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Seehaus-Verein hält an Umzugsplänen fest

Trotz vieler Freunde in Störmthal Seehaus-Verein hält an Umzugsplänen fest

Das ist selten: Ein kleiner Ort wünscht sich, dass ein offener Strafvollzug in seiner Gemeinde bleibt. Trotzdem will der Seehaus-Verein wie geplant aus Störmthal wegziehen.

In den Werkstätten entstanden in gemeinnütziger Arbeit etliche Sitzbänke, wie diese für den Störmthaler See.

Quelle: Kempner

Großpösna. In Störmthal hat sich der Seehaus-Verein mit seinem offenen Strafvollzug für Jugendliche so viele Freunde gemacht, dass er auch dauerhaft bleiben könnte, wie eine Umfrage ergab. Für Hausleiter Steffen Hofmann eine angenehme und durchaus ungewöhnliche Situation. Dennoch präferiert er den seit Jahren geplanten Umzug an den Hainer See.

Wie berichtet, hatte der Gemeinderat erst kürzlich grünes Licht für einen möglichen Verbleib des Seehaus-Vereins im ehemaligen Lutherstift in Störmthal bis Mitte 2018 gegeben. Vorausgegangen war unter anderem eine Befragung durch den Ortschaftsrat. Der hatte 180 Zettel an alle Haushalte ausgeteilt. „Von den 67, die zurückkamen, sprachen sich 51 für einen dauerhaften Verbleib und eine Vergrößerung unserer Einrichtung aus“, erklärt Hofmanan nicht ohne Stolz.

Die Umfrage sei natürlich nicht repräsentativ, das Ergebnis für den Verein dennoch äußerst positiv. „Dass Strafgefangene so in einen Ort integriert werden können, ist schon eine schöne Geschichte. Man erlebt es nicht so oft, dass die Leute einem sagen, wir wollen Euch hier gerne“, sagt er aus Erfahrung.

Bekanntlich hatte es auch in Störmthal zunächst Anfeindungen aus dem Ort gegeben, hatte sich sogar eine Bürgerinitiative gegen den Verein gegründet. Die anfänglichen Wogen glätteten sich aber schnell. Die jugendlichen Straftäter, die im Haus einen zwar offenen, aber streng regulierten Strafvollzug durchmachen, verrichteten im Ort und in der Region viel gemeinnützige Arbeit zum Wohle aller. Es entstanden Bänke, Bushäuschen wurden saniert, Schulhöfe verschönert, Wegweiser gebastelt, sogar ein Schwanenhaus gebaut und Gottesdienste durchgeführt. Und das Wichtigste: Es gab keine Probleme. „Die Befürchtungen einiger sind zwar verständlich, aber nicht begründet“, sagt Hofmann. Nur einmal sei ein junger Mann kurz weg gewesen. „Er wollte unbedingt zu seiner Mutter, wurde aber nach zwei Stunden wieder aufgegriffen“, erklärt der Hausleiter.

Derzeit würden sieben Strafgefangene in Störmthal betreut. 13 Mitarbeiter vom Ausbilder über WG-Betreuer bis zu Hofmann teilen sich dafür sieben volle Stellen. Insgesamt 14 Strafgefangene soll der Verein jedoch laut Vereinbarung mit dem Freistaat betreuen. „Dafür müssten wir unser Grundstück hier in Störmthal vergrößern und auch anbauen“, erklärt Hofmann das Problem. Zwar gebe es die Bereitschaft der Nachbarn dazu und auch der Grundstücksbesitzer, dennoch sieht Hofmann „gewisse finanzielle und zeitliche Risiken“. Es müsse erst noch ein Bebauungsplan erstellt werden, und auch die Kosten für den Bau ließen sich derzeit nur schätzen, meint er. Der Verein habe einen Verbleib in Störmthal geprüft und diskutiert, sich aber klar zu dem Umzug bekannt, sagt er. „Deshalb geht bei uns die Tendenz klar in Richtung Hainer See“, so Hofmann.

Schließlich hätten sich dort über viele Jahre hinweg viele Leute für das Projekt eingesetzt, sich sogar ungeheuerliche Vorwürfe gefallen lassen müssen. Am Hainer See gebe es schon durch die Einzellage neue Möglichkeiten und Chancen für die Entwicklung der Einrichtung. In einem Neubau ließen sich eben konzeptionelle Dinge viel besser berücksichtigee, erklärt er.

Wenn alles gut gehe, treffe noch in diesem Monat die Baugenehmigung ein. Eventuell könne noch in diesem Spätherbst mit der Erschließung begonnen werden, im nächsten Jahr werde es aber richtig los gehen. „Ende nächsten Jahres könnte die erste Wohngemeinschaft umziehen. Die Verwaltung und die Mitarbeiter, die dort hinziehen, folgen dann nach und nach“, ist sein Ziel.

Eine gewisse Vorsicht ist seinen Plänen dennoch anzumerken. Das resultiere aus den sechs Jahren Erfahrung seit Beginn der Planung für den Umzug, erklärt er. „In den Jahren habe ich gelernt, dass die tatsächliche Entwicklung erstmal abzuwarten ist.“

Bekanntlich hatte es gegen den Umzug an den Hainer See einen Bürgerentscheid gegeben. 65 Prozent der Befragten dort votierten gegen die Ansiedlung, 35 Prozent dafür. Der am See zuständige Zweckverband setzte sich jedoch aus formalen Gründen über den Entscheid hinweg, beschloss den Bau.

Hofmann kann dem Bürgerentscheid trotz der vielen Nein-Stimmen auch etwas Positives abgewinnen. „Immerhin wollen uns 35 Prozent gerne am See haben“, sagt er. Das sei mitunter mehr Zustimmung, als er es von anderen Orten vorab kenne. Auch in Störmthal waren es anfangs nicht sehr viele, die den offenen Strafvollzug dort begrüßten.

Von Jörg ter Vehn

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