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Renaissance für Oetzsch-Gautzsch-Rom

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Pünktlich zum Himmelfahrtstag wurde gestern an der Fahrradkirche Zöbigker der neu markierte Abschnitt des ökumenischen Pilgerweges Via Imperii mit einer Andacht eingeweiht.

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Im Zeichen der Muschel: Oberbürgermeister Bernd Klose, Henning und Ingrid Diestel sowie Pfarrerin Kathrin Bickhardt-Schulz (von links) bei der Einweihung des Pilgerweges Via Imperii vor der Kirchruine in der Zöbigker Dorfstraße.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Bei strahlendem Sonnenschein machte sich eine Gruppe von rund 80 Leuten zu Fuß oder per Rad auf den Weg nach Rötha.

„Ich bin dann mal weg.“ 2006 brachte Entertainer Hape Kerkeling das Pilgern mit seinem Reisebüchlein in die Schlagzeilen und damit wieder in die Köpfe der Menschen. Tausende suchen seither Jahr für Jahr unterwegs nach sich selbst. Mit dem alten, neuen Pilgerweg Via Imperii können sich Interessierte nun auch in unserer Region auf die Reise begeben.

„Pilgern ist etwas Schönes, Großes“, meinte Elke Jelen vor der Kirchruine in der Dorfstraße. Mit ihrer früheren Arbeitskollegin Kornelia Hanisch war die Böhlenerin nach Zöbigker gekommen. Jelen ist eine erfahrene Pilgerin, regelmäßig nimmt sie am mitteldeutschen Samstagspilgern der Deutschen Jakobus-Gesellschaft teil. „Uns geht es um das gemeinsame Erlebnis. Man trifft fremde Menschen, kann sich austauschen, aber auch mal schweigen“, so Jelen. Und selbst der Pilgerweg Via Imperii, entlang der einstigen Nord-Süd-Handelsstraße ist der Katholikin nicht unbekannt. „Ich bin den schon 2004, allerdings ab Leipzig und ohne Hinweisschilder gegangen“, verriet sie schmunzelnd.

Wie berichtet, beschäftigt sich die mitteldeutsche Sektion der Jakobus-Gesellschaft schon seit sieben Jahren mit der Wiederbelebung der nach der Via Regia zweiten bedeutenden Handelsstraße in unserem Raum. In den vergangenen Wochen hatte der Freundeskreis Pilgerweg Via Imperii, mit Ingrid und Henning Diestel an der Spitze, die Ausschilderung der 15 Kilometer langen Etappe zwischen Markkleeberg und Rötha vorangetrieben. Pünktlich zum dritten Sächsischen Wandertag Anfang Mai war es geschafft. Seither führt die gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund Pilger durch das Neuseenland.

„Pilgern bedeutet sich auf den Weg zu machen. Mit dem Herzen entscheidet der Mensch Richtung und Ziel.“ Daran erinnerte Pfarrerin Kathrin Bickhardt-Schulz in ihrer Meditation. Schon früher seien auf der Via Imperii lange Strecken zurückgelegt worden. Nicht immer einfache. „Aber wer enge Pfade gegangen ist, wird stark“, ermutigte sie.

An der Andacht unter freiem Himmel nahm auch Oberbürgermeister Bernd Klose (SPD) teil. „Es ist ein herrlicher Tag. Ich freue mich, dass ich hier bin“, verkündete er. Pilgern sei modern geworden, weil wir zunehmend aus der Hektik des Alltags ausbrechen müssten und in der Natur zu uns finden wollen. „Ich hoffe, dass der Pilgerweg in Zukunft weiter ausgebaut wird und der alte Markkleeberger Spruch Oetzsch-Gautzsch-Rom zu neuer Blüte gelangt“, so Klose. Auch, weil sich gerade am Landschaftswandel im Südraum zeige, was die Bewahrung der Schöpfung und Gottes Wort „Geh und mach dir die Erde untertan“ bedeuten. „Möge der Tag so schön werden, dass nächstes Jahr die doppelte Zahl auf der Via Imperii pilgert.“

Durch die Neue Harth zog der Tross dann gemächlichen Schrittes oder per Rad nach Großdeuben, wo in der Methodistenkirche ein Stopp eingelegt wurde. Am Ortseingang von Rötha gab es später einen größeren Empfang. Von dort ging es zur Georgenkirche und weiter zur Marienkirche. In der Wallfahrtskirche, in der Pilger im Mittelalter auf dem Weg nach Rom oder Santiago de Compostela rasteten, wurden die Wanderer schließlich mit einem kleinen Konzert auf der Silbermannorgel belohnt.

Ulrike Witt

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