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Stolpersteine erinnern an Schicksal von Markkleeberger Juden

Erinnerung Stolpersteine erinnern an Schicksal von Markkleeberger Juden

Sieben neue Stolpersteine erinnern in Markkleeberg an verfolgte und ermordete Juden sowie eine von den Nazis wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung hingerichtete Bürgerin. Schüler des Rudolf-Hildebrand-Gymnasiums haben ihre Schicksale in den vergangenen drei Jahren mit ihrem Lehrer und Leiter der AG Spurensuche, Dr. Carsten Müller, akribisch recherchiert.

Vier Stolpersteine setzte Künstler Gunter Demnig im Beisein von OBM Karsten Schütze (rechts) in der Rathausstraße für die jüdische Familie Berliner.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Sieben neue Stolpersteine erinnern in Markkleeberg an verfolgte und ermordete Juden sowie eine von den Nazis wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung hingerichtete Bürgerin. Schüler des Rudolf-Hildebrand-Gymnasiums haben ihre Schicksale in den vergangenen drei Jahren mit ihrem Lehrer und Leiter der AG Spurensuche, Dr. Carsten Müller, akribisch recherchiert.

„Ich bin überwältigt, dass so viele Markkleeberger heute gekommen sind“, erklärte Müller am Dienstagvormittag beim Festakt mit Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD), CDU-Landtagsmitglied Oliver Fritzsche, Stadträten, Schülern und Bürgern gegenüber der Rathausgalerie. Hier stand bis zum Bombenangriff im Februar 1944 das Haus Hauptstraße 34. Bis 1939 war es Wohnsitz der jüdischen Familie Berliner. Vater Max war ein Großcousin des Leipziger Bankiers Meyer-Kroch gewesen. Er starb schon 1923. Seine Frau Rosa, eine gebürtige Ungarin, verkaufte das Haus, um die Flucht nach Belgien zu finanzieren.

Aber sie konnte den Nazis nicht entkommen. Mit ihren Kindern Lucie und Friedrich wurde sie nach Frankreich abgeschoben, interniert, später von Belgien aus nach Auschwitz deportiert. Zwischen August und Oktober 1942 kamen die drei Berliners und der Ehemann von Lucie in den Gaskammern von Birkenau um. Einzige Überlebende war Tochter Gertrud. Sie floh mit ihrem Mann, einem polnischen Juden, 1938 nach Australien. Vor drei Monaten ist sie in Sydney im Alter von 103 Jahren gestorben.

„Das Schicksal der Berliners macht mich sehr traurig und sehr wütend. Wenn man bedenkt, das ist eine Familie von sechs Millionen ermordeter Juden im Holocaust“, sagte Elftklässlerin Marlene Pietsch. Sie erzählte gestern die Geschichte der Berliners, Gymnasiastinnen der Musikspezialklassen untermalten sie mit Liedern. Eine bewegende Atmosphäre – besonders für die Urenkelin von Gertrud Berliner und ihren Vater, die extra aus London angereist waren.

„Die Markkleeberger setzen ein deutliches Zeichen“, meinte Oberbürgermeister Schütze. Er sei stolz auf die Schüler, die mit ihrem Engagement den Ermordeten ein Gesicht geben. Wie viele begleitete der Rathauschef Künstler Gunter Demnig an alle vier Stationen. Im Wolfswinkel 14 wurde Alexander Eisenberg mit einem Stolperstein gedacht, in der Hauptstraße 68 Chane Suhl und in der Pater-Kolbe-Straße 23 schließlich Helene Knothe, das einzige nichtjüdische Opfer. Mit den beiden bereits 2010 für Olla und Ludwig Bamberger vor der Hauptstraße 3 verlegten Stolpersteinen (die LVZ berichtete) gibt es nun neun in der Stadt.

Am Nachmittag berichteten die AG-Mitglieder dann bei einer Erinnerungsstunde im Weißen Haus von ihrer intensiven Suche in Archiven und den beeindruckenden Gesprächen mit Zeitzeugen. Informationen zu den Stolpersteinen und den Schicksalen gibt es ab sofort auf der Homepage der Rudolf-Hildebrand-Schule sowie beim Verein Kulturbahnhof.

Von Ulrike Witt

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