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Markkleeberg "Mit meinen Hobbys bin ich der totale Exot"
Region Markkleeberg "Mit meinen Hobbys bin ich der totale Exot"
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14:25 19.05.2015

"In der Anwaltschaft bin ich mit meinen Hobbys der totale Exot, aber das stört mich nicht", sagt Metzlaff. Das war er auch, als er mit seiner Frau 2003 nach Löbschütz zog. "Ein Rechtsanwalt aus dem Norden", erinnert er sich und lacht. Erst die Hühner hätten ihm die Türen in Löbschütz geöffnet. "Meinen Spleen kann ich auch nur auf dem Dorf ausleben. In so ein schickes neues Wohngebiet, wie am Kap Zwenkau, würde ich gar nicht passen."

Seine Liebe zum Federvieh hat Metzlaff früh im heimischen Ueckermünde entdeckt. "Ich bin mit Hühnern groß geworden, meine Eltern haben schon gezüchtet und mir irgendwann aus dem Urlaub zwei Zwerg-Orloff-Hennen mitgebracht." Als Teenager habe er sich mit Eiern den Sprit fürs Moped verdient. Ende der Achtziger musste er sein Hobby aufgeben. Wehrdienst und Jura-Studium in Leipzig ließen ihm keine Zeit. Dafür "verliebte" er sich nach Zwenkau. In Löbschütz angekommen, fing er wieder an zu züchten, diesmal schwarze Orloff.

Inzwischen ist Metzlaff Deutscher Meister auf der Zuchtschau "Lipsia" geworden und ein gefragter Mann. Selbst ein russischer Züchter, der auf der Suche nach den besten Tieren für eine Auffrischung der Rasse in ihrem Ursprungsland durch Deutschland reiste, sei zu ihm gekommen. Sechs Jahre war Metzlaff auch zweiter Vorsitzender des Leipziger Rassegeflügelzüchtervereins von 1869, bundesweit einer der größten. Aus dessen Annalen weiß er, "um 1900 waren die Mitglieder noch gut situierte Bürger wie Apotheker und Anwälte." Was sich nicht verändert habe, sei das Zuchtziel - die Erhaltung der genetischen Vielfalt.

Seit einigen Tagen hat Metzlaff wieder Nachwuchs: 24 schwarze und 19 rotbunte Orloff-Küken - die Rasse gibt es in sechs Farbschlägen - sitzen im Arbeitszimmer unter der Wärmelampe. Um zu wissen, wer der Vater ist, hatte er seine zwei Hähne mit jeweils fünf Hennen zusammengesperrt. Mit zwei Wochen kommen die Küken in den Stall, mit acht Wochen werden die Geschlechter getrennt, ab der 15. Woche gibt es bei Metzlaffs öfter Hähnchen. Denn Champions erkennt er sofort, am Kopf, an der Farbe, der Zeichnung.

Den jüngsten Zuchterfolg bestaunen auch Dina und Bodil, die Entlebucher-Sennenhunddamen der Familie. "Als Purzel, der Rottweiler meiner Oma starb, wollten wir wieder einen Hund, aber einen, der kein Problem für andere Leute ist." Die Wahl sei dann ziemlich schnell auf den Entlebucher und speziell auf Dina gefallen. Und irgendwie scheint Metzlaff nicht anders zu können, er baute eine Zucht auf. Denn schon bei der ersten Ausstellung räumte Dina Preise ab. Tochter Bodil stammt aus dem zweiten Wurf, ist selbst schon Mutter. Dina hingegen befindet sich nach 20 Welpen im verdienten züchterischen Ruhestand.

"Zucht bedeutet sehr viel Arbeit, das wird gern unterschätzt", betont Metzlaff, der seit 2011 Landesgruppenvorsitzender des Schweizer Sennenhundvereins für Deutschland ist. Seien die ersten zwei Wochen mit einem Wurf noch relativ unkompliziert, bräuchten die kleinen Racker die folgenden sechs Wochen rund um die Uhr Betreuung. "Meine Frau und ich nehmen dann je drei Wochen Urlaub", erzählt Metzlaff. Die Interessenten stehen bei ihm Schlange. "Beim letzten Wurf hatten wir für sieben Welpen über 50 Anfragen." Wer einen Entlebucher aus dem Hause "von Afkat" haben möchte, muss allerdings einige Hürden bestehen.

Bodil und Dina begleiten Metzlaff täglich zur Arbeit. "Das sind richtige Kanzleihunde. Früher waren sie sogar bei Mandantengesprächen dabei", verrät der Anwalt. Im Familienrecht seien Tiere bisweilen "Türöffner". Dreimal am Tag dreht Metzlaff mit seinen "Damen" eine Runde, morgens und abends durch die Elsteraue, mittags durch den Markranstädter Stadtpark.

Ende Mai kandidiert er wieder für den Stadtrat. Das erste Mal hatte Metzlaff den Schritt 2009 als Parteiloser gewagt, "im Ergebnis der mit respektablen sieben Prozent" verlorenen Bürgermeisterwahl von 2008. Damals hätten ihn alle Parteien umgarnt. Letztlich habe er sich für die FDP entschieden, 2013 sei er schließlich mitten in der Parteikrise Mitglied geworden. "Meckern kann jeder, sich einbringen ist wichtiger", meint er. Halbe Sachen sind eben nicht sein Ding.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.04.2014
Ulrike Witt

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