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Original-Grundstücksverträge zum Jubiläum überreicht

800 Jahre Gautzsch Original-Grundstücksverträge zum Jubiläum überreicht

Keine Geburtstagsfeier ohne Überraschung: Bei der Auftaktveranstaltung zum Jubiläum 800 Jahre Ersterwähnung Gautzsch war es am Samstagabend die Postkutsche.

Markkleeberg. Keine Geburtstagsfeier ohne Überraschung: Bei der Auftaktveranstaltung zum Jubiläum 800 Jahre Ersterwähnung Gautzsch war es am Samstagabend die Postkutsche. Am Freitag noch im Zuge der wetterbedingten Verlegung in die Martin-Luther-Kirche abgesagt (die LVZ berichtete), wartete das imposante Gefährt trotzdem am Eingang des Kees’schen Parks auf Besucher.

„Ein Gautzsch-Geburtstag ohne Kutsche geht doch nicht“, erklärte Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD). Der Andrang hielt sich zur Enttäuschung der Gastgeber – Stadt Markkleeberg, Martin-Luther-Kirchgemeinde und Café „Brot & Kees“ - aber in Grenzen. Partystimmung wollte trotz romantischer Feuerschalen zwischen Altem Kantorat und Adlertor, historischen Kostümen und Swingmusik nicht so recht aufkommen. In der Kirche wurde selbst für historisch Interessierte relativ trockene Kost geboten. Stadtchronist Michael Zock erinnerte an das Gautzsch seiner Kindertage, als es in der Koburger Straße noch ein Kino gab. Maria Hübner berichtete von der Versteigerung des Ritterguts Gautzsch an Freiherr von Lindenthal anno 1836, von zwei Hochzeiten, diversen Todesfällen und einem Scheinverkauf, der das Anwesen 1861 schließlich in den Besitz der Kees-Familie brachte. Was kaum einer weiß, mit 1000 Talern legte die Kees-Tochter Rahel Caroline bereits 1847 den Grundstock für die erste Kita – damals Kinderbewahranstalt genannt – in Gautzsch.

„Wie es sich für einen Geburtstag gehört, habe ich auch ein Geschenk mitgebracht“, verkündete Hübner. Sie überreichte der Stadt vor etwa 150 Gästen zwei vom Parkgestalter Erich Jakob Kees unterzeichnete Original-Kaufverträge aus dem 19. Jahrhundert für Grundstücke in Gautzsch und Oetzsch. Anbei Bauvorschriften, die maßgebend für das heutige Stadtbild von Markkleeberg waren. Germanist und Literaturhistoriker Otto-Werner Förster stellte noch Ernst-Christoph von Manteuffel, kursächsischer Gesandter und Minister unter August dem Starken, vor, der in der 1717 erbauten Gautzscher, heute Martin-Luther-Kirche seine letzte Ruhestätte fand.

Nach der Zeitreise gab es bei „Brot & Kees“ eine Stärkung: Gautzscher Karottensuppe, Bärlauchbratwurst und Glühwein. Paul und Milena aus Hamburg, sechs und sieben Jahre alt, stiegen mit ihren Markkleeberger Großeltern strahlend in die Postkutsche. Begleitet wurden sie von Ingrid Diestel, die Otto von Dieskau darstellte, der 1586 das Gut Gautzsch übernahm. Als Autorin der Markkleeberger Büchlein „Historisches und Kurioses“ hatte sie natürlich Anekdoten dabei.

Von Ulrike Witt

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