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Nachtcafe für Demenzkranke erleichtert Alltag

Nachtcafe für Demenzkranke erleichtert Alltag

In Zwenkau wird mal wieder Geriatrie-Geschichte geschrieben. Seit Anfang des Jahres gibt es im DRK-Altenheim in der Schulstraße 17 ein Nachtcafé für Demenzkranke.

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Hilfe für Angehörige Demenzkranker versprechen Lysann Kasprick, Ines Morgenstern und Nadine Weizenmann (von links).

Quelle: André Kempner

Zwenkau. Projektträger ist das im Helios-Geriatriezentrum ansässige Geriatrienetzwerk Gerinet Leipzig. Gefördert wird der bundesweit einmalige Pilotstandort vom Bundesfamilienministerium, unterstützt vom Deutschen Roten Kreuz, Kreisverband Leipzig-Land, der Alzheimer Gesellschaft Sachsen und dem Landkreis Leipzig.

"Viele Angehörige muten sich bei der Pflege Demenzkranker viel zu viel zu. Oft warten sie, bis es nicht mehr geht, weil sie Sorge haben, was andere sagen. Aber das ist falsch. Sie müssen sich Hilfe holen, gerade in der schwierigen Phase der Tag-Nacht-Umkehr", erklärt Gerinet-Projektleiterin Lysann Kasprick. Die Kranken haben dann - ähnlich wie Babys in den ersten Wochen - keinen erkennbaren Tag-Nacht-Rhythmus.

Für den Partner, meist auch schon hochbetagt, stelle dies eine enorme Belastung dar. "Aus Selbsthilfegruppen wissen wir, dass der Schlafentzug auf Dauer das größte Problem ist. Nicht umsonst heißt es, pflegende Angehörige haben einen 36-Stunden-Tag", sagt Kasprick. Die Gefahr selbst auszubrennen sei enorm, hinzu kommen Stürze der nachts allein umherirrenden Demenzkranken, die tödlich enden können. Aber so weit müsse es nicht kommen.

"Das Nachtcafé ist ein Entlastungs- und Hilfsangebot", sagt Kasprick, geöffnet ist es jeden Mittwoch von 20 Uhr bis Donnerstag 8 Uhr. Dank der Kooperation mit dem DRK konnte im Erdgeschoss des Altenheims ein abgetrenntes Areal mit Therapie- und Ruheraum sowie einer Küche eingerichtet werden. "Für Patienten mit Tag-Nacht-Umkehr bieten wir Bewegungs- und Gedächtnisübungen auf Basis eines von der sportwissenschaftlichen Fakultät der Uni Leipzig in Zusammenarbeit mit der Uni-Klinik, der Medica-Klinik, den Helios-Kliniken und dem Gesundheitssportverein Leipzig entwickelten Übungsprogramm an", erläutert Kasprick.

Das Programm werde den Angehörigen, die übrigens am Anfang gern bei der Eingewöhnung dabei sein können, mit nach Hause gegeben. Ziel sei es, zum Teil auch über bewussten Schlafentzug wieder einen normalen Tag-Nacht-Rhythmus zu erreichen, der Kranken wie Pflegenden eine Ruhepause verschafft. Im Nachtcafé werden die Betroffenen von erfahrenen Krankenschwestern und examinierten Altenpflegern betreut, die die Weiterbildung zum Gerinet-Trainer absolviert haben. "Wir sind auf alle Situationen eingestellt", betont DRK-Sprecherin Ines Morgenstern.

Bislang wurden im Nachtcafé erst fünf Demenzkranke aufgenommen. Die Rückmeldungen der Angehörigen seien aber durchweg positiv. "Wer die Möglichkeit einmal genutzt hat, macht es immer wieder", weiß Nadine Weizenmann, die interessierte Familien umfassend berät. Dazu gehöre auch immer wieder die Frage nach den Kosten. "Sobald die Kriterien für eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz erfüllt sind, werden die 50 Euro pro Nacht, wie jede ambulante Betreuung, von der Krankenkasse übernommen", berichtet die junge Frau. Dies gelte auch für den Transport von und nach Hause.

"Wir hoffen, dass sich das Angebot schnell herumspricht. Das Bundesfamilienministerium ist jedenfalls schon jetzt begeistert und möchte das Projekt flächendeckend umgesetzt sehen", so Kasprick. Beratungstermine können mit Nadine Weizenmann unter Telefon 034203 42157 oder per E-Mail an nadine.weizenmann@gerinet-leipzig.de vereinbart werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.07.2014
Ulrike Witt

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