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Restauriertes Kriegsdenkmal steht nach 60 Jahren wieder im Dorfkern von Zitzschen

Denkmal Restauriertes Kriegsdenkmal steht nach 60 Jahren wieder im Dorfkern von Zitzschen

Mit militärischen Ehren und im Beisein von fast 150 Einwohnern und Gästen, darunter Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf (CDU), ist am Sonntagnachmittag das restaurierte Denkmal für die Opfer des Preußisch-Österreichischen Krieges 1866 und des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wieder eingeweiht worden. Vor 60 Jahren war es auf den Friedhof verbannt und dem Verfall preisgegeben worden (die LVZ berichtete).

Mit militärischen Ehren wurde am Sonntagnachmittag das restaurierte Kriegsdenkmal neben der Zitzschener Kirche wieder eingeweiht.

Quelle: André Kempner

Zwenkau. Das hat Zitzschen noch nicht erlebt: Mit militärischen Ehren und im Beisein von fast 150 Einwohnern und Gästen, darunter Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf (CDU), ist am Sonntagnachmittag das restaurierte Denkmal für die Opfer des Preußisch-Österreichischen Krieges 1866 und des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wieder eingeweiht worden. Vor fast 60 Jahren war das steinerne Mahnmal zu DDR-Zeiten auf den Friedhof verbannt und dem Verfall preisgegeben worden (die LVZ berichtete). Jetzt ist es dank der Initiative des Heimatvereins Zitzschen und der Unterstützung von Fachleuten und Sponsoren wie der Kultur- und Umweltstiftung der Sparkasse Leipzig in die Dorfmitte zurückgekehrt.

„Dass wir heute vor dem wunderbar restaurierten Denkmal stehen, macht mich glücklich und stolz“, gestand Ortschronist Daniel Kalis. Der 37-Jährige hatte 2013 bei der 800-Jahrfeier des Zwenkauer Ortsteils das Projekt „Wir retten unser Denkmal“ ins Leben gerufen. „Da unser Dorf in altem Glanz erstrahlt, sollte auch das Denkmal wieder einen würdigen Platz erhalten“, begründete er die Initiative. Damals hätten allerdings nur wenige an den Erfolg geglaubt. „Aber es hat sich wieder einmal gezeigt, wenn es drauf ankommt, halten wir Zitzschener zusammen und wachsen über uns hinaus“, betonte Kalis. Bei aller Freude über die Wiedereinweihung gelte es der „Opfer der vergessenen Kriege“ zu gedenken. Und zwar jenseits von der früher üblichen patriotischen Heldenverklärung, die einzig dazu gedient habe, Vorbilder für künftige Soldatengenerationen zu stilisieren. „Man wollte, dass sich die Menschen als Teil einer großen Sache fühlen, dabei haben sie Schrecken, Elend, Not und Tod erfahren müssen, das ganze Grauen eines jeden Krieges“, erklärte Kalis.

„Es ist schön in Frieden zu ruhen, besser ist es, in Frieden zu leben“, zitierte Haiko Hertes, Vorsitzender der Bundeswehr-Reservistenkameradschaft Leipzig, einen Eintrag ins Gästebuch an einer Kriegsgräberstätte in Italien. Er erinnerte, dass seit der Gründung der Bundeswehr 1955 rund 3200 Soldaten und Mitarbeiter ihr Leben verloren haben, seit der Beteiligung an Auslandseinsätzen Anfang der Neunzigerjahre mehr als 100. Lange sei den Toten nur innerhalb der Bundeswehr gedacht worden. „Es ist wichtig Gedenkstätten wieder näher bei den Menschen in den Städten und Dörfern zu verankern, denn Gedenkstätten regen zum Nachdenken an“, so Hertes. Schließlich entscheide der Bundestag heute über Auslandseinsätze. Da es sich um ein demokratisch gewähltes Parlament handelt, sei es letztlich eine Entscheidung des Volkes“, mahnte er.

Oliver Gebhardt, evangelischer Pfarrer von Zitzschen sagte: „Ein Kriegsdenkmal ist kein Jubelort, sondern ein Nein zum Vergessen. Sich nicht zu erinnern, hieße getrieben und der Zukunft ausgeliefert zu sein. Erinnern bedeutet inne zu halten.“ Die toten Soldaten seien Menschen mit ihren ganz eigenen Geschichten gewesen, die geliebt und gelebt haben, die verblendet oder traurig in den Krieg gezogen sind und ihren Hof und ihre Familien zurücklassen mussten. „Ihrer zu gedenken, ist ein Akt der Barmherzigkeit. Wir sollten aber auch nicht die vergessen. die damals auf der anderen Seite standen. Ebenso wenig wie die Menschen, die heute auf der Flucht sind und unsere Hilfe brauchen“, schlug Gebhardt einen Bogen zur aktuellen Flüchtlingskrise.

Bürgermeister Holger Schulz (CDU) wünschte, „dass uns das Denkmal gerade in Zeiten eint, wo der ein oder andere Bürger Zweifel hegt, was unsere Zukunft anbelangt“. Er lobte den Heimatverein und insbesondere Daniel Kalis für ihre akribische Arbeit. Kalis dankte allen Mitstreitern, darunter Steinmetzmeister Florian Peschel aus Quesitz, den Denkmalschützern von Land und Kreis, der Gesellschaft Wettina und dem Team um Professor Hubert Mara von der Universität Heidelberg, das mit einem 3-D-Laserverfahren die verwitterten Inschriften wieder lesbar gemacht hatte. Aber auch den fleißigen Altpapiersammlern aus dem Dorf, der Stadt für ihre Hilfe und natürlich Stephan Seeger von der Sparkassenstiftung. „Sie haben mit ihrer Spende in Höhe von 8000 Euro die Initialzündung für die Umsetzung gegeben“, sagte er zu Seeger, der beim Festakt dabei war. Insgesamt hat die Restaurierung rund 22 000 Euro gekostet.

Von Ulrike Witt

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