Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Markkleeberg Steffen Fischer ist Maler, Worterfinder, Reporter und Hinterfrager
Region Markkleeberg Steffen Fischer ist Maler, Worterfinder, Reporter und Hinterfrager
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:01 16.01.2019
Das ungewöhnliche Selbstporträt des Künstlers mit Batman-Maske und einem Hut aus getrockneter Farbe enthält Anspielungen auf sein Sternzeichen und seinen Namen. Quelle: Foto: Kempner
Markkleeberg

Mit Steffen Fischer beginnt der Ausstellungsreigen des Jahres 2019 im Weißen Haus. Der Künstler aus Dürrröhrsdorf bei Dresden zeigt Ausschnitte aus vier Themenzyklen seines Schaffens, die sich auf mythische Erzählungen, als auch auf konkrete Ereignisse gegenwärtiger Realität beziehen. Die Vernissage ist am Donnerstag um 19 Uhr.

Den Titel seiner Ausstellung „Patrizoon“ hat er erfunden. „Das Wort setzt sich aus Patriarchat und ,zoon’ als Terminus für den politisch sozialisierten Menschen zusammen“, verrät er. Die Themenzyklen heißen „Leda und Zeus“, eine Dekonstruktion, „Septemberhimmel“ oder Mythenwechsel mit Marilyn Monroe und „Prekäraklid“. Dahinter verbergen sich Variationen zum Herakles-Mythos. Das „Paradies der Väter“ mit eher jüngeren Werken hat er den vierten Zyklus überschrieben. Seine Triebkraft: „Die heftige Ablehnung zivilisatorischer Gewalt in ihren militaristischen Auswüchsen.“ Allen Zyklen sei eine Perspektive gemeinsam, die in der Soziologie, der Politikwissenschaft und in diversen Gesellschaftstheorien unter dem Begriff Patriarchat beschrieben wird.

Die Ikone Marilyn Monroe benutzt er, um der Widerspruch einer idealisierten Gesellschaft aufzuzeigen. Er spielt vor dem Hintergrund des Terroranschlags am 11. September 2001 in New York mit den Realitäten. Marilyn erhebt sich strahlend aus stählernen Trümmern, wie ein Engel der Geschichte. Sein Monroe-Porträt mit den Namen „Manhattan Septemberhimmel“ zeigt das Konterfei der Schauspielerin mit roten vollen Lippen. Das lockige Haar hat er ersetzt, durch ein Meer an Rauchwolken und umherfliegenden Trümmerteilen der brennenden Zwillingstürme des World Trade Centers.

Fischer liebt Details, manche springen gleich ins Auge, andere werden erst bei genauer Betrachtung offensichtlich. „Ich bin ein narrativer Künstler“, gibt er zu. Dabei lässt er den Betrachtern seiner Bilder viel Freiraum. „Man kann zahlreiche Anspielungen finden, aber es muss genügend Spielraum für eigene Interpretationen bleiben“, sagt er. „Ich will den Leuten nichts in den Kopf hämmern.“ Das Abbilden allein ist nicht sein Ding. Schon gar nicht das rein Formalästhetische. „Ich verstehe mich mehr als Reporter, als Hinterfrager“, betont er. Dabei macht er sich ein breites Spektrum an Möglichkeiten zunutze. Massive großformatige Werke in Acryl, Zeichnungen und Mischtechniken, kleinere, kolorierte Kohlezeichnungen und Collagen sind zu sehen.

Kulturamtsleiter Falk Hartig hebt die Farbigkeit, die Lebendigkeit, den Aktionismus und das Symbolhafte hervor. Die kritische Auseinandersetzung des Künstlers und seine Reflexion der Gegenwart und der Historie machten die aktuelle Ausstellung so spannend und interessant. „Unser Publikum soll diskutieren, wir wollen zu Kunstgesprächen anregen“, betont Hartig. Das kommt Fischer entgegen. „Das Weiße Haus ist für mich als Ausstellungsort besonders reizvoll, weil es keine Schere im Kopf gibt, wie bei so manchem Galeristen, der in erster Linie verkaufen will“, freut er sich.

Ernsthaftes und Groteskes können bei Fischer eng nebeneinander stehen. Er karikiert abgedroschene Klischees, wie das der lasziven Hingabe Ledas und des Schwans. Er hat keine Scheu, den Mythos zu entmystifizieren. Auch seinen Humor hat er sich bewahrt. „Wenn man sich nur an Abgründen entlang bewegt, macht das depressiv“, erklärt er ganz pragmatisch. Er brauche den Sarkasmus, die satirische Überzeichnung und die Ironie als Form der Distanzierung.

Von Gislinde Redepenning

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In Zeiten des Fachkräftemangels kann der Landkreis Leipzig in diesem Jahr Projekte von 300.000 Euro fördern. Diese Summe stellt das sächsische Arbeitsministerium der Region zur Verfügung.

15.01.2019

Den ruhigen Schlaf einer Zwenkauer Familie haben Einbrecher für einen ziemlich großen Coup genutzt. Autos, Geld und Telefone verschwanden aus dem Haus der Familie – die davon nichts mitbekam.

14.01.2019

Wie können alte und neue Bewohner einer aufstrebenden Stadt zueinander finden? Zum Beispiel beim Wintergrillen in Zwenkau. „Die Idee klappt hervorragend“, meinen Beteiligte.

14.01.2019