. Freistellung im Beruf könnte eine Form sein, doch der erteilte Kretschmer eine klare Absage. „Eine freie Woche für den Trainerschein wäre sicher schön, aber beim Thema Bildungsurlaub muss man als Konservativer auch mal die Spaßbremse sein.“ In Zeiten des Fachkräftemangels und im internationalen Wettbewerb dürfe das vorhandene Arbeitsvermögen nicht weiter abnehmen. Nichtsdestotrotz tue man etwas fürs Ehrenamt, um damit der Vereinzelung in der Gesellschaft entgegensteuern. Beispielsweise unterstütze man mit einem millionenschweren Investitionspaket die Freiwilligen Feuerwehren.

„Ich freue mich als Markkleeberger darüber, dass diese Veranstaltung mit so großer Resonanz stattfindet“, resümierte Christian Funke. Auch sein Stellvertreter Mario Preller war hochzufrieden über die positiven Äußerungen zum Format. Doch nicht alle hielten bis ganz zum Schluss der rund zweistündigen Veranstaltung durch. So mancher wanderte schon vorher ab.

Von Gislinde Redepenning

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