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Stadt und Kreis informieren zu geplanter Flüchtlingsunterkunft in Markkleeberg

Ehemaliges Ärztehaus Stadt und Kreis informieren zu geplanter Flüchtlingsunterkunft in Markkleeberg

Mitte Januar nächsten Jahres sollen 90 Flüchtlinge in das ehemalige Ärztehaus am Gautzscher Platz einziehen. Der Unmut unter den Nachbarn ist groß. Das wurde am Freitagabend bei einer Einwohnerversammlung deutlich. Knapp 100 Bürger waren den Einladung von OBM Karsten Schütze (SPD) dorthin gefolgt.

Eigentlich sollte das einstige Ärztehaus abgerissen werden. Jetzt ist es für die Unterbringung von Flüchtlingen in Markkleeberg gedacht.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Mitte Januar nächsten Jahres sollen 90 Flüchtlinge in das ehemalige Ärztehaus am Gautzscher Platz einziehen. Der Unmut unter den Nachbarn ist groß. Das wurde am Freitagabend bei der Einwohnerversammlung im Lindensaal deutlich. Knapp 100 Bürger waren den Einladung von OBM Karsten Schütze (SPD) gefolgt. Der Rathauschef hatte sich mit Integrationsministerin Petra Köpping (SPD), Landrat Henry Graichen (CDU) und Frank Schütze von der Asyl-Betreuungs- und Beherbergungsgesellschaft ABUB, die das Haus betreiben wird, kompetente Gäste ins Podium geholt.

Graichen machte wie eine Woche zuvor schon in Zwenkau die dramatische Situation mit über 3000 Flüchtlingen im Landkreis Leipzig deutlich: „Wir haben inzwischen neun Gemeinschaftsunterkünfte und eine ganze Reihe in Planung, weil wir einfach keine freien Wohnungen mehr haben.“ Anders als in Borna, wo schon 600 Flüchtlinge lebten, sei Markkleeberg mit bislang 43 dezentral untergebrachten Menschen kaum belastet worden. Nach dem Verteilerschlüssel müsse die Große Kreisstadt aber 323 Personen aufnehmen.

Zur Not auch in der Turnhalle Gaschwitz. „Durch Brandanschläge müssen wir ständig Objekte im Rückhalt haben“, erklärte der Landrat. Im Moment sei eine Belegung in Gaschwitz aber relativ unwahrscheinlich. „Die Zahl der Flüchtlinge und die Zuweisungen an Kreise und Kommunen sind im Moment rückläufig. Statt 200 Menschen werden in den letzten beiden Wochen des Jahres nur 86 erwartet“, so Graichen. Kein Thema sei vorerst auch das von privater Hand für eine Containerbebauung angebotene Grundstück in der Städtelner Straße 54.

„Eine Notunterkunft in der Turnhalle wollen wir mit aller Macht vermeiden“, betonte der OBM. Die Stadt suche deshalb weiter händeringend nach freien Wohnungen und Grundstücken. Bürgermeister Philipp Staude sagte: „Das Ärztehaus ist von der Größe und Struktur als Flüchtlingsunterkunft geeignet, auch wenn noch erhebliche bauliche Maßnahmen notwendig sind.“ Eigentlich sollte das seit 2013 leerstehende Haus abgerissen und der Gautzscher Platz umgestaltet werden. Das muss nun warten. Möglicherweise fünf Jahre. So lange sei die Flüchtlingsunterkunft laut Vertrag gebunden, sagte Karsten Schütze. Worauf Unruhe im Lindensaal ausbrach.

ABUB-Sprecher Frank Schütze versicherte, dass sein Unternehmen seit 20 Jahren Erfahrung mit Flüchtlingsunterkünften im Landkreis habe, aktuell 20 Einrichtungen mit 4000 Menschen betreibe. „Im Ärztehaus werden jetzt die Sanitär- und Brandschutzanlagen ertüchtigt, die Schlaf- und Gemeinschaftsräume sowie Küchen für die Ankunft der Flüchtlinge vorbereitet“, berichtete er. Sobald diese eintreffen, würden ganztägig vier Sozialbetreuer, nachts ein Wachschutz vor Ort sein. Für das neue Jahr kündigte er einen Tag der offenen Tür an, zu dem sich die Anwohner im Haus umschauen könnten.

Die Nachbarn zeichneten am Freitag ein düsteres Szenario, dominiert von diffusen Ängsten. Große Themen waren die als bedrohlich empfundene Nähe zu ihren Häusern, der fehlende Sichtschutz, die Sorge vor Entwertung ihrer Grundstücke und nicht zuletzt die Sicherheit von Frauen und Kindern. Sämtliche Versprechen, dass Stadt, Polizei und ABUB ein Auge auf das Haus haben und jederzeit erreichbar seien, keine 90 Männer, sondern mindestens ein Drittel Kinder erwartet werden, eine Einfriedung noch gebaut wird – all das blieb weitgehend ungehört. Bis Köpping der Kragen platzte: „Hier kommen Menschen, die alles verloren haben, die nur eine Zukunft wollen.“

Von Ulrike Witt

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