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Markkleeberg Rückblick ohne Hass - "Mein kleines DDR-ABC"
Region Markkleeberg Rückblick ohne Hass - "Mein kleines DDR-ABC"
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00:38 03.07.2015
Pfarrer Arndt Haubold erzählt Alltägliches mit Spott und ohne Groll. Quelle: André Kempner
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Markkleeberg

Weil Erinnerungen 25 Jahre später verschwimmen, weil eigenes Denken und Handeln offenbar wird. Arndt Haubold, geboren und "unkritisch aufgewachsen" in Sachsen, "als Pfarrer später in einer Außenseiterrolle", legt mit "Mein kleines DDR-ABC" seine Sicht "auf ein untergegangenes Land" vor.

"Das Buch ist kein politischer Schlagabtausch, keine wissenschaftliche oder leidenschaftslose Darstellung des DDR-Alltags, sondern meine subjektive Erinnerung - mit einer gehörigen Prise Spott und ohne Hass", betont der 61-Jährige. Wie alle DDR-Bürger habe er sein Leben gelebt, geliebt und gelacht, aber er sei eben auch, ob des beschwerlichen und für politisch Nichtkonforme gefährlichen Alltags, frustriert gewesen.

Vor fünf Jahren hat Haubold, der seit 1994 Pfarrer der Martin-Luther-Kirchgemeinde in Markkleeberg ist, angefangen seine Erinnerungen festzuhalten. "Zuerst waren es nur Begriffe, daraus wurden auch mit Hilfe meiner Frau und meiner Mutter, die als ehemalige Verkäuferin einiges beisteuern konnte, Kurzgeschichten, die ich alphabetisch geordnet habe."

Unter "E wie Einkaufen" erzählt Haubold von der "Nahrungssuche" in der Kaufhalle, vom Dederonnetz und dem staatlich verordneten EVP. Amüsant sein Blick auf die FKK-Kultur: "Die Gesellschaft stand unter sexuellem Druck und suchte sich ihre Ventile." Am Ostseestrand begegneten sich denn auch Parteisekretär und Pfarrer im Adamskostüm. Verboten gewesen seien Pornografie und Prostitution. "Natürlich gab es beides unter der Hand", weiß er. Und das nicht nur zur Messe in Leipzig.

"Sie werden platziert!" - das Schild, das jeden Restaurantbesucher verschreckte, und König Kellner fehlen ebenso wenig, wie die Intershops mit ihrem verführerischen Westduft. Politischer, aber nicht ohne Humor sind die Kapitel geraten, die Haubold den Themen Demonstrationen inklusive des "kollektiven Besäufnisses" am 1. Mai, der Jugendweihe, Opposition und Sozialismus gewidmet hat.

"Es geht nicht darum, die DDR schön zu reden oder sie zu verteufeln. Das Buch habe ich für mich und meine Generation geschrieben, um nicht zu vergessen, und ich habe es für die Generation meiner Enkel geschrieben, damit sie wissen, auch das war ein Stück Deutschland", so Haubold. Bei Lesungen spüre er, dass die Leute in ihre Vergangenheit eintauchen. "Das macht mir Freude."

Erschienen ist "Mein kleines DDR-ABC" beim Engelsdorfer Verlag. Es ist in allen Buchhandlungen auf Bestellung für elf Euro zu haben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.06.2015
Ulrike Witt

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