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Svenja und andere seltene Vögel im Tagebau

Svenja und andere seltene Vögel im Tagebau

Zwenkau. Zweimal im Jahr nur ist das Naturschaufenster im Tagebau Peres südlich an Zwenkau angrenzend für Führungen offen. LVZ-Reporter Jörg ter Vehn begleitete die Gruppe, die diese Woche die so genannte Liegendwasserhaltung besuchen und sich nach Kranich, Singschwan, Blaukehlchen, Heidelerche und Rotbauchunke umsehen durfte.

"Nicht die Wege verlassen", mahnt Naturschützer Harald Krug. Zwei Paare Flussregenpfeifer habe er im Revier schon ausfindig gemacht. Die würden ihre Eier in einer kleinen Mulde irgendwo im flachen Gras ablegen, auch direkt neben dem Weg, weiß er. Das dauerhafte Surren der Bandanlage vom nahen Kohlemisch- und Stapelplatz mache den Vögeln nichts aus. Blaukehlchen etwa würden dadurch nur animiert, noch mehr zu singen. Neben dieser streng geschützten Art sind auch Heidelerche, Zilpzalp und rund ein Dutzend andere seltenen Vogelstimmen zu vernehmen - trotz des Tagebaugeräuschpegels.

Ein Kranich hat die Gruppe bemerkt, fliegt trotz mehrere hundert Meter Entfernung von seinem Nest auf und zieht seine Kreise. Zwei Paare seien am 12. März gekommen, erzählt Krug. Bei einem Auto sei die Fluchtdistanz der Tiere wesentlich geringer, erzählt er.

Die Abwesenheit des Menschen und die Abgeschiedenheit ermögliche letztlich das Naturrefugium an den Gewässern des Tagebaus, weiß Krug. Er muss es wissen. Mindestens dreimal pro Woche besucht er mit seinem Allrad-Dacia die Liegendwasserhaltung, schaut auch nach Svenja. Die Singschwan-Dame hatte er mit verschnittenen Flügeln im Vorjahr eigens für ein einsames Männchen der selben Art beschafft, das in Peres lebte und den er Nils nannte. Zur Schwanenhochzeit kam es dennoch nicht. "Nils ist weg, irgendwo", meint Krug. Aber jedes Jahr überwinterten Singschwäne in den Tagebauen, hofft er auf ein neues Glück für Svenja. Da Krug sie füttert, ist die ansonsten wilde Dame handzahm. Die achtjährige Elisa-Marie aus Zwenkau darf ihr Brot geben. "Du musst es ganz fest halten", sagt Krug. Svenja ernähre sich sonst von Pflanzen, sei es gewohnt, sich ihr Fressen zu zupfen.

Krugs Lebensgefährtin Annett Bellmann präsentiert der Gruppe derweil ein Nest, an dem alle vorbeigegangen sind. Mitten im Geäst eines Baumes hängt unscheinbar wie etwas Schilfgras der Rest eines Beutelmeisen-Nestes. "Früher wurden diese Dinger den Kindern als Socken übergestülpt", meint Bellmann und zeigt den feinen Filz mit dem schlauchartigen Eingang. Am Himmel kreist derweil eine Rohrweihe über den Besuchern. Diese Tiere seien selten geworden, benötigten für ihr Nest alte Schilfbestände, erklärt Krug.

Silberreiher, Löffel-, Knäk- und Pfeifenten, Rotbauchunken, Wechselkröten, Frösche - der Tagebau steckt voller geschützter Arten. Die Tiere fühlten sich wohl hier, erzählt Angelika Diesener von der Mibrag, die in den Tagebauen Kohle abbaut. Die Firma betreibe das Naturschaufenster seit 2007, kooperiere mit der Ökostation Borna-Birkenhain. Umweltschutz und Wirtschaftsinteressen - "wir haben gemerkt, dass unsere Zusammenarbeit sich gelohnt hat", meint sie. Fast die Hälfte der Exkursionsteilnehmer sind denn auch junge "Mibragianer", die die Chance für die Natur kennen lernen sollen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.04.2013

Jörg ter Vehn

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