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Oberholz: Das große Krabbeln kartiert

Oberholz: Das große Krabbeln kartiert

Großpösna. Markus Disztl hatte in den letzten zwei Monaten mit Kleinigkeiten zu tun: Der Forst-Referendar erfasste im Rahmen seiner Ausbildung alle Waldameisenstandorte im Oberholz, entwarf Richtlinien für den Umgang mit den kleinen Tieren.

Ein Riesen-Aufgabe.

Denn 140 Hügel mit jeweils bis zu fünf Millionen Tiere fand der 26-Jährige. Wobei er die Insekten nicht nachzählen, aber immerhin bestimmen musste. "Ich habe dafür mit einer Sondergenehmigung und Schutzkleidung jeweils zehn bis 20 Stück von einem Bau als Probe genommen und unter dem Mikroskop untersucht", erzählt der junge Mann.

Vor allem die Borsten auf dem Rücken galt es nachzuzählen als Hinweis auf die Art der Insekten. Ergebnis: Fornica polyctena bewohnt das Oberholz. Die kahlrückige Waldameise, auch kleine Waldameise genannt, zählt maximal 15 Borsten auf dem Rücken. Darüberhinaus habe er auch ein Nest mit der Wiesenameise (fornica pretensis) entdeckt, so Disztl.

Bis zu 21 Nester pro Hektar Wald habe er am Feldscheunenweg gezählt. Das seien schon rekordverdächtig viele. Im restlichen Oberholz gebe es ansonsten 15 pro einhundert Hektar. Es gebe sie meist an Lichtungen oder den Waldrändern, überwiegend nah an oder sogar ganz in den Nadelholzbeständen. Die höchsten würden bis zu 1,30 Meter messen. Das insgesamt größte habe eine Fläche von knapp vier mal 6,2 Meter. Das entspricht schon einem geräumigen Zimmer. Wobei der größte Teil des Baus sich unter der Erde befinde, wo auch die Königinnen lebten, so Disztl. Mehr als tausend seien in einem großen Bau keine Seltenheit bei der kleinen Waldameise.

Für ihre Brut würden die Tiere auch Jagd auf Insekten machen. Dabei würden vor allem Waldschädlinge gefangen. Etwa Raupen und Larven der Nonne, auch der Borkenkäfer werde getötet, erzählt der angehende Förster. "Mehrere zehntausend Individuen werden pro Tag erbeutet. Die Waldameisen sind ein natürlicher Forstschutzhelfer." In Deutschland stehen die kleinen, fleißigen Tiere daher unter strengem Schutz. Nester dürfen weder zerstört, noch einzelne Tiere entnommen werden. Die einzigen, die es im Wald "dürfen", sind Grünspechte. "Aber auch das Schwarzwild geht an die Bauten, sucht darin nach Käferlarven, die mit den Ameisen in Symbiose leben und zerstört dabei schon mal ganze Nester", weiß Disztl.

Dem besseren Schutz der Ameisen und einem Bewirtschaftungskonzept dafür galt der eigentliche Sinn von Disztls Arbeit. So kartierte er alle 140 Nester für die Arbeiter im Wald, die beim Baumfällen nun wissen, wo ein Stamm nicht hinfallen darf. An einigen Standorten sollten auch zu nahe Pflanzen entfernt und Bäume entnommen werden, um den Nestern mehr Licht zu geben, empfahl er. "Denn etwas Sonne benötigen die Ameisen unbedingt für ihre Nester", weiß er nach seinem Studium.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.06.2014
Jörg ter Vehn

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