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Markkleeberg Nach verheerendem Großbrand: Erster Schritt für Wiederaufbau der Tellschützer Kirche
Region Markkleeberg Nach verheerendem Großbrand: Erster Schritt für Wiederaufbau der Tellschützer Kirche
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22:43 17.03.2015
Experten untersuchen die Kirchruine in Tellschütz. Quelle: André Kempner
Zwenkau

Am Dienstag wurde nun ein Kran aufgestellt, danach die Ruine in luftiger Höhe von Statikern und Bauforschern untersucht.

"Unser Ziel ist es, wirklich nur die losen Teile herunterzuholen, die eine Gefahr für die Sicherheit darstellen. Alles andere gilt es zu erhalten", erklärte Lutz Scherf vom Bauforschungsbüro Scherf, Bolze, Ludwig aus Silbitz. Er ist von der Gemeinde mit der bauhistorischen und restauratorischen Untersuchung beauftragt. Scherf dokumentierte mit Bild und Text jedes Detail - und kämpfte um jeden Zentimeter Traufgesims an Glockenturm und Kirchenschiff.

"Das Feuer hat ganze Arbeit geleistet. Die Holzteile sind nicht zu retten. Auch am Gesims gibt es ein paar Stellen, die zurückgebaut werden müssen. Hier ist die Gefahr, dass sie abstürzen, zu groß", sagte Statiker Hans-Reinhard Hunger nach seiner Fahrt über und in die Ruine. Mit Kollege Thomas Huch ließ er sich in den Turm absenken, inspizierte unter anderem den zum Kirchenschiff gerichteten Fenstersturz. "Die Setzungen sind zu groß. Das Stück oben muss raus", lautete ihr Urteil.

Für die Pfarrerin, die unten wartete, hatten sie im Korb eine Überraschung. "Wir haben auf der Mauerkrone des Turms die Wetterfahne und weiter unten ein Teil des Uhrwerks gefunden", sagte Hunger. "Bei all der Trauer um die Kirche ist das ein Lichtblick", meinte Hüneburg lächelnd. Die Wetterfahne, erst 1994 bei der letzten Sanierung auf den Kirchturm gesetzt, wird wahrscheinlich bis zur Restaurierung in der Großdalziger Kirche für alle sichtbar gelagert, später wieder auf die Tellschützer Kirche kommen. "Für die Tellschützer ist es ganz wichtig, dass sie sehen, unsere Kirche hat Zukunft", betonte Hüneburg.

Seit dem 10. Januar ist sie nicht nur Seelsorgerin für die Schwesterkirchgemeinden Zwenkau, Großdalzig, Tellschütz und Wiederau, sondern auch Ansprechpartnerin für Brandursachenermittler, Versicherung, Gutachter und jetzt eben auch Bauherrin. "Eine riesige Herausforderung", um die sie ganz sicher keiner ihrer Pfarrerkollegen beneidet. So muss beispielsweise entschieden werden, ob die 1940 angebaute Leichenhalle bleibt. "Aus denkmalpflegerischen Gründen steht dem Abriss nichts entgegen, die Zustimmung des Landesamtes für Denkmalpflege liegt vor. Die Frage ist, ob es wirklich notwendig ist und die Gemeinde das will", sagte Scherf.

Die Beräumung der Ruine wird von oben nach unten durchgeführt. Einsatzleiter Enrico Schadack von der Firma Artus ließ sich von Statiker Huch erklären, welche Teile entfernt werden müssen. Offensichtlich ist das bei dem verkohlten Dachstuhl und den Resten der Holzempore, die jederzeit einstürzen können. Zu retten seien die Altarrückwand aus Fachwerk und natürlich der steinerne Altartisch, sagte Scherf. Er will gleich das Aufmaß für den Bauplan nehmen.

Sobald die Beräumung nächste Woche abgeschlossen ist, wird ein Bodengutachten für das tonnenschwere, überdachte Sicherungsgerüst erstellt, unter dem - vor Wind und Wetter geschützt - die Kirche wieder aufgebaut werden soll."Wenn der Baugrund keine Überraschungen offenbart, könnte das Gerüst in vier Wochen stehen", so Hunger.

Pfarrerin Hüneburg bedauert derweil, dass die Tellschützer aus Sicherheitsgründen voraussichtlich bis nach Ostern nicht auf den Friedhof können. Dafür lädt sie am 3. April 15 Uhr zur Karfreitagsmusik vor die Tellschützer Kirche.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.03.2015

Ulrike Witt

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