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Trotz hundertausendfachem Besatz: Kaum Maränen in den neuen Tagebauseen

Zu wenig Nährstoffe Trotz hundertausendfachem Besatz: Kaum Maränen in den neuen Tagebauseen

Wie in den klaren Bergseen im Gebirge sollen in den neuen Tagebaugewässern Große und Kleinen Maränen leben udn sich vermehren. Seit Jahren werden die Fischarten gezielt eingesetzt. Die Ausbeute bleibt aber immer noch karg.

Berufsfischer Thomas Etzold (r.) und Fischereigutachter Uwe Peters fahren bei widrigen Wetterverhältnissen auf den Cospudener See zum Probefischen.

Quelle: Kempner

Markkleeberg/Leipzig. Glasklar ist das Wasser des Cospudener Sees. Die hervorragende Badewasserqualität wird dem See Jahr für Jahr bescheinigt. Doch was für die Schwimmer eine Freude ist, vermiest den Anglern und Fischern die Aussichten auf eine stabile Fischpopulation und größere Erträge.

Bei Schneefall, leichtem Nebel und ein Grad Temperatur zogen Fischer Thomas Etzold und Fischereigutachter Uwe Peters Dienstagfrüh zu einem weiteren Probefischen los. Tags zuvor hatte Etzold 500 Meter Stellnetze ausgebracht. „In fünf und in zehn Metern Tiefe“, erklärte er. Die Netze gingen dann noch mal zehn Meter tiefer. Dort ziehen normalerweise die Schwärme der Großen und Kleinen Maränen auf ihrer Futtersuche durch den See. Wenn es sie denn gibt.

Das Ergebnis der nasskalten Fischerei nach knapp zwei Stunden war mehr als ernüchternd. „Elf Kleine Maränen, ein Hecht, ein Barsch und ein Blei“, zählte Etzold auf. „Wenn man als Fischer hier davon leben müsste, würde man verhungern.“ Im Frühjahr sei das Ergebnis bei einem Probefischen im Cospudener See nicht viel besser gewesen: „21 Kleine Maränen, eine Große“, so Etzold.

Dabei hatten die Experten im Vorfeld große Stücke auf die Maränen gehalten, den Fischern durchaus Hoffnungen auf stabile Erträge gemacht. Die Lachsfische – Große Maränen werden auch Renken oder Felche genannt - kommen auch in den nährstoffarmen klaren Bergseen der Alpen oder im skandinavischen Raum vor, gelten als Delikatesse. Die Maränen wurden von den Aufsichtsbehörden zur künftigen Hauptfischart der neuen Tagebauseen erklärt. Hundertausende davon hatte eine eigens gegründete Gemeinschaft der Angler und Fischer Jahr für Jahr in die neuen Seen eingesetzt, um damit auch die natürliche Reproduktion in Gang zu bringen. Die funktioniert inzwischen – aber mit mäßigem Erfolg.

„Das Wasser ist sehr klar. Das ist so gewollt. Aber es sind kaum Nährstoffe drin“, erklärte Fischereigutachter Peters die Ergebnisse. „Bis zu einer effektiven fischereilichen Nutzung vergehen hier bestimmt noch hundert Jahre“, schätzte er. Der Cospudener See ist 440 Hektar groß, die tiefste Stelle liegt bei 54 Metern. Das ergibt rund 109 Millionen Kubikmeter Wasser. Viel Platz für Fische.

Die Erträge in den anderen Tagebauseen rund um Leipzig seien kaum besser, meinte Etzold. Matthias Kopp vom Anglerverband Leipzig bestätigte das. Insgesamt gingen die Fänge sogar leicht zurück. So schrumpften am „Cossi“ die Erträge von 0,9 Kilo je Hektar auf 0,7. Zum Vergleich: In Biokarpfenteichen gelten 400 Kilogramm je Hektar und Jahr als normal. Trotzdem bleibe der Verband bei seiner Linie mit den Maränen: „Die Geduld haben wir“, so Kopp. Auch Peters empfiehlt, dass die Leitbild konforme fischereiliche Entwicklung der Tagebauseen fortgestezt wird.

Lediglich in Deutzen sei der Ertrag insgesamt besser, weiß Etzold. Dort liegt sein Betrieb, wird im Speicherbecken auch mit Netzgehegen gearbeitet, in denen die Fische gezielt zugefüttert werden können. Auch nach Hochwassern sei die Nahrungssituation für die Fische dort immer erstmal gut, meinte Etzold.

In der nächsten Woche wollen er und Peters ihr Probefischen am Störmthaler See fortsetzen. Viel Hoffnung haben sie nicht. „Im Frühjahr war dort nur eine Maräne im Netz“, so Etzold.

Von Jörg ter Vehn

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