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Trotz Bedenken: Großpösna will „Am Hopfenberg“ bauen lassen

Empörte Bürger Trotz Bedenken: Großpösna will „Am Hopfenberg“ bauen lassen

„Frechheit“, „wir kochen hier alle“ – aufgebrachte Bürger begleiteten am Montagabend die Abstimmung im Gemeinderat von Großpösna über das neue Baugebiet „Am Hopfenberg“.

Das geplante Baugebiet Am Hopfenberg befindet sich in Großpösna, ist von fast allen Seiten von anderen Einfamilienhäusern umschlossen. Deren Besitzer sind nicht alle glücklich, dass nun das Feld bebaut werden soll.

Quelle: LVZ

Großpösna. „Frechheit“, „wir kochen hier alle“ – aufgebrachte Bürger begleiteten am Montagabend die Abstimmung im Gemeinderat von Großpösna über das neue Baugebiet „Am Hopfenberg“. Auf einem Acker mitten in Großpösna sollen dabei bis zu 88 Wohneinheiten überwiegend als Einfamilienhaus entstehen – ein seit rund 20 Jahren geplantes, aber immer wieder mangels Investor zurückgestelltes Bauvorhaben.

Wie berichtet, treibt die Gemeinde mit einem neuen Investor seit dem Vorjahr die Pläne wieder voran. Hintergrund: In Großpösna gibt es schon länger keinen freien Wohnraum mehr, auch keinen freien Bauplatz. Eine Studie errechnete laut Bürgermeisterin Gabriela Lantzsch (parteilos) im Zusammenhang mit dem neuen Baugebiet einen Bedarf von 200 bis 300 Wohneinheiten im Ort bis zum Jahr 2020. Nach dem Hopfenberg plant die Kommune daher weiteren Wohnraum zu schaffen.

Gegen das Baugebiet „Am Hopfenberg“ südlich der Fuchshainer Straße und westlich des Grenzweges hatte es laut Gemeinde insgesamt 33 Einwände privater Natur gegeben - 28 von ihnen sind Bürger, die in den letzten 15 Jahren selbst erst nach Großpösna gezogen waren. Wie Bauamtsleiter Detlef Richter erklärte, ließen sich die Einwände im Wesentlichen auf vier Schwerpunkte zusammenfassen:

– Es werde gar nicht im Innenbereich gebaut, das angewandte vereinfachte Bauverfahren sei falsch. Richter erwiderte, dass Rechtsgutachter dies anders sähen, der Landkreis als Aufsichtsbehörde dieses Verfahren auch vorgeschlagen habe.

– Großpösna habe gar nicht so viel Bedarf an Wohnraum. Seit 2011 trete Großpösna bei den Einwohnerzahlen auf der Stelle, hielt Richter entgegen. Viele junge Leute aus den Familien müssten abwandern, weil es für sie keinen Wohnraum gebe. Ebenso schwierig sei es bei angemessenem Wohnraum für Senioren.

– Für den Ausbau des Grenzweges müssten private Flächen eingezogen werden. Gemeindeanwalt Klaus Füßer erläuterte, dass zwar Teile privater Flurstücke für den Ausbau genutzt werden müssten, aber diese Flächen seien immer Straße, nie frei verfügbar gewesen. Das Sächsische Straßengesetz von 1993 habe geklärt, dass sie weiter genutzt werden dürfen. Die Besitzer hätten dann Anspruch auf Entschädigung.

– Die Anbindung an die Fuchshainer Straße genügt nicht dem zusätzlichen Verkehr. Richter hielt diesem Argument eine eigens erstellte - und von Anwohnern angezweifelte – Verkehrsprognose entgegen.

Lantzsch erklärte, auch die Probleme mit dem Oberflächenwasser seien geklärt. Der Erschließungsträger werde per Vertrag verpflichtet, ein Regenrückhaltebecken für das Gebiet zu bauen. Dieses leite das Wasser über einen geregelten Abfluss in den Königsgraben.

Es habe drei Diskussionen mit Anwohnern gegeben, so Lantzsch. Sie sei dankbar für Hinweise gewesen, vieles sei in die Planung eingeflossen. Danach seien etwa die zulässigen Bauhöhen im Gebiet minimiert, ein direkter Fußweg in den Ort eingeplant, über 50 öffentliche Stellplätze im Straßenraum geschaffen, die Priorität für den Ausbau der Fuchshainer Straße nach ganz oben gesetzt und der Bau eigener Parkplätze für die Kita an der Ecke Fuchshainer/Seifertshainer Straße noch in diesem Jahr geplant worden.

Auch einzelne Gemeinderäte hatten Fragen zum Verkehrsgutachten und Einwände gegen Formulierungen, baten um noch mehr Einbeziehung der Bürger. Lantzsch sagte das zu. Sie sei sich allerdings sicher, dass es auch dann noch Einwände gegeben hätte. Als Bürgermeisterin müsse sie aber das Wohl der ganzen Gemeinde im Blick haben.

Bei drei Gegenstimmen wurden die Bedenken gegen die Pläne abgewogen. Als nächstes müsse der Erschließungsvertrag im Gemeinderat beschlossen werden, so Lantzsch zum Prozedere. Dann erst könne der Bebauungsplan als Satzung beschlossen werden.

Von Jörg ter Vehn

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