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Markkleeberg Neue Pläne gegen Braunfärbung der Pleiße
Region Markkleeberg Neue Pläne gegen Braunfärbung der Pleiße
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00:31 05.12.2015
Die braune Eisenfracht der Pleiße ist so groß, dass sie inzwischen überall und für jeden sichtbar wird – wie hier am Markkleeberger Wehr. Quelle: André Kempner
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Markkleeberg

Mehr als 500 Tonnen Eisensulfate strömen jedes Jahr über die Pleiße und den Auwald durch Leipzig hindurch. Das Eisen verfärbt nicht nur das Wasser, es lagert sich auch als brauner Schlamm ab, wird zunehmend zu einer Gefahr für die Ökologie des Auwaldes und seiner Bewohner wie Fischen und Kleininsekten. Seit Jahren versuchen die Tagebausanierer das Problem, das von der pyrithaltigen Innenkippe des früheren Tagebaus Witznitz rührt, in den Griff zu bekommen – ohne viel Erfolg. Jetzt gibt es neue Hoffnung.

Auf der Stadt-Umland-Konferenz vorige Woche in Zwenkau verkündete Regionalplaner Prof. Andreas Berkner die Idee. Danach soll das Pleißewasser über einen neuen Kanal in den Kahnsdorfer See bei Espenhain geleitet werden. Dort soll sich die Eisenfracht ablagern. Das Wasser selbst soll dann über den benachbarten Hainer See und von da zurück in die Pleiße fließen. „Bis zu 95 Prozent der Eisenfracht könnten abgefangen werden“, erhofft sich Berkner endlich eine Lösung.

Vor wenigen Tagen erst habe ein Fachbeirat zur Tagebausanierung die Pläne als denkbaren Weg bewertet. Die Experten von Landesdirektion, Talsperrenverwaltung, LMBV und Sächsischem Oberbergamt seien sich allerdings auch im Klaren, dass noch vieles abzustimmen sei. Allerdings hätten alle bisherigen Versuche, wie etwa mit dem Anbau von Luzerne auf den Kippenflächen das Entstehen von Grundwasser zu vermindern (die LVZ berichtete), nur Teillösungen erbracht, nie eine durchgreifende Veränderung der Situation. Mit der Durchleitung durch den Kahnsdorfer See verspreche das anders zu werden, so Tagebauexperte Berkner.

Das rund 125 Hektar große Gewässer sei als Naturschutzsee ohne Nutzung vorgesehen. Der See habe sehr saures Wasser. Es sei auch nicht geplant gewesen, ihn zu kalken, wie etwa den benachbarten Hainer See oder den Zwenkauer See. Die neue Eisenfracht wirke sich langfristig positiv auf den zu niedrigen pH-Wert aus.

Auch der Stausee Rötha, strategisch noch günstiger an der Pleiße gelegen, sei für eine Durchleitung geprüft worden. „Aber er ist zu flach“, erklärte Berkner. Hintergrund: Die Planer gehen davon aus, dass noch für mindestens einhundert Jahre mit dem Eiseneintrag aus den Kippen gerechnet werden muss.

Bei der Stadt-Umland-Konferenz hatten Umweltschützer auf die zunehmende Gefahr durch den Eisenschlamm im wertvollen Leipziger Auwald hingewiesen. Dadurch würden Kleinstlebewesen verschwinden, mit ihnen die Fische und am Ende auch der Eisvogel, warnten sie.

Beim Anglerverband Leipzig sind die Probleme der Pleiße lange bekannt. „Die Fischbestände sind in den vergangenen Jahren schon weniger geworden“, erklärt Vizepräsident Friedrich Richter. Wenn der Flussboden mit dem braunen Schlamm bedeckt sei, fänden die Fische dort schließlich auch nichts mehr zu fressen. Er würde eine Lösung, wie jetzt vom Fachbeirat befürwortet, begrüßen. Richter: „Das wäre wirklich eine Lösung.“

Der braune Schlamm hat auch wirtschaftliche Folgen. Vor Jahren schon hatte die Landesdirektion in einer Schrift alle Bauherren auf die Gefahr durch das eisenhaltige Wasser in Leipzig hingewiesen, auf die Verwendung von höherklassigem und damit teurerem Beton für alle Bauwerke am Wasser gedrängt.

Das braune Wasser sei aber auch ein Handicap für den Gewässertourismus, meint Berkner. Und der trübe Eindruck der Pleiße werde nicht von selbst verschwinden. Interessanterweise spreche in der Politik jeder über das braune Wasser der Spree, aber kaum einer über das der Pleiße. An der Spree, die bekanntlich durch die Hauptstadt fließt, wird jetzt mit großem Aufwand der Kampf gegen die Verockerung begonnen.

Im Raum Leipzig sei das Gremium überein gekommen, eine Studie mit einer Art Bestandsaufnahme der bisherigen Tagebaubausanierung zu beauftragen, erklärt Berkner den nächsten Schritt. Darin werde auch festzustellen sein, was noch zu unternehmen sei in den nächsten Jahren – etwa beim Thema Eisenfracht.

Von Jörg ter Vehn

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