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Naturschützer: Nilgänse breiten sich aus und bedrohen Störche

Naturschützer: Nilgänse breiten sich aus und bedrohen Störche

So manch einer sucht derzeit nach Spuren des Frühlings. Naturschützer Harald Krug hat sie gefunden - ist aber trotzdem nicht glücklich über die trotz Schnee und Eis ausgebrüteten Gänseküken am Zwenkauer See.

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Frühlingsboten der ungeliebten Art: Diese Nilgänse am Zwenkauer See hatten zu Ostern schon Nachwuchs. Die Tiere besetzen jedoch auch Storchennester.

Quelle: Harald Krug

Zwenkau. Es war am Sonntag, als der in der Region bekannte Naturschützer mit Kamera und Fernglas an Bord der Santa Barbara auf Naturschau ging. Denn trotz Schnee und Eis hat die Brutzeit einiger Arten bereits begonnen, weiß Krug aus Erfahrung. So säßen die Kormorane bereits auf den Nestern im Westteil des Sees. "Auch Silber- und Lachmöwen haben einige Inseln bereits belegt", hat er gesehen.

Die große Osterüberraschung sei jedoch ein Brutpaar Nilgänse mit zwei Küken gewesen, so Krug. "Es hielt sich am Südufer gar nicht weit entfernt von der Anlegestelle auf", berichtet er. Das Problem mit den Nilgänsen sei weniger, dass sie den Weg von Afrika auch in unsere Gefilde gefunden hätten. Die bunt gefiederte Art ist inzwischen in weiten Teilen Europas anzutreffen, im Südraum seit etwa zehn Jahren bekannt. "Das Schlimme ist, dass die Nilgänse so zeitig brüten und dabei auch gerne Storchennester, etwa in Thüringen, belegen", hat er gesehen.

Die einheimischen Tiere seien jedoch noch nicht mit den relativ aggressiv auftretenden Fremden vertraut, würden sich vertreiben lassen - und womöglich nur noch schlechter geeignete Brutstätten oder gar keine mehr finden. "Wir werden wohl einen Lehrgang mit den Störchen machen müssen, wie sie sich zur Wehr setzen können", feixt Krug - aber vor ernstem Hintergrund.

Die Störche seien nicht die einzigen, die sich trotz körperlicher Überlegenheit von den laut auftretenden Nilgänsen beeindrucken ließen. "Überall dort, wo früh gebrütet wird, bringen diese Tiere den normalen Ablauf durcheinander", meint er. Inzwischen gibt es nach seiner Schätzung über 15 Brutpaare im Südraum.

Im Naturschutzgebiet am Tagebauloch Bockwitz wurde es im Vorjahr Krug, der sich sonst massiv gegen den Abschuss etwa von Nordischen Saat- und Blessgänsen einsetzt, zu bunt. Er beantragte über die Untere Naturschutzbehörde, dass der Jagdpächter auch die Nilgänse vor die Flinte nimmt. "Mit Erfolg dort", meint er selber.

Storchexperte Dietmar Heyder bestätigt Krugs Beobachtungen. Die Nilgans-Population nehme zu. Ihm seien diese Gänse auch schon als Bewohner von Storchennestern oben auf Schornsteinen gemeldet worden. Die Störche würden versuchen anzufliegen, aber von den aggressiven Gänsen vertrieben.

Die Nilgänse gehören zu den so genanten Neozoen. Darunter werden Tierarten zusammengefasst, die sich in einer Region neu ansiedeln, dort oft auch keine natürlichen Feinde haben. In Leipzig sind das zum Beispiel sogar Waschbären, die sich inzwischen in Kleingärten und Grünanlagen breit gemacht haben.  

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.04.2013

Jörg ter Vehn

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