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Tierschützer bitten um Verzicht auf lebende Geschenke

Tierschützer bitten um Verzicht auf lebende Geschenke

Alle Jahre wieder ein Bild des Jammers: Kaum fallen die ersten Nadeln von der Tanne, werden lebende Geschenke aussortiert. Die Folge: Hund, Katze oder Maus kommen bestenfalls ins Tierheim.

Oelzschau. Im schlimmsten Falle aber werden sie ausgesetzt.

„Wir Tierschützer bitten jedes Jahr aus Neue: Keine Tiere als Überraschungsgeschenk unter den Weihnachtsbaum packen“, sagt Elvira Henkel, 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins Leipziger Land, der das für die Region zuständige Heim in Oelzschau betreibt. „Das gilt nicht nur als Geschenk für die Kinder.“ Nein, denn in diesen Zeiten der Egomanen und zerbröselnden Familien werden oft auch verwaiste Eltern mit einen niedlichen Vierbeiner beschenkt. Das aber sollte gut bedacht und von allen unterm heimischen Dach gewünscht werden. Denn die Verantwortung hält ein ganzes Tierleben an. Und das dauert bei Bello schon mal 15 Jahre, bei Miezen sogar 20. „Man muss in dieser Zeit nicht nur viel Liebe und Zeit aufbringen, sondern auch Geld“, appelliert Henkel an die Vernunft. Insofern sollte die Verantwortung fürs Tier nicht allein dem Kind übertragen werden. Vielmehr kann mit dem Schenken von Fachliteratur und Ausstattung wie Körbchen oder Leine zunächst die Dauer- und Ernsthaftigkeit des Wunsches getestet werden. Auch eine Patenschaft mit einem Tier im Heim passt unter die Tanne. „Oder werden Sie Gassigänger im Tierheim“, schlägt die Vereinschefin vor. Denn wenn das Kind bereits beschenkt ist, aber die Lust am Familienzuwachs verliert, sind die Eltern in der Pflicht. „Nicht selten fristet so ein Geschenk dann jahrelang ein ödes, langweiliges und freudloses Leben“, spricht Henkel aus Erfahrung. „Wenn diese Tiere Glück haben, landen sie bei uns. Die Pechvögel werden einfach ausgesetzt.“ Bislang wurden in Oelzschau dank Rund-um-die-Uhr-Notdienst über 400 Tiere jährlich aufgenommen. 2009 sind bereits 430 zusammengekommen. Entsprechende Verträge regeln die Dienstleistung unter anderem mit Markkleeberg, Zwenkau und Großpösna. Vor allem Stubentiger wachsen sich neuerdings zum Problem aus und bringen selbst das in diesem Jahr neu ausgebaute Katzenhaus an seine Kapazitätsgrenze von 45 Exemplaren. „Leider wird das Elend mit jedem Jahr größer, obwohl die Tierschutzvereine ganz viele Katzen kastrieren lassen“, so Henkel weiter. „So viele wie in diesem Jahr mussten wir noch nie aufnehmen.“ Ein besonders fellsträubender Fall wurde jetzt aus dem Großpösnaer Ortsteil Störmthal gemeldet: Dort zog das Ordnungsamt dieser Tage allein aus einem Haushalt elf Katzen auf einmal ein. Allerdings sei das Muttertier mit weiterem Nachwuchs noch auf der Flucht. „Dies kommt dem neuen Krankheitsbild des ,Animal Hording’ nahe“, erklärt die Vereinschefin. Von dieser psychischen Störung betroffene Personen horten Tiere in Größenordnungen. „Oft ist der Halter dann nicht mehr dazu in der Lage, Hunde oder Katzen ordnungsgemäß tierärztlich behandeln zu lassen, so dass sie mit Zecken, Flöhen, Würmern und Milben befallen sind.“ In der Folge müsse die Lieblinge im Heim behandelt werden. „Im letzten Jahr sind die Tierarztkosten um ein Drittel gestiegen“, bedauert Henkel. Denn das wiederum verschärft die wirtschaftliche Lage der Einrichtung. Was von den Kommunen kommt, deckt nur ein Fünftel der Kosten. Der Rest sind Spenden. Wer eins der kurierten Fellknäuel aufnehmen möchte: An hübschen Kerlen und Damen in allen möglichen Farben herrscht kein Mangel. Aber nicht zum Fest verschenken.

Kontakt: 034347 81633. Das Tierheim Oelzschau ist täglich von 9 bis 18 Uhr besetzt, Öffnungszeiten: 13 bis 18 Uhr.

Ingolf Rosendahl

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Von Redakteur Ingolf Rosendahl

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