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Markkleeberg „Tour de Piano“ im Weißen Haus
Region Markkleeberg „Tour de Piano“ im Weißen Haus
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00:21 07.07.2018
Die Koreanerin Subin Choi spielt mit vier weiteren Pianisten bei mediterranen Temperaturen zur Sommerserenade im Weißen Haus auf. Quelle: Foto: Andre Kempner
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Markkleeberg

Es geht nicht nur um Kommunikationstransfers im Konzert „Alla tedesca“ – „Gut deutsch!“, selbst wenn die Briefchristel, wie zu hören im „Vogelhändler“, es bei „der Post nicht so schnell“ gehen lässt und mit ihrem Adam aus Tirol dafür lieber auf dumme Gedanken kommt. Die kulturellen Bewegungen zwischen Habsburg und Hohenzollern waren schon immer im Fluss und reichen diesmal von Berlin, wo ein gewisser Fred Raymond einer „Juliska aus Budapest“ huldigt, bis zum gebürtigen Bonner Beethoven, der in Wien die „unbekannte Geliebte“ besingt.

Ein Höhepunkt der „Herfurthschen Hausmusiken“ war am Sonntag die nachmittägliche „Sommerserenade“ im Weißen Haus. Der besondere Reiz: Die auf den ersten Blick verwegene Mischung aus hoher und vermeintlich nicht ganz so hoher klassischer Musik trägt die großbürgerliche Salon- und Konzertkultur ins Heute.

Die „Tour de Piano“ des sechsten Konzerts wird diesmal genauso zur „Tour de Voix“, also der Stimmen: Melanie Eggert unternimmt eine frech-herzliche Soubretten-Promenade einer „Unschuld vom Lande“ zum „Herrn Marquis“ und der Bariton René Mangliers findet in Robert Schumanns Liederkreis op. 24 nach Heinrich Heine zu bewegenden Jünglingstönen.

Zwei Sänger, fünf Pianisten: Bei Alexander Meinel, wenn seine Finger mit den Tasten in Alfred Grünfelds „Fledermaus“-Transkription zu verwachsen scheinen, springt skurrile Verrücktheit aus dem Dreiertakt und wird durch Meinel nahezu teuflisch entfesselt. Ein anderer Höhepunkt ist die so gut wie unbekannte Fassung von Felix Mendelssohn Bartholdys Konzertouvertüre „Die Hebriden“ nicht für die 120 bis 180 Hände eines Orchesters, sondern für nur vier Hände auf einer Tastatur. Gudrun Franke und Franziska Franke-Kern versuchen nicht, mit sinfonischer Fülle den Salon zu fluten, und legen dafür die sonst von der Instrumentation überlagerten Strukturen dieses hochromantischen Naturpoems frei. Das schafft Aha-Effekte und ist für kundige Hörer eine echte Entdeckung, die leider den fast ebenso selten zu hörenden drei Klavierstücken Fanny Hensels etwas ihren kleinen Sensationseffekt entziehen.

Der enge Kontakt der „Herfurthschen Hausmusik“ zur Neuen Leipziger Chopin-Gesellschaft hat nur Vorteile, wenn für Beethovens „Kuckucksonate“ mit ihrem einleitenden „Alla tedesca“-Presto und für Schumann Pianisten wie die Koreanerin Subin Choi und Hans-Christoph Zuckerriedel zur Verfügung stehen. Doch so ganz erhellt sich der Titel „Alla tedesca“ dann doch nicht.

Das liegt nicht nur an den mediterranen Temperaturen, die über dem Agra-Park herrschen, sondern auch daran, dass dieses sogenannte „Deutsche“ in den großbürgerlichen Salonkultur vor 1870 eine ähnliche Kopfgeburt war, wie Italien als Land der ewig blühenden Zitronen. Darüber kann man in den beiden Konzertpausen ebenso gut räsonieren und einen Kult spinnen wie über den Unterschied von den hier vorzüglichen Mehlspeisen Donauwelle und Schwarzwälder Kirschtorte. Echte Salonkultur vereint eben (fast) alles: Buttercreme und Sahne, inniges Lied und plärriges Couplet, idyllische Sonatenklänge und berauschende Walzerketten.

Von Roland Dippel

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