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Tellschützer packen gemeinsam an

Tellschützer packen gemeinsam an

Tellschütz ist mit 126 Einwohnern der zweitkleinste Zwenkauer Ortsteil, die evangelische Kirchgemeinde Tellschütz mit 55 Gliedern die kleinste im Kirchenbezirk Leipzig.

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Auch so sieht Landleben aus: Egbert Burggold, René Fiedler, Andreas Zimmermann (von rechts) und weitere fleißige Helfer streichen den Zaun um ihre Kirche

Quelle: André Kempner

Zwenkau. Wenn es darum geht, gemeinsam anzupacken, sind die Tellschützer allerdings ganz groß. Das haben sie am Samstag bewiesen. Statt baden zu gehen oder faul im Garten zu liegen, trafen sie sich bei 30 Grad zum Arbeitseinsatz an der Kirche.

"142 Quadratmeter Zaun abbauen, schleifen und streichen, das ist ein ordentliches Stück Arbeit. Als kleine Gemeinde haben wir nicht das Geld, um eine Firma beauftragen zu können. Das meiste wird bei uns ehrenamtlich gemacht", erklärte Egbert Burggold vom Kirchenvorstand. Harald Pfeifer, der jahrzehntelang den "Hausmeisterposten" inne hatte, müsse mit seinen 75 Jahren kürzer treten. "Jetzt sind eben wir Jüngeren in der Verantwortung", meinte René Fiedler. Er freue sich besonders, dass nicht nur Gemeindeglieder helfen. Burggold sieht die Sache pragmatisch: "Der Zaun um Kirche und Friedhof geht ja auch alle an. Früher oder später kommen alle Tellschützer mal hierher."

Problematisch war es, einen geeigneten Termin zu finden. "Etliche sind im Urlaub, außerdem beginnt die Erntezeit. Viele haben Höfe, bei uns ist der Lebensrhythmus noch ein anderer", betonte Burggold. Indes die Kirche sei wichtig für den Zusammenhalt im Dorf, denn viel gibt es nicht in Tellschütz: kein Geschäft, keine Kneipe, keine Kita, keine Schule, noch nicht einmal einen Spielplatz. "Dafür haben wir Ruhe, Natur und gute Nachbarschaft", so Burggold, der in Tellschütz aufgewachsen ist. Und von Ostern bis zum zweiten Advent alle zwei Wochen Gottesdienst. Den halte meist Pfarrerin Barbara Hüneburg, die für die Schwesterkirchgemeinden Zwenkau, Großdalzig, Tellschütz und Wiederau zuständig ist.

"Hausmeister" Harald Pfeifer beobachtete den Arbeitseinsatz von seinem Haus gegenüber. Hitze verträgt der Senior eigentlich nicht, nicht mit anpacken zu können, noch weniger. "Ich war über 50 Jahre im Kirchenvorstand, habe die Sanierung Mitte der Neunziger mitgemacht, 2000 den neuen Zaun mitgebaut, vor acht Jahren die Rekonstruktion des Glockenstuhls, die Überholung der Bronzeglocken und die Umstellung auf elektrischen Betrieb miterlebt", erzählte er stolz beim Rundgang durch das um 1520 erbaute Gotteshaus, übrigens eines der ältesten in der Region.

Aber auch in Tellschütz scheint nicht immer die Sonne. Zwar habe die Stadt Zwenkau 2012 das Graben-Teich-System modernisiert, das Abwasserproblem sei aber noch immer nicht gelöst. "Es ist noch einiges zu tun bei uns", sagte Burggold. Und nicht alles lasse sich ehrenamtlich stemmen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.08.2014
Ulrike Witt

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