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Stadt plant zentrales Mahnmal für Gewaltopfer

Stadt plant zentrales Mahnmal für Gewaltopfer

Markkleeberg. Wie gehen wir mit unserer Geschichte und ihren Opfern um? Wollen wir überhaupt erinnert werden? Brauchen wir Orte zum Gedenken? Um diese und andere Fragen ging es jüngst beim Workshop "Versteckte Geschichte" im Club des Markkleeberger Rudolf-Hildebrand-Gymnasiums.

Eingeladen hatte der Verein Kulturbahnhof.

In Markkleeberg stehen viele Denkmale - Villen, in denen Intellektuelle, Künstler und Fabrikanten lebten, die ihrer Zeit ihren Stempel aufdrückten. Und es gibt Mahnmale - für die Völkerschlacht, den Deutsch-Französischen Krieg 1871, die Toten des Ersten Weltkrieges und die Opfer des Nationalsozialismus. Das wohl bekannteste steht im Equipagenweg. Es erinnert an die 1000 ungarischen Jüdinnen und 250 französischen Widerstandskämpferinnen, die von August 1944 bis April 1945 im Außenlager des KZ Buchenwald Zwangsarbeit leisten mussten. Ein zweites Mahnmal steht auf dem Rathausplatz, marode, fast vergessen. Nur der rote Winkel ist geblieben.

"Denkmale sind immer in ihrer Epoche zu sehen", meinte Ralph von Rauchhaupt, Sachgebietsleiter Kultur im Rathaus. Dieses sei 1965 zum 20. Jahrestag der Befreiung errichtet, einzig den politisch Verfolgten gewidmet. "Wir sind uns bewusst, dass der Platz nicht mehr schön, ja unwürdig aussieht. Es gibt auch schon Pläne für eine Umgestaltung", so von Rauchhaupt, "bis 2015 wollen wir auf dem Friedhof in Gaschwitz ein zentrales Mahnmal für alle Gewaltopfer schaffen." Dies sei bereits mit der evangelischen Kirchgemeinde abgestimmt. Auch die Umbettung von Kriegsopfern, die auf anderen Markkleeberger Friedhöfen ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Jörg Hasse, früher Sachgebietsleiter Garten-/Denkmalpflege in Leipzig, sprach sich gegen Gaschwitz aus. Der Friedhof sei dezentral gelegen, zudem kein authentischer Ort, was von Rauchhaupt bestritt. In Gaschwitz seien Zwangsarbeiter begraben. SPD-Oberbürgermeisterkandidat und Kulturbahnhof-Vorstand Karsten Schütze regte einen zentralen Erinnerungsort am Bahnhof an. Der sei im Februar 1944 bombardiert worden. Stadtchronist Michael Zock plädierte für den geschichtsträchtigen Rathausplatz. Übrigens wie die Mehrheit der Markkleeberger, die 2012 an einer Umfrage des Kulturbahnhofs im Rahmen des Projektes Erinnerungskultur teilgenommen hatten. "Das letzte Wort hat der Stadtrat, ein Mahnmal ist auch eine Preisfrage", so von Rauchhaupt.

"Erinnerungskultur ist nicht an die Zeit des Faschismus gebunden. Auch andere Ereignisse sind identitätsstiftend", betonte Carsten Müller, Fachbereichsleiter Gesellschaftswissenschaften am Rudolf-Hildebrand-Gymnasium. Er berichtete von Schülerprojekten zum 17. Juni 1953, aber auch von Studienfahrten nach Buchenwald, Auschwitz und Pirna-Sonnenstein. "Nach der Wende hatten viele Lehrer Hemmungen wegen der zu DDR-Zeiten verordneten Geschichte", gestand Müller. Inzwischen würden neue Wege beschritten, so die Übersetzung des Buches "Snow Flowers", von der Englischlehrerin Inge Hänsgen erzählte. Wie berichtet, hatten Gymnasiasten in einer sehr beeindruckenden Lesung an das Schicksal der ungarischen Jüdin und Ehrenbürgerin Zahava Stessel und ihrer Leidensgenossinnen erinnert.

"Menschen im Alltag für Geschichte zu sensibilisieren, sie anzustoßen, sich mit diesen Themen auseinander zu setzen, ist sehr schwierig, aber auch das ist Erinnerungskultur", mahnte Müller. Fazit der Runde: Ob die umstrittenen Stolpersteine, virtuelle Gedenkorte, Zeitzeugengespräche, Lesungen oder Denk- und Mahnmale im Stadtbild - alles trage dazu bei, Geschichte wach zu halten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.07.2013

Ulrike Witt

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Markkleeberg in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 31,36 km²

Einwohner: 24.240 Einwohner (Dezember 2015)

Bevölkerungsdichte: 773 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04416

Ortsvorwahlen: 034297, 034299, 0341

Stadtverwaltung: Rathausplatz 1, 04416 Markkleeberg

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