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Markkleeberg Radpilger auf Luthers Spuren in Markkleeberg
Region Markkleeberg Radpilger auf Luthers Spuren in Markkleeberg
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07:00 18.04.2017
Fototermin für die Pilger unter der Luthereiche an der Raschwitzer Straße. Quelle: AG Fahrradkirche
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Markkleeberg

Der Radfahrergottesdienst am Ostermontag in Zöbigker ist gute Tradition. Neu war gestern die anschließende Fahrradpilgertour. Dreieinhalb Stunden ging es von der Fahrradkirche über elf Stationen unter dem Motto „Von Schatz zu Schatz“ auf Entdeckungstour durch Markkleeberg.

„Die Tour ist Teil der Veranstaltungsreihe zum 300-jährigen Bestehen der Martin-Luther-Kirche, die elf Stationen erinnern an elf Jahre Fahrradkirche“, erklärte Henning Diestel, der mit Pfarrer Arndt Haubold und seiner Frau Ingrid die Fahrradpilger anführte. Die hatten allen Vorhersagen zum Trotz Glück, beim Anradeln begleitete sie noch die Sonne.

Erste Station war die Martin-Luther-Kirche, wo der Pfarrer Inschriften erläuterte. Weiter ging es durch den Kees’schen Park in die Kirschallee, wo verborgen auf einem Privatgrundstück die Holzkirche steht, die 1908 auf der Weltausstellung in Paris zu sehen war.

Geschichte geschrieben wurde einst auch im neuen Wohngebiet an der Koburger Straße. „Hier hatte von 1880 bis 1903 die Leipziger Glocken- und Kunstgießerei Jauck einen Betriebsteil“, erzählte Henning Diestel. Die Firma goss Glocken für Kirchen in ganz Deutschland, war aber auch Königlich-Sächsische Spritzenfabrik, stattete Feuerwehren aus.

Einen Fototermin machten die 35 Radler unter der Luthereiche an der Haupt-/Ecke Raschwitzer Straße. Nächste Station – die Mittelstraße. „Hier war mal ein Bischofssitz“, so Diestel schmunzelnd. Professor Franz Lau, Lutherforscher an der Uni Leipzig, lebte in Markkleeberg-Mitte. Weil dem legitimen Bischof der bekennenden Kirche, Hugo Hahn, nach dem Zweiten Weltkrieg von den Russen die Reise von Stuttgart nach Sachsen verwehrt wurde, avancierte Lau kurzerhand zum Vorsitzenden der evangelischen Landeskirche und zum heimlichen Bischof.

„Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang – 1885“ lautet die Inschrift über dem Eingang der heutigen Grundschule in der Raschwitzer Straße. Wie Diestels erläuterten, war in dem Haus einst ein Gemeindesaal. Konnten die Oetzscher wegen Wetterunbilden nicht in die Gautzscher Kirche, trafen sie sich hier.

Wohl beinah jeder Markkleeberger hat schon einmal den Spruch „Es ist noch eine Ruh vorhanden“ an der Mauer des evangelischen Friedhofs Ecke Rathaus-/Sebastian-Bach-Straße gelesen. Aber wer weiß schon, dass sie aus der Feder von Johann Siegmund Kunth stammt. „Früher stand die Zeile als Ewigkeitslied in den Gesangbüchern und wurde bei Beerdigungen gesungen“, sagte Henning Diestel bevor die Pilgertour wegen Regens abgebrochen werden musste.

Eigentlich wollte Ingrid Diestel in der benachbarten Kregelstraße noch von Namensgeberin Henriette Kregel berichten, einer Bekannten von Gutsbesitzer Jöcher. Sie spendete 1000 Taler für die Gautzscher Kirche und die Schule, war 1717 bei der Kirchweihe selbst dabei.

Korrigiert werden sollte in der Zarnester Straße der Martin Luther zugeschriebene und dort in Metall gemeißelte Satz „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“. Die Worte seien erstmals 1944 im Angesicht des Kriegselends in der bekennenden Kirche aufgetaucht, weiß Henning Diestel.

Letzte Station vor dem Ziel Fahrradkirche wären Kirche und Grundschule Großstädteln gewesen. Hier arbeitete einst der evangelische Theologe und Handschriftenforscher Konstantin von Tischendorf, der 1844 mit dem Codex Sinaiticus die älteste vollständig erhaltene Handschrift des Neuen Testaments entdeckt hat.

Von Ulrike Witt

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