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Sternmarsch nach Zöbigker stößt auf wenig Interesse

Sternmarsch nach Zöbigker stößt auf wenig Interesse

Ob Regen oder Desinteresse – die Zahl der Teilnehmer am Sternmarsch anlässlich 20 Jahre „Stopp Tagebau Cospuden“ war dürftig. Gerade mal 50 Teilnehmer, darunter der Leipziger Ex-Baubürgermeister Niels Gormsen, fanden am Samstagvormittag den Weg zum Zöbigker Hafen.

Markkleeberg. Nicht nur die Veranstalter – Stadt Markkleeberg und Leipziger Ökolöwe – zeigten sich enttäuscht. „Damals war schönes Wetter, vor allem waren wir aber damals alle im Aufruhr und sehr optimistisch.“ Ingrid Diestel, bis zu ihrem Ruhestand niedergelassene Ärztin in Markkleeberg, suchte nach Erklärungen für die „erschütternd geringe Resonanz“. Am 2. April 1990 gehörte sie zu den 10 000 Menschen, die sich vom damaligen Karl-Marx-Platz, von der Huttenstraße und vom Forsthaus Raschwitz auf zur Tagebaukante Cospuden machten. Sie wollten den Bagger stoppen und retten, was noch zu retten war: Auenlandschaft und so wie Diestel ihre Heimat Zöbigker.  

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Markkleeberg. Ob Regen oder Desinteresse – die Zahl der Teilnehmer am Sternmarsch anlässlich 20 Jahre „Stopp Tagebau Cospuden“ war dürftig. Gerade mal 50 Teilnehmer, darunter der Leipziger Ex-Baubürgermeister Niels Gormsen, fanden am Samstagvormittag den Weg zum Zöbigker Hafen.

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  Viel zu erzählen hatte auch Beate Uebel. Die heutige Connewitzerin lebte zur Wendezeit in Markkleeberg. „Als geborene Gaschwitzerin war ich schon mal abgebaggert worden, noch mal sollte mir das nicht passieren“, erinnerte sich Uebel an ihre Beweggründe. Ein Wiedersehen gab es für sie mit Wolfram Herwig. Über ihn kam die Mitarbeiterin der Kreis-Hygieneinspektion im Wendeherbst zum Ökolöwen und gründete die Markkleeberger Umweltinitiative. Später gehörten beide der Bürgerinitiative „Stoppt Cospuden 1990“ an. „Das Gefühl endlich was tun zu können, hat ungeahnte Kräfte freigesetzt“, berichtete sie. Und dass es bereits einen Plan B gab: „Wir hatten Kontakt zu Greenpeace, die ein Hüttendorf an der Abraumkante errichten wollten, falls unser Protest verpufft wäre.“ Mit ihrem Sohn und dessen Klassenkameraden reihte sich Gertraud Winkler damals in den Demonstrationszug ein. Das Plakat mit der Aufschrift „Stopp den Bagger, er schaufelt auch unser Grab“ hat die Jahre auf dem Dachboden in Zöbigker überdauert. Am Samstag kam es aktualisiert wieder zum Einsatz. „Schützt mich und mein Umfeld für immer“ war auf der Rückseite zu lesen. Wie viele Teilnehmer des Sternmarsches treibt Winkler derzeit die Sorge um den Floßgraben um. „Aktueller kann das Thema Umweltschutz doch gar nicht sein“, meinte Karl Heyde vom Nabu-Vorstand. Dass sich Markkleeberg mit Oberbürgermeister Bernd Klose (SPD) an der Spitze gegen den Ersatzneubau der Agra-Brücke wehre, könne er gut verstehen. „Aber genauso schlimm ist der Bau einer Wasserstraße für Motorboote durch den Auwald“, betonte Heyde. Als zwiespältig empfand er, dass die Stadtverwaltung einerseits den Ausbau des Floßgrabens, wenn auch als Gewässerunterhaltung deklariert, vorantreibe, andererseits parallel einen Umwelt-Marsch organisiert. „Es wird immer wieder Konflikte zwischen Naturschützern und Planern sowie Anwohnern und Touristen geben. Heute haben wir aber die Möglichkeit, diese auf demokratischem Wege zu lösen. Auch das ist eine Errungenschaft für die wir damals gekämpft haben“, so Klose. Er kündigte an, dass in dieser Woche ein Gespräch in der Landesdirektion stattfinden wird, wo man sich über den geeigneten Zeitpunkt für ein Planfeststellungsverfahren einigen wolle. Umweltaktivist Herwig schloss seine Rede mit den Worten: „Der Cospudener See ist heute Teil einer Bergbaufolgelandschaft die sich sehen lassen kann. Dafür sind wir allen Beteiligten zu Dank verpflichtet. Dennoch müssen wir Bürger aufmerksam bleiben.“ Urte Grauwinkel vom Ökolöwen, die kurzfristig für Geschäftsführer Nico Singer eingesprungen war, sagte: „Es ist heutzutage fast unmöglich tausende Menschen für den Umweltschutz zu begeistern. Überflüssig ist unsere Arbeit aber längst nicht. Nur die Themen haben sich verändert.“

Ulrike Witt

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