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Markkleeberg Tellschützer Kirche bis auf die Grundmauern ausgebrannt
Region Markkleeberg Tellschützer Kirche bis auf die Grundmauern ausgebrannt
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14:09 19.05.2015
Trauriger Anblick: Von der Tellschützer Kirche stehen nach dem verheerenden Feuer nur noch die Grundmauern. Quelle: André Kempner

Noch größer ist der immaterielle, auch wenn niemand verletzt wurde. Die Brandursache ist bislang unbekannt: Von einem technischen Defekt bis Brandstiftung sei alles möglich, hieß es.

Familie Pfeifer hatte um 3 Uhr bemerkt, dass aus dem Glockenturm Flammen schlugen und die Feuerwehr alarmiert. "Als wir sieben Minuten später eingetroffen sind, brannte auch schon ein Teil des Kirchenschiffs", berichtete am Samstagmorgen Stadtwehrleiter Bernd Colditz. Kurz danach erlebten die Kameraden einen Flashover, binnen Sekunden brannte das ganze Gotteshaus.

"Das Sturmtief hat das Feuer angefacht. Wir hatten mit enormem Funkenflug zu kämpfen, der die benachbarten Häuser bedrohte. Unsere wichtigste Aufgabe war, ein Übergreifen zu verhindern und das ist uns gelungen", erklärte Colditz. Allein die Freiwillige Feuerwehr Zwenkau und die Ortswehren Löbschütz, Rüssen, Zitzschen und Großdalzig waren mit 65 Mann vor Ort. Unterstützt wurden sie von den Wehren aus Böhlen, Markranstädt, Pegau und Groitzsch. Insgesamt waren in der Nacht 15 Löschfahrzeuge im Einsatz.

"Viele Tellschützer haben heute Tränen in den Augen. Man kann das Unglück nicht fassen", sagte Pfarrerin Barbara Hüneburg, die die evangelisch-lutherische Gemeinde seit 1988 betreut. Immerhin fast die Hälfte der 124 Tellschützer gehört der Kirche an. "Das war unser Schmuckstück", sagte Harald Pfeifer, der sich seit Jahrzehnten um das Gotteshaus kümmert. Seine Frau hatte das Feuer als erste entdeckt. "Wir müssen unseren Küchentisch rumdrehen. Ich habe immer aus dem Fenster auf die Kirche geschaut. Jetzt die Ruine zu sehen, tut weh", sagte der 75-Jährige. "Ich bin zwar nicht in der Kirche, aber sie gehört zu unserem Dorf", sagte Kathrin Uhlig, die, wie alle Tellschützer, die halbe Nacht auf den Beinen war. Auch Bürgermeister Holger Schulz zeigte sich erschüttert: "Das ist ein Drama, wir werden die Tellschützer nicht allein lassen."

In die Trauer mischte sich Zorn. "Erst haben wir zu viel Wasser, und wenn wir es brauchen, zu wenig", schimpfte Martina Richter. Wie berichtet, kämpft Tellschütz seit Jahren mit steigendem Grundwasser. Anfang 2011 stand nach der Schneeschmelze das halbe Dorf unter Wasser, weil die damals noch maroden Gräben das Nass nicht aufnehmen konnten. In der Brandnacht musste die Feuerwehr Wasser vom Mühlgraben und einem Hydranten in Großdalzig heranpumpen - beide 600 Meter entfernt.

"Wir hatten genug Wasser. Die Bedingungen durch den Sturm waren einfach extrem", sagte Thomas Kröter, Ortswehrleiter von Zwenkau. Alexander Hecking, stellvertretender Kreisbrandmeister, meinte: "Das sind Spekulationen. Fakt ist, die Kameraden haben alles in ihrer Macht stehende getan." Ins Reich der Spekulationen verwies er auch, dass es sich um Brandstiftung handele. "Das herauszufinden., ist die Aufgabe der Polizei und der Brandursachenermittler."

Ob die Dorfkirche, deren ältester Teil, der 1361 errichtete Turm war, und die nicht zuletzt wegen der drei Bronzeglocken aus dem 15. Jahrhundert, ihrer Original erhaltenen Rokoko-Ausmalung und der Urban-Kreutzbach-Orgel von 1847 als besonders wertvoll galt, wieder aufgebaut wird, war Samstagmittag noch offen. "Das ist zu früh, der Schock sitzt zu tief. Und die Kirche war ja erst saniert worden", erinnerte die Pfarrerin.

Ausgerechnet dieses Jahr wollte die Gemeinde groß feiern. "Das Kirchenschiff wurde vor genau 350 Jahren geweiht, nach dem es schon einmal niedergebrannt und wiederaufgebaut worden war", so Hüneburg. Samstagabend war sich die Gemeinde nach einer Andacht dann einig: "Wir werden unsere Kirche wiederaufbauen. Gemeinsam schaffen wir das." Jetzt hofft Tellschütz auf die Unterstützung der ganzen Region.

Spendenkonto: Volksbank Leipzig, IBAN: DE36860956040008462690, Kennwort: "Wiederaufbau der Tellschützer Kirche"

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.01.2015
Ulrike Witt

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