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"Mit 66 Jahren ist lang noch nicht Schluss"

"Mit 66 Jahren ist lang noch nicht Schluss"

Nach 24 Jahren und 16 Tagen im Markkleeberger Rathaus ist Sozial- und Kulturamtsleiter Wolfgang Heinze gestern in den Unruhestand verabschiedet worden. Unter den zahlreichen Gästen, die dem noch 65-Jährigen im Großen Lindensaal Danke sagen wollten, waren der Kreis-Jugendamtsleiter Thomas Pfeifer, der ehemalige Chef des Kreis-Kulturamtes Manfred Schön, Stadträte, Leiter von Schulen und Kitas, Vertreter von Kirchgemeinden und Vereinen sowie Wegbegleiter und Kollegen aus der Stadtverwaltung.

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Herzliche Verabschiedung im Lindensaal: Karsten Schütze, Wolfgang Heinze, Philipp Staude und Bernd Klose (v. li.).

Quelle: Ulrike Witt

Markkleeberg. "Die Vielzahl der Gäste ist ein Spiegelbild ihrer beeindruckenden Tätigkeit", erklärte Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD). Heinze sei für nicht weniger als 14 Kitas, vier Grundschulen und Horte, die Oberschule, das Rudolf-Hildebrand-Gymnasium, acht Turnhallen, fünf Sportplätze, über 24 Kinderspielplätze, die Stadtbibliothek, Veranstaltungsräume wie die Lindensäle, das Westphalsche Haus und die Orangerie Gaschwitz sowie den Tourismus, die Stadtfeste, die Landesgartenschau-Bewerbungen, die Vereinsförderung, die Kirchgemeinden und die Familien- und Frauenbegegnungszentren zuständig gewesen. "Und alle Einrichtungen können sich sehen lassen - Respekt."

Bürgermeister Philipp Staude, Arbeits- und Musikerkollege und seit Jugendtagen enger Freund, sagte zu dem drei Jahre älteren Heinze: "Du warst mir immer ein paar Schritte voraus: an der Rudolf-Hildebrand-EOS, 1966 in der Sonor-Combo, 1989 im Neuen Forum und 1990 im Rathaus." Als Dezernent für Finanzen und Soziales habe Heinze am Anfang das Geld auch eingenommen. Dies seien sonnige Zeiten für ihn gewesen. "Du hast vieles erreicht, zum Beispiel das neue Gymnasium, aber Du hast auch Stürme erlebt, wie die Schließung des Markkleeberger Krankenhauses und etlicher Kitas infolge des Geburtenrückgangs in den Neunzigerjahren", erinnerte Staude. Diese Erfahrung habe Heinze geprägt, er sei vorsichtiger geworden und habe alles hinterfragt.

"In den vergangenen Jahren, in denen Markkleeberg richtig aufgeblüht ist, hast Du das Geld für neue Schulen, Kitas und Turnhallen so schnell ausgegeben, dass ich als Kämmerer gar nicht mehr mit dem Zählen hinterhergekommen bin. Wolfgang agierte wie im Rausch", meinte Staude herzlich lachend. Jetzt könne sich Heinze, der tief im Herzen eigentlich Musiker sei, endlich seiner zweiten Karriere als Allroundtalent in der Rathauscombo widmen. Gestern musste der Neu-Rentner allerdings ausnahmsweise erst mal zuhören: Philipp und Martina Staude sowie Sebastian Schulz brachten ihrem vierten Mann mit dem umgetexteten "What a wonderful world" ein persönliches Ständchen.

Alt-Oberbürgermeister Klose, der Heinze auch aus der Schulzeit kennt und 20 Jahre mit ihm zusammengearbeitet hat, relativierte die Lobeshymnen. "Sie haben viel geleistet, aber Sie haben das nicht alles alleine gemacht. Ein paar Mitarbeiter hatten Sie ja schon", sagte Klose gut gelaunt und hatte die Lacher auf seiner Seite. Heinze sei ein starker Charakter, die Arbeit mit ihm nicht immer einfach, "aber interessant" gewesen. "Sie waren jemand, der eine eigene Meinung hatte - Gott sei Dank." Und er machte Heinze Mut: "Ich bin vor genau einem Jahr in Rente gegangen und ich kann Ihnen sagen, so schlimm ist es gar nicht. Bleiben Sie gesund, genießen Sie Ihre Familie und pflegen Sie Ihre Hobbys", riet der 66-Jährige.

"Komisch, ich bin heute weder aufgeregt noch traurig", gestand Heinze seinen Gästen. Statt einer langen Rede griff er zur Bassgitarre, sang den Udo-Jürgens-Klassiker "Mit 66 Jahren ist lang noch nicht Schluss" und lud strahlend ans Buffet in den Lindengarten.

Einen Nachfolger gibt es für Heinze übrigens nicht. "Die Stelle wird eingespart", sagte Schütze. Dies bedeute aber nicht, dass sie überflüssig gewesen sei, vielmehr würden die vielen Aufgaben auf breitere Schultern verteilt, erklärte der Oberbürgermeister vor Publikum.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.08.2014
Ulrike Witt

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