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OBM-Wahlforum: Unterschiede bei Tourismus und Innenstadt

OBM-Wahlforum: Unterschiede bei Tourismus und Innenstadt

Markkleeberg. Kurz vor der Markkleeberger Oberbürgermeisterwahl haben sich die Kandidaten Karsten Schütze (SPD) und Oliver Fritzsche (CDU) am Dienstagabend beim LVZ-Wahlforum im Großen Lindensaal den Fragen von Redakteur Jörg ter Vehn und etlicher Bürger gestellt.

Fazit: Beide sind akribische Arbeiter, der eine mahnend, der andere kämpferisch. Unterschiede waren indes nur bei fünf Themen auszumachen.

Tourismusentwicklung: "Der Tourismus darf nicht über den Anwohnerinteressen stehen. Wir müssen zwischen beiden eine Balance finden, dabei Naturräume erhalten", erklärte der 46-jährige Schütze. Fritzsche forderte einen ökologisch und sozial, vor allem aber ökonomisch verträglichen Tourismus. "Europa, Bund und Land haben Millionen in den Landschaftsumbau gesteckt. Daran sind wirtschaftliche Erwartungen geknüpft", mahnte er. Der 36-Jährige will nach der Wahl einen Tourismusdialog anschieben, "um gemeinsam nachzudenken, wie es weitergehen kann".

Seeentwicklung: "Ganz klar ohne Boote mit Verbrennungsmotor", betonte Schütze. Einzige Ausnahme seien Fahrgastschiffe. Fritzsche, ganz Landtagsmitglied, warf Schütze vor, er erwecke den Anschein, dass der Oberbürgermeister darüber entscheide. "Das ist Sache der Region. Die Grundlage haben wir im Landtag mit dem Sächsischen Wassergesetz gelegt." Die Region entscheide eben nicht, sondern allein die Landesdirektion, entgegnete Schütze. "Der Kreis als Untere Wasserbehörde und die Stadt werden für die den Bootsverkehr regelnde Allgemeinverfügung nur als Träger öffentlicher Belange gehört. Als Oberbürgermeister werde ich meinen Einfluss geltend machen und kämpfen."

Innenstadtbelebung: Während Schütze einen Ideenwettbewerb mit wissenschaftlichem Sachverstand für den geplanten Neubau gegenüber der Rathausgalerie ausloben will, hält Fritzsche einen Investorenwettbewerb für das einzig Sinnvolle. "Die Fläche ist in städtischer Hand und der Markt aktuell mit Geld überflutet. Der Zeitpunkt ist günstig, Investoren an den Tisch zu holen", sagte der studierte Stadtplaner. "Investoren haben kein Interesse an der Gestaltung des öffentlichen Raumes. Ich möchte keine kleinteilige Bebauung, sondern ein städtebauliches Ensemble. Als Flächeneigentümer müssen wir uns nicht von anderen dirigieren lassen", erwiderte der Gymnasiallehrer Schütze. Fritzsche: "Wir schreiben auch bei einem Investorenwettbewerb ein Pflichtenheft. Und das muss abgearbeitet werden."

Sportbad am Bahnhof: Stärkstes Argument pro Schwimmhallenbau ist für Fritzsche die Absicherung des Schulschwimmens. An eine Belebung der Innenstadt glaube er hingegen nicht. "Das Sportbad wirkt wie ein Staubsauger, zieht die Badegäste rein, ohne dass das Umfeld großartig profitiert." Seinem Ruf als Mahner treu, wiederholte er, dass es in Mitteldeutschland nicht eine Schwimmhalle gebe, die nicht mindestens 300 000 Euro Zuschuss pro Jahr benötigt. "Mir geht es nicht darum, das Projekt zu verhindern, aber wir brauchen ein schlüssiges Betriebskonzept." Schütze schreibt der Schwimmhalle ohne Wenn und Aber eine Signalwirkung zu. "Und die Betriebskosten haben sehr wohl von Anfang an im Fokus der Planung gestanden. Wir haben uns ja nicht umsonst den verkehrsgünstigen und damit besucherstarken Standort am Bahnhof ausgesucht." Außerdem genieße das Projekt großen Rückhalt in der Bevölkerung.

Agra-Brücke: "Wie wollen Sie den Markkleebergern sagen, dass Sie sich noch nicht zwischen Brücke und Tunnel entschieden haben?", wollte ter Vehn von Fritzsche wissen. "Das ist eine Unterstellung", meinte dieser. Nach umfassender Recherche hege er vielmehr eine "Art kritische Begeisterung" für das von Schütze und dem Bürgerverein Pro Agra-Park vorangetriebene Projekt gedeckelter Einschnitt. "Natürlich würde die Stadt unglaublich gewinnen. Aber nicht um jeden Preis!", begründete Fritzsche seine "gefühlte Zurückhaltung". Schütze, der erneut in Richtung Dresden appellierte, Belange des Denkmal-, Umwelt- und Lärmschutzes nicht außer acht zu lassen, wurde von Fritzsche vorgeworfen, sich die Welt nur schön zu rechnen. Ohne Erfolg: "Ich freue mich, dass die Region in dieser Angelegenheit mit einer Sprache pro Tunnellösung spricht", blieb Schütze bei seiner Sicht.

Nach gut einer Stunde, in denen LVZ-Redakteur ter Vehn die Kandidaten ins Kreuzverhör nahm, kam das Publikum zum Zug. Und wieder spielte der Tourismus eine wesentliche Rolle. Rolf Markwat sorgte sich um den Markkleeberger See. Dieser sei angesichts steigender Motorbootzahlen in seiner Wasserqualität gefährdet. "Unsere Einflussmöglichkeiten sind relativ gering", gestand Schütze. Als Vorsitzender der Kreistagsfraktion SPD/Grüne frage er jährlich die Bootszahlen ab. Seine Erkenntnis: "Die Kontrolle der Unteren Wasserbehörde liegt im Argen. Die haben noch nicht mal ein Boot." "Wir brauchen einen klaren Regelkatalog", so Fritzsche. Die Stadt könne nur Einfluss nehmen, wenn Slipanlagen und Stege wie am Markkleeberger See über die Tochter EGW im Eigentum der Stadt stünden.

"Wie stehen Sie zu dem im Bau befindlichen 400-Mann-Fahrgastschiff?", meldete sich Klaus Ohlhorst zu Wort. Da kam Schütze, ob seinem LVZ-Statement vom August leicht ins Schlingern. Damals hatte er gesagt, die Infrastruktur gebe ein so großes Schiff nicht her. Inzwischen wisse er aber, dass die Anbindung über die Auenhainer Bucht erfolgen soll und dort gebe es ausreichend Busstellplätze. Dennoch müsse sich die Stadt mit dem Reeder noch mal zusammensetzen.

Hubert Chelmowski hakte in Sachen Motorbootnutzung nach. "Privater Motorbootverkehr sollte auf unseren Seen nicht möglich sein", wiederholte SPD-Mann Schütze. Fritzsche gab sich für alle Seiten offen: "Die Dosis macht das Gift." Man müsse über die Zahl reden. Er könne sich durchaus auch das eine oder andere private Motorboot auf den Seen vorstellen.

Mario Preller fragte die Kandidaten, wie Sie zum Stadtbus stehen. "Ich werde mich stark machen, dass die Idee endlich umgesetzt wird", sagte Schütze. CDU-Bewerber Fritzsche bremste die Erwartungen: "Wir müssen im Kreistag erst mal eine Mehrheit für den Stadtbus finden."

"Was passiert, wenn ich Sie wähle?", wollte Oliver Lubecki wissen. Fritzsches Agenda lautete: mit Verwaltung vertraut machen, Haushalt 2014 vorbereiten, Gespräche mit Sportvereinen führen, Fördermittelprojekte vorantreiben, der Jugend zuwenden und Tourismusdialog anschieben. Unterschied zu Schütze: Er will eine Bürgerwerkstatt Innenstadt ins Leben rufen, das Verkehrskonzept überarbeiten, Gespräche zum Stadtbus führen und mit den vier Markkleeberger Landtagsabgeordneten in Dresden wegen des Agra-Tunnels vorstellig werden.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.09.2013

Ulrike Witt

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