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Schüler tauchen in dunkelstes Kapitel der Geschichte Markkleebergs ein

Nationalsozialismus aufgearbeitet Schüler tauchen in dunkelstes Kapitel der Geschichte Markkleebergs ein

Ein mobiles, multimediales Archiv, das Einblicke in die Zeit zwischen 1933 und 1945 gewährt, ist bei einem Geschichtsprojekt in Markkleeberg entstanden.

Die RHS-Projektgruppe mit Leporellos zur NS-Geschichte Markkleebergs.

Quelle: Kempner

Markkleeberg. Seit 2012 arbeitet der Verein Kulturbahnhof die Zeit des Nationalsozialismus in Markkleeberg auf. Aus Archiven, Fachliteratur, privaten Sammlungen und in Gesprächen mit Zeitzeugen wurden und werden Informationen zusammengetragen. Inzwischen ist ein mobiles, multimediales Archiv entstanden, das Einblicke in die Zeit zwischen 1933 und 1945 gewährt.

In den vergangenen Wochen haben Schüler der achten bis zehnten Klassen des Rudolf-Hildebrand-Gymnasiums die „Erbstücke“ intensiv genutzt. Mehr noch. Die Jugendlichen haben im Geschichtsunterricht geforscht, sind mit ihren Lehrern Petra Weidner und Carsten Müller sowie Schulleiter Ditmar Apel in die Vergangenheit ihrer Heimatstadt eingetaucht. Unterstützt wurden sie dabei von Mandy Gehrt und Johannes Hohaus vom Kulturbahnhof.

„Wir wissen heute vieles, aber längst noch nicht alles“, sagt Gehrt. Reichlich Material liege über das KZ-Außenlager im Equipagenweg vor, wo zwischen August 1944 und Frühjahr 1945 über 1500 ungarische Jüdinnen und französische Widerstandskämpferinnen eingesperrt waren. Auch dank Ehrenbürgerin Zahava Stessel, die ihr Schicksal im Buch „Snow Flowers“ festgehalten hat (die LVZ berichtete). Lange unbekannt gewesen sei hingegen, dass es in Markkleeberg Außenstellen der Führerschule und der Reichsschrifttumkammer gab.

Die Schüler haben ihre Erkenntnisse in Leporellos zusammengefasst, die das mobile Archiv wieder ein Stück erweitern. So können Interessierte nachlesen, dass Markkleeberg erst im Januar 1934 auf Betreiben der Nazis aus mehreren selbstständigen Gemeinden gegründet wurde.

Eine Gruppe hat sich dem „Jüdischen Leben zwischen Duldung und Verfolgung“ gewidmet. Sie erzählt die tragische Geschichte der Familie Bamberger, aber auch die von Moshe Georgi, geboren in Gaschwitz, zu Hause in Haifa. Eingeflossen sind Gespräche mit Stefanie Seegermann, Tochter der Bambergers, die im Sommer im Hildebrand-Gymnasium zu Gast war.

Eine andere Gruppe hat sich mit der Zwangsarbeit beschäftigt. „Wer weiß heute schon noch, dass viele Zwangsarbeiter im „Damhirsch“ in Zöbigker untergebracht waren“, sagt Gehrt.

Weitere Gruppen haben sich mit dem Widerstand und unserer Erinnerungs- und Gedenkkultur befasst. „Die meisten Schüler kannten den Gedenkstein im Equipagenweg nicht mal, obwohl sie oft mit dem Rad daran vorbeifahren. Sie haben ihn erst jetzt durch unsere Arbeit bewusst wahrgenommen“, erklärt Gehrt. Geschichtslehrer Müller hat mit den Zehntklässlern im November das KZ Buchenwald besucht. „Das mobile Archiv war für die Vorbereitung ein wichtiger Baustein“, betont er.

Gefördert wird das Projekt vom Bundesprogramm „Demokratie leben“, vom Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen – Für Demokratie und Toleranz“, der Kulturstiftung des Freistaates und dem Landkreis Leipzig.

Von Ulrike Witt

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