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Tourismus im Südraum: Personalnot und fehlendes Fremdkapital

3. ÜberLand-Gespräch Tourismus im Südraum: Personalnot und fehlendes Fremdkapital

Einen Blick ins Jahr 2026 wagten Vertreter aus Politik und Wirtschaft am Montagabend auf Einladung von Landrat Henry Graichen (CDU) beim „ÜberLand-Gespräch“ im Freizeitpark Belantis. Thema der Runde, die von Manuela Krause moderiert wurde, war die Entwicklung des Tourismus im Südraum.

Haben die Zukunft des Leipziger Südraums im Blick: Henry Graichen, Volker Bremer, Frank Ortmann und Erwin Linnenbach (von links).

Quelle: André Kempner

Zwenkau/Leipzig. Einen Blick ins Jahr 2026 wagten Vertreter aus Politik und Wirtschaft am Montagabend auf Einladung von Landrat Henry Graichen (CDU) beim „ÜberLand-Gespräch“ im Freizeitpark Belantis. Thema der Runde, die von Manuela Krause moderiert wurde, war die Entwicklung des Tourismus im Südraum. Im Podium saßen neben Graichen Frank Ortmann, im sächsischen Wirtschaftsministerium für Tourismus zuständig, Volker Bremer, Geschäftsführer der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH, und Belantis-Chef Erwin Linnenbach.

„Ich bin sicher, dass 2026 der Gewässerverbund fertig sein wird, sämtliche Großinvestitionen an den Seen abgeschlossen sind und die Bruttowertschöpfung der Tourismuswirtschaft weit über den aktuellen 5,5 Prozent liegt“, sagte Graichen. IHK-Geschäftsführerin Rita Fleischer widersprach ihm: „Die Entwicklung einer touristischen Destination braucht Jahrzehnte und ist im Grunde nie abgeschlossen. Es ist noch eine Reihe an Investitionen nötig. Wir haben noch lange keine mittelständischen Strukturen.“

Mit welchen Schwierigkeiten selbst erfolgreiche Unternehmen zu kämpfen haben, machte Linnenbach deutlich. „Die 14. Belantis-Saison ist mit über 600 000 Besuchern die stärkste. Dafür haben wir in den letzten drei Jahren einiges getan – Investitionen wie die Familienachterbahn getätigt und statt 140 jetzt 193 Tage geöffnet. Doch dafür brauchen wir Personal und das zu bekommen, wird immer schwieriger. Der Mindestlohn und das Arbeitszeiterfassungsgesetz machen uns zu schaffen, aber auch, dass unsere Aushilfen nachts ohne eigene Buslinie nicht nach Hause kommen“, berichtete er.

Der Mindestlohn sei Fluch und Segen, bestätigte Bremer, aber eben nicht das einzige Problem für Tourismusbetriebe. „Fremdkapital zu akquirieren, ist über Banken kaum noch möglich. Wenn es einfach wäre, hätte Belantis schon Übernachtungskapazitäten gebaut.“ Bremer lobte Leipzig, dass die touristische Entwicklung im Umland jährlich mit 300 000 Euro unterstütze, und er empfahl den Betrieben, auf Qualität zu setzen: „Es gibt viele Tourismusregionen, wo das Preis-Leistungs-Verhältnis besser ist.“

„Eine gute Entwicklung“ bescheinigte Ortmann dem Leipziger Neuseenland. Sich an die große Marke Leipzig zu binden, sei die richtige Entscheidung gewesen. Geduld forderte er in Sachen Schiffbarkeit. „Wir brauchen eine gerichtssichere Erklärung“, betonte Ortmann. Er kündigte die Schiffbarkeit für den Zwenkauer See zum 31. Mai 2017 an, um dann sofort einen Rückzieher zu machen: „Man sollte aber auch über die Verlängerung der Mastergenehmigung nachdenken.“ Zudem dämpfte er die Hoffnungen für den Motorwassersport: „Dafür ist das Leipziger Neuseenland nicht geeignet.“

Einen Appell richtete die Geschäftsführerin des Kommunalen Forums Südraum Leipzig, Steffi Raatzsch, in die Region. „Es scheint so, als ob uns der Freistaat die Unterstützung für die Wasserschlange zwischen Markkleeberger See und Pleiße entzieht. Ohne die 1,4 Kilometer wird der Gewässerverbund aber nicht komplett sein. Wenn wir jetzt nicht den Sog der Bergbausanierung nutzen, fasst das Stück in zehn Jahren keiner mehr an“, mahnte sie. Graichen meinte, dass es mit der Leipziger Erklärung bereits ein klares Bekenntnis der Region gebe.

Nach gut zwei Stunden Diskussion wünschte sich Linnenbach für 2026 schmunzelnd „ein Champions-League-Finale im Stadion neben Belantis, über eine Million Besucher und freie Fahrt für alle Bootsarten auf den Seen“, Bremer „Übernachtungsmöglichkeiten in der Nachbarschaft des Freizeitparks“. Ortmanns Prognose toppte alles: „Die Region Leipzig wird Dresden überholt haben.“

Von Ulrike Witt

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