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Markkleeberg Sanierung der Kirchenruine Wachau läuft an
Region Markkleeberg Sanierung der Kirchenruine Wachau läuft an
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08:01 02.12.2018
Sie kümmern sich um die sanierungsbedürftige Kirchenruine Wachau: Eberhard Eichhorn, Annekatrin Pittroff, Johanna Butenuth und Uwe Pittroff (von links).­ Quelle: André Kempner
Wachau

Ein ruinöses Kleinod – so was gibt’s. Im Markkleeberger Ortsteil Wachau zum Beispiel. Die dortige Kirche hat ohne Zweifel schon bessere Tage erlebt. Seit einem Blitzeinschlag im Jahr 1974 ist sie nicht mehr die alte. Doch auch wenn dem Turm die ursprünglich spitze Haube und dem Schiff das schützende Dach fehlt: Die Kirchenruine Wachau ist ein ganz besonderer Flecken Erde. Einer, an dem der Mensch auf sich selbst zurückfällt – sofern er das will. An dem er sich der Vergänglichkeit alles Irdischen bewusst wird – sofern er das will. Einer, an dem Markkleeberger und Menschen aus benachbarten Orten seit einiger Zeit Sommer-Konzerte unter freiem Himmel erleben können – sofern sie das wollen. Im zurückliegenden Hitze-Sommer wollten das insgesamt rund 1600 Besucher an zwölf Kulturabenden. Für den Förderverein Kirchenruine Wachau waren diese Veranstaltungen wichtige Einnahmequellen, denn Vorsitzender Eberhard Eichhorn und seine Mitstreiter brauchen Geld. Für zwei wichtige Projekte, von denen eins in der neuen Woche anläuft.

Die Wachauer Kirche wurde ab 1865 im neogotischen Stil errichtet und 1867 eingeweiht. Das kleine Dorf hatte nun ein stattliches Gotteshaus mit dem höchsten Turm im Leipziger Umland (65 Meter). Nach 1945 war eine umfassende Reparatur der Kriegsschäden ausgeschlossen. Auch in der Folgezeit – bedingt durch die Mangelwirtschaft in der DDR – war an eine Sanierung nicht zu denken. 1956 wurde das letzte Paar in der Kirche getraut – die Gottesdienste fanden nun im Gemeindehaus statt. Im Juli 1974 schlug ein Blitz in den Turm ein. Er musste abgerissen werden. Die Trümmer wurden einfach auf das Langhaus gekippt, dessen Dach unter der Last schließlich zusammenbrach. Der Herbst 1989 brachte auch für die Ruine eine kleine Wende: Das Gebäude wurde unter Denkmalschutz gestellt und es wurden Fördermittel zur Erhaltung gewährt.

„Wir müssen den weiteren Verfall stoppen“

Bei aller Begeisterung fürs außergewöhnliche Ambiente: Wer sich die Ruine genauer anschaut, der erkennt deren Renovierungsbedürftigkeit. Die Fachleute sprechen gern von Herstellung der Verkehrssicherheit. „Wir müssen halt möglichst schnell den weiteren Verfall des Gemäuers stoppen. Zuletzt sind Sandsteinelemente heruntergefallen, etwa von den Fensterbänken und aus dem Rahmen der Rosette“, beschreibt Vereinschef Eichhorn, ein evangelisch-lutherischer Pfarrer im Ruhestand, den Ernst der Lage. „Besonders dramatisch ist die Situation am Turm. Dort sind die Arbeiten am dringlichsten“, ergänzt Bauplaner Gernot Lindemann. Und deshalb werden genau dort ab der ersten Dezember-Woche auch die ersten Gerüste zu sehen sein. „Im Frühjahr setzen wir die Sanierung dann im Chorraum und im Langhaus fort“, so Ingenieur Lindemann.

„Die Gespräche mit dem Forum waren sehr angenehm“

Dass die Sicherung des Gebäudes nunmehr beginnt, ist nicht nur dem umtriebigen Förderverein und seiner kreativen Suche nach Mitteln und Wegen zu verdanken, sondern auch der öffentlichen Hand beziehungsweise der Institution Kirche. Denn die 530 000 Euro, die es für das Maßnahmepaket 1 braucht, kommen nicht zuletzt aus dem Leader-Topf, einer europäischen Quelle zur Förderung der Entwicklung des ländlichen Raumes. In hiesigen Breiten kümmert sich das Kommunale Forum Südraum Leipzig mit Regionalmanagerin Annedore Bergfeld um Projekte, die unterstützungswürdig sind. „Wir sind sehr froh über die 150 000 Euro aus dem Leader-Programm“, sagt Vereinsschatzmeisterin Johanna Butenuth. „Die Gespräche mit dem Forum waren sehr angenehm.“ Auch die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen greift tief in den großen Klingelbeutel, holt 300 000 Euro heraus. Die Kirchgemeinde Probstheida-Störmthal-Güldengossa-Wachau als Eigentümerin der Immobilie ist mit 30 000 Euro dabei. Den Rest – 50 000 Euro – muss der Verein aufbringen. Ohne Eigenmittel keine Förderung.

Turm mit Aussichtsplattform – der Traum der Freunde und Förderer

Die Freunde der Ruine träumen sogar schon einen zweiten Maßnahme-Traum – und wollen hierzu auch wieder einen Leader-Antrag stellen. Und das ist ihr Plan: Der Turm, in dem bis heute eine Glocke aus dem Jahr 1465 läutet (!), wird einer touristischen Nutzung zugeführt – sprich: Er soll Aussichtsturm werden und eine Plattform für Weitblickende erhalten. Im nächsten Jahr soll das Projekt angegangen werden. Aber erst einmal ist Sanierungszeit. Die allein wird bis November 2019 dauern. „Und danach sehen wir weiter“, sagt Fördervereinsvorsitzender Eichhorn.

Von Dominic Welters

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