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Spurensuche an der Tellschützer Kirche

Spurensuche an der Tellschützer Kirche

Restaurator Michael Bruckschlegel hat einen spannenden Auftrag. Er untersucht die am 10. Januar ausgebrannte und inzwischen eingerüstete Tellschützer Dorfkirche auf Spuren der Vergangenheit.

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Nächster Schritt für den Wiederaufbau der ausgebrannten Tellschützer Dorfkirche: Restaurator Michael Bruckschlegel nimmt Putzproben am Turm.

Quelle: André Kempner

Zwenkau. "Ich nehme an verschiedenen Stellen Putzproben, um eine Grundlage für den Wiederaufbau zu haben", erklärt Bruckschlegel, als er mit Eimer und Werkzeug am Turm hoch klettert. Denn Putze erzählen Geschichte, geben anhand ihrer Zusammensetzung und Farbe Einblick in 500 Jahre. "Der Kirchturm stammt definitiv aus dem Mittelalter, das Kirchenschiff ist eine barocke Zutat. Der Vorgängerbau war fast vollständig abgebrochen worden", berichtet er.

Besonders interessant sei der Bereich, der vom Dach verdeckt war. "Hier gibt es sehr alte Putze, genau wie unten am Westfenster im Kirchturm", sagt Bruckschlegel und zeigt in den Eimer: "Je jünger der Putz desto grobkörniger. Im Mittelalter wurden beispielsweise Haare und Kalkspatzen eingearbeitet. Das war eine Frage der Verfügbarkeit und in gewisser Weise auch der Mode."

Einige Bauphasen sind belegt, so der Bau des Kirchenschiffs um 1765. Anderes, wie das Stuckprofil unter der Decke, ist wahrscheinlich 80 bis 100 Jahre später entstanden. "Vielleicht war den Tellschützern das Geld ausgegangen. Den Altvorderen ging es eben nicht anders als uns heute", meint Bruckschlegel schmunzelnd.

Bis Mitte Mai will er die einzelnen Epochen der Baugeschichte dokumentieren. "Im Ergebnis wird die Gemeinde entscheiden, welche Fassung wieder aufgebaut werden soll", sagt Bruckschlegel. Er gehe davon aus, dass die letzte, bei der Sanierung Mitte der Neunziger entstandene, favorisiert wird. Wobei er sich vorstellen könne, dass die ältesten Teile als eine Art Schaufenster in die Kirchengeschichte gestaltet werden.

Übrigens: Wer für den Wiederaufbau spenden möchte, kann auch mit Kunst Gutes tun. Wie Galeristin Catherine Scholz mitteilte, gehen von jeder an den Kunstautomaten am Zwenkauer Hafen und vor der Lehmhaus Galerie in Zwenkau, Leipziger Straße 14, gezogenen Kunstschachtel 50 Cent an die Kirchgemeinde.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.04.2015
Ulrike Witt

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