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Pläne für Zöbigker Winkel stoßen auf Protest

Pläne für Zöbigker Winkel stoßen auf Protest

Markkleeberg. Voll besetzte Publikumsreihen sind bei Stadtratssitzungen immer ein Indiz für Zündstoff. Am Mittwochabend war das im Großen Lindensaal in Markkleeberg nicht anders.

. Zum wiederholten Male sorgte der Bebauungsplan „Zöbigker Winkel" für eine heiße Diskussion.

„Liebe Nachbarn, es wird dunkel am See und laut!" Die Worte, die für den ersten Moment auf einen Krimi schließen lassen, stehen auf einem Flugblatt, das seit Tagen zwischen Hafen-, Cos-pudener und Jacob-Kees-Straße kursiert. Marianne Kluth, vielen von der Bürgerinitiative „Schutz Cospudener See" bekannt, verlas das Schreiben in der Bürgerfragestunde.

Offensichtlich werden darin die Ängste der Anwohner. Sie fürchten, dass der aktuelle und ohne Grundstückseigentum noch potenzielle Investor Solero Stiftung – hinter der sich Steffen Löhnitz verbirgt – vor ihre schmucken Eigenheime einen 110 Meter langen und mit drei bis vier Geschossen bis zu elf Meter hohen Klotz hinstellen will. „Die Dimensionen entsprechen in etwa denen der Hauptpost in Leipzig. Wollen wir das?", lautet ihre rhetorische Frage. Die geplante ultramoderne Architektur beeinträchtige die Atmosphäre am Cospudener See erheblich. „Und wir werden den Blick auf die Versorgungsseite, auf Parkplätze und Müllcontainer haben." Entsprechend massiv der Protest. Zumal die Buslinie 107 künftig durch die Hafen- und Cospudener Straße fahren soll, womit die verkehrsberuhigte Zone praktisch aufgehoben werde. Zudem bringe mehr versiegelte Fläche eine nicht berechenbare Belastung für die Kanalisation. Überschwemmte Keller und Toiletten seien wahrscheinlich. Unterzeichnet haben 30 Familien, und sie kündigten als Bürgerinitiative „Zöbigker Winkel" schon mal eine Sammelklage an.

Bürgermeister Philipp Staude bezeichnete die Aussagen als „Horrorszenario", das in keinster Weise der Realität entspreche. Vielmehr gehe es um die zweite Änderung des seit zehn Jahren bestehenden B-Planes. Dieser sah von vornherein eine 4400 Quadratmeter große Vorbehaltsfläche für touristisches Gewerbe vor. Das „Projekt" sollte die Freifläche oberhalb des Hafens „baulich fassen" und das dahinterliegende Wohngebiet „vor Lärm schützen". Das Problem: „Die Investoren standen nicht gerade Schlange", wie Stadtrat Karsten Schütze (SPD) erinnerte. Und jene, die kamen, hatten Vorstellungen, die nicht mit denen der Stadt und schon gar nicht denen der Anwohner konform gingen. Mit der Solero Stiftung im Rücken sollten nun zwei getrennte Baufelder sowie ein Fuß- und Radweg festgeschrieben werden. Zudem die Höhe des Gebäudes, denn die sei entgegen der Anwohnermeinung nie „als eingeschossig mit Pultdach" festgelegt worden, so Staude. Doch das Vorhaben „Unschärfe-Korrektur" muss warten.

„Wir sollten eine frühzeitige Bürgerbeteiligung durchführen", schlug die CDU-Fraktionsvorsitzende Anne-Katrin Seyfarth in Anbetracht der verärgerten Zöbigker vor. Zustimmung signalisierte Professor Dieter Bormann von den Linken. Gerhard Pötzsch (CDU) betonte, dass es wichtig sei, sich die Entwicklung vor Ort anzusehen, um nicht die falsche Weiche für die Zukunft zu stellen. „Es sollte zeitnah eine öffentliche Diskussionsrunde stattfinden, damit wir im nächsten Stadtrat an gleicher Stelle einsetzen können", meinte Anja Jonas (FDP). Bürgermeister Staude gab zu bedenken, dass ein Kompromiss die Reduzierung des Baukörpers zur Folge hätte. „Ob der Investor dann bei der Stange bleibt? Ich kann es mir nicht vorstellen", so Staude. Verhindern konnte er die Vertagung jedoch nicht.

Wie Rathaussprecher Daniel Kreusch gestern mitteilte, wird die „Bürgeranhörung" am 14. September ab 18 Uhr im Rudolf-Hildebrand-Gymnasium stattfinden. Marianne Kluth bezeichnete die Entscheidung „als ersten Schritt in die richtige Richtung".

Ulrike Witt

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