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Sulfatbelastung des Wassers im Südraum hoch - Gefahr für Altbauten

Sulfatbelastung des Wassers im Südraum hoch - Gefahr für Altbauten

Die braune Pleiße zeigt es jedem: Die Eisen- und Sulfatbelastung des Flusses und auch des Grundwassers im Südraum Leipzig ist infolge des jahrzehntelangen Tagebaus extrem hoch.

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Die Eisensulfatbelastung der Pleiße und des Grundwassers vor allem im Süden Markkleebergs ist hoch. Altbauten droht dadurch Gefahr, belegt jetzt ein Gutachten im Auftrag des Kommunalen Forums Südraum Leipzig.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. So hoch, dass wegen möglicher chemischer Prozesse etwa für Brückenbauwerke nur spezieller Beton verwendet werden kann. Und so hoch, dass altes Ziegelmauerwerk leidet, Steine deswegen bröckeln.

Speziell im Zöbigker Winkel und in Teilbereichen von Gaschwitz sieht ein neues Gutachten, das im Auftrag des Kommunalen Forums Südraum Leipzig erstellt wurde, Probleme. In Zöbigker liege die Sulfatbelastung bei über 3000 Milligramm pro Liter Grundwasser, in Gaschwitz bei über 2000, in beiden Fällen befänden sich angrenzend grundwassernahe Kippenböden, so der Gutachter. Zum Vergleich: Der Sulfat-Grenzwert liegt laut Grundwasserverordnung von 2010 bei 240 Milligramm je Liter. Bei Bauwerken spielt der Grenzwert jedoch offiziell keine Rolle.

Eine ähnlich hohe Sulfatbelastung wie im Zöbigker Winkel wird auch in Auenhain gemessen. Hier gehen jedoch alle Studien davon aus, dass der Grundwasserspiegel nicht steigt, bei einem aktuellen und künftigen Abstand von etwa fünf Metern von der Flur zum Grundwasser keine Gefahr für die Bausubstanz gegeben ist. Die sei auch ohnehin nur gegeben, wenn Mauerwerk mal nass liegen und mal trocken, so Steffi Raatzsch vom Kommunalen Forum. Der Wechsel sei problematisch, weil dadurch die bauschädlichen Salze immer erneut im Mauerwerk aufsteigen, dort kristallisieren und zu Abplatzungen führen können.

Woher die Gefahr stammt, ist in der Region bekannt: "Als Hauptursache der hohen Sulfatbelastung des Grundwassers gilt unstrittig die Verwitterung beziehungsweise Oxidation der Eisen-Schwefelminerale Pyrit und Markasit aus Kippenböden", so Gutachter Toralf Schmidt vom Ingenieurbüro für Bauwerkserhaltung aus Leipzig. Die besonders braune Fracht der Pleiße zum Beispiel stammt überwiegend aus dem früheren Tagebau Witznitz II nahe dem Hainer See, durch dessen Kippe die Pleiße umverlegt wurde. Die Eisensulfate werden durch das aufsteigende Grundwasser in der Kippe in die Pleiße gespült. Einzige Maßnahme der Tagebausanierer der LMBV dagegen bislang: Sie lässt auf der Kippe tiefwurzelnde Luzerne anbauen, um wenigstens etwas Grundwasser zu binden und um so noch Schlimmeres zu verhindern.

Dass von den Eisensulfaten Schäden etwa auf normalen Beton ausgehen, sei bekannt gewesen, so Raatzsch. Das Gutachten sei aber beauftragt worden, um auch über eventuelle Schäden bei der Altbausubstanz aufzuklären. Hierzu erklärt Schmidt, dass bei Neubauten oder bis zu etwa 40 Jahre alten Häusern bei einer intakten Mauerwerksabdichtung keine Schäden zu erwarten seien. "Betroffen sind vor allem historische Gebäude, in denen keine Abdichtung vorhanden ist, oder diese ihre Funktion nicht mehr erfüllen", warnt er. Er empfiehlt für die Zukunft vertiefende Untersuchungen in den Relevanzbereichen, zu denen er neben dem Zöbigker Winkel und Teilen von Gaschwitz auch Teile von Großdeuben und Rötha-Nord mit einer Sulfatbelastung des Grundwassers von jeweils mehr als 1000 mg/l zählt.

Das Kommunale Forum erwägt nun, die Ergebnisse des Gutachtens in einem Faltblatt Interessierten zu Verfügung zu stellen. "Wir wollen keine Panik machen", so Raatzsch. "Aber wir wollen Transparenz schaffen und Bauherren informieren, wo sie sich eventuell Gedanken machen sollten."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.07.2015
Jörg ter Vehn

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