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Streit um Motorboote im Leipziger Neuseenland entbrannt - Naturschützer fürchten Schäden

Streit um Motorboote im Leipziger Neuseenland entbrannt - Naturschützer fürchten Schäden

Wer derzeit Naturschützer im Leipziger Neuseenland erzürnen will, braucht nur drei bürokratische Worte fallen zu lassen. „Erklärung der Schiffbarkeit“ heißt ein Vorhaben der Landesdirektion Leipzig, gegen das sich erheblicher Protest regt.

Leipzig. Gerade werden Unterschriften gesammelt. Hinter der „Erklärung der Schiffbarkeit“ verbirgt sich ein bislang einmaliger Vorgang: Der aus einem Tagebauloch entstandene Cospudener See und seine Wasser-Verbindung nach Leipzig, im Fachjargon „Kurs 1“ genannt, sollen Schifffahrtsregeln verpasst bekommen. Die Naturschützer fürchten, dass dann Motorboote zuhauf den See befahren werden. Lärm und Wellenschlag würden die Flora und Fauna schädigen.

Bislang tummeln sich auf dem 10 Jahre alten See vornehmlich Segler, Surfer und Tretbootfahrer. Motorboote, so hieß es in der Vergangenheit immer, sind auf dem „Cossi“ tabu. Das stimmt allerdings nicht ganz: Einzelgenehmigungen konnten schon immer beantragt werden - und wurden auch erteilt. Derzeit ist der See ein „nicht-schiffbares Gewässer“ - ohne Verkehrsregeln. Die Landesdirektion hat nun aber beobachtet, dass der „Nutzungsdruck“ auf den See steige - also immer mehr Wassertouristen kommen, was ganz im Sinne der Anrainer-Kommunen ist. Deswegen sollen Regeln her - und der „Cossi“ zum „schiffbaren Gewässer“ erklärt werden.

„Das ist das erste Verfahren dieser Art, das sachsenweit durchgeführt wird. Da betreten wir Neuland“, sagt Heinz Kolb, Sachgebietsleiter Oberflächengewässer bei der Landesdirektion. Die Lausitz, wo ähnlich wie im Leipziger Südraum eine Seenplatte aus Tagebaulöchern entsteht, schaue interessiert herüber, „was wir hier machen“. Kolb sieht vor allem Vorteile der Schiffbarkeitserklärung: „Geordnete Zustände und klare Regeln bieten Sicherheit in einem Revier und locken Wassersportler und Investoren an“, sagt er. Nebeneffekt: Die Wasserschutzpolizei wird zuständig. „Die werden präsent sein und für Ordnung sorgen.“ Es gebe schon Gespräche über einen neuen Standort.

Bernd Heinitz, Vorsitzender des Naturschutzbundes NABU Sachsen, kann diesem Hang zur Regelung wenig abgewinnen. „Wir haben kaum noch ruhige Punkte in der Natur. Es muss doch nicht alles erschlossen werden“, sagt er. Sobald der Cospudener See und die mit ihm verbundenen Gewässer Lauer, Floßgraben und Elstermühlgraben für „schiffbar“ erklärt werden, gilt dort die Schifffahrtsverordnung. Jeder Motorbootfahrer, der einen entsprechenden Führerschein und sein Boot ordnungsgemäß gekennzeichnet hat, dürfte dann dort fahren. Einzelgenehmigungen wären nicht mehr nötig.

„Es muss nicht überall Sport, Spaß und Fun sein“, sagt Heinitz. Für den einzigartigen Leipziger Auwald, durch den sich der Floßgraben schlängelt, wäre die Schiffbarkeitserklärung „ein harter Eingriff“, ebenso für die Vogelwelt am Cospudener See. Heinitz will keine Motorboote dort haben. „Natur ist ein Gut, ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Unser Auwald ist ein europaweit bedeutsames Naturjuwel. Ich glaube, es werden viele Gäste zu uns kommen wegen des Auwaldes und nicht wegen Motorbooten, die es überall gibt.“ Der NABU werde der Landesdirektion seine Ablehnung deutlich machen. Auch die Unterschriften sollen dazu übergeben werden.

Die Landesdirektion hat neben dem NABU rund 60 weitere Verbände, Behörden und auch Privatleute bis zum 19. Mai um Stellungnahmen gebeten. Auch die sächsischen Ministerien für Umwelt, Wirtschaft und Inneres müssen Grünes Licht geben. Wann das Verfahren abgeschlossen werden kann, mit welchem Ergebnis und möglichen Beschränkungen für den Bootsverkehr, steht somit in den Sternen. Planer Kolb ist sich nur sicher, dass es keine Alternative dazu gibt. „Das Leipziger Neuseenland möchte schon wahrgenommen werden als überregionale Destination.“ Die Nutzung werde steigen - so oder so. Eine Motorboot- Schwemme befürchtet Kolb nicht. Das gäben die Verhältnisse gar nicht her. Der Floßgraben zum Beispiel ist nur ganze 60 Zentimeter tief - und damit für viele Boote gar nicht geeignet.

Birgit Zimmermann, dpa

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