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Tagebausanierer wartet noch auf Baurecht

Harthkanal Tagebausanierer wartet noch auf Baurecht

Der Harthkanal wird wahrscheinlich erst 2023 in Betrieb gehen. Das erklärte Bernd-Stephan Tienz, ehemaliger Planungsleiter beim Tagebausanierer LMBV, am Mittwochabend im Weißen Haus. Der Erdgeschichtsverein hatte zum monatlichen Vortrag geladen und mit dem Thema Harthkanal einen Volltreffer gelandet.

Die Baustelle ruht: Das Areal des künftigen Harthkanals zwischen Cospudener (oben) und Zwenkauer See.

Quelle: LMBV/Peter Radke

Markkleeberg/Zwenkau. Der Harthkanal wird wahrscheinlich erst 2023 in Betrieb gehen. Das erklärte Bernd-Stephan Tienz, ehemaliger Planungsleiter beim Tagebausanierer LMBV, am Mittwochabend im Weißen Haus. Der Erdgeschichtsverein hatte zum monatlichen Vortrag geladen und mit dem Thema Harthkanal einen Volltreffer gelandet.

Um die 800 Meter lange, schiffbare Verbindung zwischen Cospudener und Zwenkauer See war es in den vergangenen Monaten still geworden. Kein Wunder: „Die Baustelle ruht – ganz bewusst“, betonte Tienz. Nach der Baugrundverdichtung mit 13 500 Rüttelstopfsäulen, die zusammen beachtliche 283 Kilometer ergeben, waren im vergangenen Jahr noch Sandberge im Bereich der künftigen Schleuse am Cospudener See und des Hochwassertores am Zwenkauer See aufgeschüttet worden. Auch diese sollen den 60 Meter hohen Kippenboden stabilisieren, spätere Setzungen minimieren. Jetzt brauche der Boden Zeit, so Tienz.

Der erfahrene Fachmann, der 2012 in Rente gegangen war, berichtete im voll besetzten Parksalon von der ersten Idee einer Seenplatte im Jahr 1954. Mit dem Buch „Landschaft vom Reißbrett“, herausgegeben vom Büro für Territorialplanung, habe diese 1977 langsam Formen angenommen. „Die skizzierten Seen hatten schon Ähnlichkeit mit unserem Neuseenland“, so Tienz. Übrigens: Wo die Neue Harth heute nasse Füße hat, sei damals ein flacher Harthsee geplant gewesen – „nicht ohne Grund“.

Nach der Wende wurde aus der Idee mit der Einstellung der Tagebaue Cospuden (1992) und Zwenkau (1999) ein konkreter Plan. Der erste, etliche sollten folgen, bis 2011 der Harthkanal als kurze, touristisch und als Ablauf für den Hochwasserspeicher Zwenkauer See nutzbare Gewässerverbindung geboren wurde. „Das große Problem war lange die Innenkippe im Zwenkauer See. Damit die sehr gute Wasserqualität im Cospudener See nicht leidet, mussten wir was gegen die Versauerung tun“ , sagte Tienz. Tausende Tonnen Branntkalk wurden in den Zwenkauer See ein-, der ph-Wert so über mehrere Jahre auf über 6 gebracht.

Dass die Harthkanal-Baustelle jetzt ruhen muss, behindere den Bauablauf keineswegs. „Es gibt ja noch keinen Plangenehmigungsbeschluss, also kein Baurecht“, machte Tienz deutlich. Die LMBV rechne bis Ende dieses Jahres damit. Wie die anwesende Unternehmenssprecherin Claudia Hermann bestätigte, sei angesichts des Vorhabenumfangs von Anfang an mit anderthalb Jahren Bearbeitungszeit kalkuliert worden. Eingereicht wurden die Unterlagen bei der Landesdirektion im Juni 2016.

Sobald die grünes Licht gegeben hat, könne die Ausführungsplanung erfolgen – voraussichtlich bis Ende 2018, danach die europaweite Ausschreibung der Bauleistungen durch das Bundesunternehmen LMBV. „Als reine Bauzeit einschließlich Probebetrieb sind circa 39 Monate angesetzt“, erklärte Tienz. Allerdings nur, wenn die Ausschreibungen unstrittig seien und es während des Baus nicht noch zu rechtlichen Auseinandersetzungen komme. „Ich hätte es mir selbst gewünscht, dass das alles schneller geht“, gestand Tienz. Aber die in Deutschland immer länger werdenden Planungs- und Ausschreibungsverfahren machten dies unmöglich. „Zu DDR-Zeiten ging man noch von 50 bis 70 Jahren vom Tagebauende bis zum gefluteten See aus. Also, wir sind schon deutlich schneller“, so Tienz.

Die Landesdirektion wollte sich gestern auf LVZ-Anfrage nicht konkret äußern. Beim Plangenehmigungsverfahren zum Harthkanal handele es sich um ein laufendes Verfahren. Gegenwärtig könnten weder Aussagen zum Inhalt noch zum Zeitpunkt einer möglichen Entscheidung getroffen werden. „Sofern für die laufenden Prüfungen noch ergänzende Unterlagen erforderlich werden sollten, wird die Landesdirektion dies dem Antragsteller mitteilen“, so der stellvertretende Sprecher Ingolf Ulrich.

Von Ulrike Witt

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