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Markkleeberg Pleiße: Weniger Fische wegen Ockerschlamm
Region Markkleeberg Pleiße: Weniger Fische wegen Ockerschlamm
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08:00 15.11.2012
Deutlich zu erkennen sind die braunen Spuren am Pleißewehr Markkleeberg und die Färbung des Wassers. Quelle: André Kempner
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Markkleeberg/Borna

Die Angler bemerken bereits sinkende Fischbestände. Abhilfe schaffen soll ein Projekt mit Luzerne-Anbau.

Das Problem der hässlichen Braunfärbung ist seit langem bekannt. Wie berichtet, landete durch den Bergbau eisenhaltiges Gestein, Pyrit etwa, auf den Kippen rund um Borna und wird vom angestiegenen Grundwasser ausgewaschen. Wasser mit einem hohen Eisen- und Sulfatanteil gelangt so in die Pleiße. Inwiefern dadurch Lebewesen bedroht sind, sei unklar, erklärt Klaus Häfner vom Referat Oberflächenwasser der Landesdirektion Sachsen. „Das Ökosystem Pleiße muss differenziert betrachtet werden, das ist noch nicht gemacht worden.“ Der Eisenschlamm sei aber ein Problem für Fische.

So berichtet Matthias Koppe vom Anglerverband Leipzig inzwischen von einem „deutlich niedrigeren Brutaufkommen“ in der Pleiße. Der ockerfarbene Schlamm decke die abgelegten Eier ab, durch ihn gebe es auch deutlich weniger Insektenlarven und andere Nährtiere für die Fische. „Die Weiße Elster hat ein deutlich besseres Nähraufkommen für Fische“, hat er beobachtet. Dort gebe es zum Beispiel auch deutlich mehr Hechte, als in der braunen Pleiße.

Sicher ist zudem, dass Sulfat den Beton und damit zum Beispiel Brückenbauwerke angreift und ab einer Konzentration von 700 Milligramm je Liter für einige Lebewesen, Muscheln etwa, den Tod bedeuten würde.

Seit langem tüfteln Wissenschaftler, Ingenieure und Behördenmitarbeiter daran, wie der Pleiße geholfen werden kann. Dabei konzentriert sich das Augenmerk auf die Witznitzer Kippe, die als neuralgische Stelle gilt. Mit jedem Kubikmeter Wasser gelangen aus dieser Kippe ein Kilogramm Eisen und eineinhalb Kilogramm Sulfat in die Pleiße und das Hainer-See-Gebiet. Insgesamt, so Häfner, muss die Pleiße derzeit im Leipziger Südraum etwa eine Tonne Eisen pro Tag schlucken. „Das wird auf zwei Tonnen steigen, wenn nichts unternommen wird.“

Auf der Witznitzer Kippe sollen zwei Strategien ins Spiel kommen. Um von südlicher Seite das Wasser abzufangen, ist an einen zwei Kilometer langen Drainagegraben gedacht. „Die Planung wird beauftragt“, so Bernd-Stephan Tienz, der langjährige Abteilungsleiter Planung Mitteldeutschland bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), der jetzt seinen Ruhestand angetreten hat. Das Wasser soll der bei Neukieritzsch gelegenen Grubenwasserreinigungsanlage der Mibrag zugeführt werden. Auf der nördlichen Seite der Pleiße soll hingegen die Bildung neuen Grundwassers reduziert werden. Ein Pilotversuch hat ergeben, dass sich dazu der großflächige Anbau von Luzerne eignet und wirtschaftlich tragbar ist. Luzerne, eine immergrüne Pflanze, sorgt für Verdunstung und holt sich ihr Wasser bis aus zwei Meter Tiefe. Dadurch soll deutlich weniger Regen durchs Erdreich sickern. Versuche ergaben, dass so die Neubildung von Grundwasser um 75 Prozent vermindert werden kann, damit weniger belastetes Wasser in die Pleiße gelangt. „Der Pilotversuch soll über drei Jahre großflächig überprüft werden“, informiert Tienz. Im vierten Quartal werde der Finanzierungsantrag dafür eingereicht, um im Jahr 2013 starten zu können. An schnelle Erfolge glaubt auch er bei der Methode nicht. „Aber die Lösungsprozesse im Boden sind in Gang gesetzt.“

Frank Prenzel/Jörg ter Vehn

Frank Prenzel/Jörg ter Vehn

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