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Markkleeberg Selbstständig in Ost und West
Region Markkleeberg Selbstständig in Ost und West
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08:15 02.03.2017
Bekannt für gute Arbeit und flotte Sprüche: Der Markkleeberger Handwerksmeister Andreas Hesse in seiner Werkstatt in Großstädteln. Quelle: André Kempner
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Markkleeberg

Im Stadtrat ist Andreas Hesse als streitbarer Mann bekannt. Der 57-jährige CDU-ler nimmt kein Blatt vor den Mund, schießt munter gegen die Stadtverwaltung – und auch mal übers Ziel hinaus. Dranbleiben, nicht locker lassen sind Eigenschaften, die ihn auch in seinem Beruf als selbstständiger Handwerksmeister auszeichnen und das seit 30 Jahren. Nun wurde er von Handwerkskammerpräsident Claus Gröhn mit dem Silbernen Meisterbrief geehrt.

„Klar bin ich darauf stolz, aber ich bin nicht nur Meister des Rahmenglaserhandwerks“, sagt Hesse selbstbewusst. Der Markkleeberger weiß, was er kann. Kein Wunder: Der Mann hat den Job von der Pike auf gelernt, sich vor und nach der Wende bewiesen und kann heute gleich zwei Meistertitel vorweisen.

Angefangen hat sein Berufsleben Mitte der Siebziger mit der Tischlerlehre im Möbelwerk Rabenau. Danach ging er zum VEB Garten- und Landschaftsgestaltung Leipzig, absolvierte parallel die erste Meisterausbildung im Bauwesen Fachbereich Ausbau. Mit dem Abschluss wagte er 1987 den Schritt in die Selbstständigkeit, übernahm die Tischlerei Wießner in der Helenenstraße 15 in Dölitz.

„Die Leute standen mit ihren kaputten Fensterrahmen Schlange“, erinnert sich Hesse. Die ersten Reparaturen fuhr er mit dem Leiterwagen aus. Denn um sich den Traum vom eigenen Geschäft leisten zu können, hatte der junge Familienvater, der 1980 von Connewitz nach Markkleeberg gezogen war, seinen alten Saporosch verkaufen und einen Kredit über 10 000 DDR-Mark aufnehmen müssen.

Weil es Schwierigkeiten mit der Tischlerinnung gab, die ihn nicht aufnehmen wollte, kroch er bei den Glasern unter – mit der Auflage, den Glasermeister nachzuholen. 1990 war auch das geschafft, pünktlich für den Neuanfang im vereinigten Deutschland. „Obwohl ich schon einen Betrieb hatte, war das auch für mich eine harte Zeit. Die alten Maschinen und Technologien konnte ich nicht mehr einsetzen, alles musste umgestellt werden“, erinnert sich Hesse.

In den Neunzigern ging es mit neuer Technik und sieben Mitarbeitern „steil bergauf“. Fenster, Türen, Rolläden für öffentliche und private Objekte, Neubau und Sanierung wurden seine Domäne. Die Handwerkerpassage am Leipziger Markt ist eine seiner Referenzen. Dennoch hatte Hesse wie andere mit Problemen zu kämpfen: Die Helenenstraße 15 wurde an den Alteigentümer rückübertragen. Er baute 1993 im Gewerbegebiet Wachau. Seit 2005 hat er seine Werkstatt in der Hauptstraße 222 in Großstädteln.

„Man muss mit dem Markt mitgehen: Hochfahren ist kein Problem, runterfahren schwierig“, weiß er. Und von Bauträgern lässt er inzwischen die Hände. „Ich bin wirtschaftlich erfolgreich, habe gute Aufträge in der Region, keine Kredite, kein Leasing. Das soll auch so bleiben“, betont er. Deshalb bilde er sich stetig weiter, sei nebenbei seit 2002 als von der Handwerkskammer zu Leipzig öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger fürs Glaserhandwerk tätig.

Sorgen bereitet ihm, wie vielen seiner Kollegen, die Nachfolge. „Ich suche einen qualifizierten Mitarbeiter, den ich über die nächsten zehn Jahre aufbauen kann. Aber das sieht nicht gut aus“, sagt Hesse. Keine Frage, er wird dranbleiben – und weiter den Mund aufmachen. „Sonst kann ich schlecht schlafen“, verrät er schmunzelnd.

Von Ulrike Witt

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