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Reiner Kehr: "Natur muss erlebbar bleiben"

Reiner Kehr: "Natur muss erlebbar bleiben"

Reiner Kehr ist sauer und amüsiert zugleich. In der Werft seiner Ranaboot GmbH in Zöbigker arbeitet er gerade an einem dritten Leipzig-Boot, ein gemeinsames Projekt mit dem Grünen Ring Leipzig.

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An Bord der "Henriette" schippern Passagiere diese Woche durch den Floßgraben. Maximal 60 solche Fahrten gibt es in dieser Saison insgesamt.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg/Leipzig. Nächstes Jahr soll das für 20 Passagiere ausgelegte Elektroboot seine "Flotte" aufstocken. "Von bis zu 100 Fahrten täglich durch den Leipziger Auwald, wie die Naturschützer von Nukla und Ökolöwe behaupten, sind wir aber auch dann noch Lichtjahre entfernt", sagt der Geschäftsführer schmunzelnd.

Wie berichtet, wollen die Umweltvereine Naturschutz und Kunst Leipziger Auwald (Nukla) und der Ökolöwe, unterstützt von acht weiteren Vereinen und Verbänden, Beschwerde gegen die touristische Übernutzung des Floßgrabens bei der Europäischen Union einreichen. Nukla-Chef Wolfgang Stoiber fürchtet um Eisvogel, Wespenbussard und Co. Die einst mit Fördermitteln entwickelten und von Kehr privat finanzierten Leipzig-Boote "Marianne" und "Henriette" störten das Ökosystem durch Aufwirbeln der Sedimente nachhaltig, meint er.

"2014 haben wir bislang insgesamt 40 Fahrten auf der Neuseenlandroute vom Stadthafen Leipzig zum Zöbigker Hafen oder zurück gehabt. Ich rechne bis Oktober mit weiteren 20. Für mehr gibt es auch keinen Bedarf. Unser Geld verdienen wir überwiegend in Leipzig", stellt Kehr klar und präsentiert das Durchfahrtsprotokoll. Schon rein rechnerisch seien 100 Boote am Tag gar nicht möglich. Drei Stunden dauere eine Tour, maximal eine Stunde befände sich ein Leipzig-Boot davon im Floßgraben. Und das bis Ende August auch nur im per Allgemeinverfügung zum Schutz des Eisvogels ausgewiesenen Zeitfenster zwischen 11 und 13 Uhr sowie 16 und 18 Uhr. Das sieht Kehr ohnehin kritisch: "Vorher haben sich die Boote über den Tag verteilt, konnten wir ruhig durch den Auwald fahren. Jetzt gibt es nach den Öffnungen Massenandrang." Dabei habe sich der Eisvogel längst mit dem Mensch arrangiert. "In Leipzig sehen wir mehr Eisvögel als im Floßgraben, die brüten inzwischen selbst unter Brücken, wo die Straßenbahn drüber donnert."

Die Landesdirektion hatte im Frühjahr mitgeteilt, dass der Floßgraben wegen des Schutzstatus Natura 2000 und des natürlichen Gewässerprofils von der allgemeinen Schifffahrt ausgeschlossen wird. Zugelassen sind per Gemeingebrauchsverfügung nur muskelbetriebene Boote. Motorboote brauchen eine Ausnahmegenehmigung. Kehr hat eine solche vom Leipziger Umweltamt erhalten. Auch für die Fahrt über den Cospudener See, zuständig ist hier die Untere Wasserbehörde in Borna. Denn der Cossi ist wie alle Tagebauseen mit dem neuen Sächsischen Wassergesetz grundsätzlich für schiffbar erklärt worden, für Motorboote aber erst frei, wenn der Freistaat die Fertigstellung erklärt. Dazu laufen umfangreiche Verfahren, bei denen Flächen ausgenommen werden können.

Kehr ärgert sich auch über die Paddler. Einer Leipzig-Boot-Tour auf der Neuseenlandroute stünden bis zu 400 Kanuten entgegen. "Und die benehmen sich nicht immer umweltfreundlich. Während ich unsere Passagiere auffordere, im Floßgraben leise zu sein, veranstalten die Paddler regelrechte Trinker- und Grilltouren. Da wird in den Uferbereichen angelegt, werden Boote herausgehoben und Müll hinterlassen." Mitte Mai hatte er noch mit anderen Problemen zu kämpfen, so seien links und rechts des Floßgrabens illegal Bäume gefällt und ins Wasser geworfen worden, um den Bootsverkehr zu behindern.

Die morgige Bootsparade beim 14. Leipziger Wasserfest will Kehr nutzen, um seinem Ärger Luft zu machen. An der "Marianne", die um 11 Uhr am Stelzenhaus losfährt, wird ein Plakat mit der Aufschrift "Natur muss erlebbar bleiben" und eine Eisvogel-Girlande hängen. "Ich wünsche Nukla und dem Ökolöwen, dass sie viele Spenden für ihre Klage bekommen und höchstrichterlich entschieden wird, wer Recht hat, damit dieser Unfug ein Ende hat."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.08.2014
Ulrike Witt

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