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Turmstube der Martin-Luther-Kirche entpuppt sich als Schatzkammer

Tag des offenen Denkmals Turmstube der Martin-Luther-Kirche entpuppt sich als Schatzkammer

„Gemeinsam Denkmale erhalten“ lautete am Sonntag das Motto in der Martin-Luther-Kirche in Markkleeberg-West. Nicht Pfarrer Arndt Haubold, sondern Küster Ekkehard Wagenlehner, Uhrmacher Frank Strohmann und seine Frau Beate, die gute Seele des Pfarramtes, führten die Besucher am Denkmalstag durch das barocke Gotteshaus.

Mobile Schätze: Zu Rundfahrten hatte am Sonntag der Oldtimerverein Markranstädt geladen. Gemütlich rollte Wilfried Hohnstädter mit dem D 8 vom Hof.

Quelle: Armin Kühne

Markkleeberg/Markranstädt. „Gemeinsam Denkmale erhalten“ lautete am Sonntag das Motto in der Martin-Luther-Kirche in Markkleeberg-West. Nicht Pfarrer Arndt Haubold, sondern Küster Ekkehard Wagenlehner, Uhrmacher Frank Strohmann und seine Frau Beate, die gute Seele des Pfarramtes, führten die Besucher am Tag des offenen Denkmals durch das 1717 von Landbaumeister David Schatz errichtete barocke Gotteshaus und lüfteten die Geheimnisse von Turmstube, Uhrwerk und Glockenstuhl. Höhepunkt war die erstmalige Öffnung einer Schatzkammer.

„Jahrzehntelang war der Turmaufgang durch die Orgelpfeifen verbaut, die Turmstube zwar vorhanden, aber praktisch nicht zugänglich“, erklärte Wagenlehner den rund 50 Teilnehmern. Das änderte sich erst 2013 mit dem Abriss der alten, aus mehreren Instrumenten zusammengesetzten Orgel und der Weihe der neuen Fischer-und-Krämer-Orgel vor fast zwei Jahren. Inzwischen hat der Küster die Turmstube entrümpelt und ist neben „Unmengen an Dreck“ auf Erstaunliches gestoßen.

„Ich habe ein ganz altes Orgelprospekt gefunden, eine Gasleuchte, sogar Decken für den Steinaltar aus der Vorgängerkirche“, erzählte er. Außerdem entdeckte er beim Großreinemachen unterm Kirchturm die Original-Abgussplatte für das Kriegerdenkmal an der früheren Endstelle der Straßenbahnlinie 9. „Die Bronzeplatten sind schon vor Jahren gestohlen worden“, sagte Wagenlehner. Aufgetaucht seien auch Glockenscherben und Stuckteile der Zöbigker Dorfkirche. Die war 1942 durch einen technischen Defekt an der Orgel ausgebrannt.

Wegschmeißen konnte der Küster die „Schätzchen“ nicht und richtete kurzerhand in der Turmstube ein kleines Museum ein. „Das wäre doch schade gewesen. Jedes einzelne Teil ist ein Stück Geschichte unserer Kirche und unserer Gemeinde. Immerhin feiern wir nächstes Jahr 300 Jahre Martin-Luther-Kirche“, meinte Beate Strohmann.

Einmalig war für viele Besucher auch der Blick ins Turmuhrwerk: technisch interessant vor allem der 1740 von einem Franzosen entwickelte, wie Frank Strohmann betonte, eigentlich sehr genaue und robuste Stiftengang. „So etwas bekommt man wirklich nicht alle Tage zu sehen. Auch wenn unser Uhrwerk derzeit leider ein bisschen lädiert ist“, räumte der gelernte Uhrmacher ein, der Vorsitzender des Gemeindeausschusses und Lektor ist. Der Stundenschlag sei defekt, ein Zifferblatt fehle. Bis zum großen Kirchenjubiläum im Herbst 2017 soll beides repariert werden.

„Wann bekommt die Martin-Luther-Kirche wieder ihre Turmbekrönung?“, wollte ein älterer Mann wissen. Die Wetterfahne hatte Orkan Niklas vor anderthalb Jahren schwer beschädigt. Beim Sichern durch Alpinkletterer Ende Juni stellte sich dann noch heraus, dass auch die Kugel und die Turmspitze in Mitleidenschaft gezogen worden sind (die LVZ berichtete). „Voraussichtlich im Oktober wird alles wieder neu und komplett sein“, verriet Wagenlehner und verwies auf die Spendenbox im Foyer.

In Markranstädt konnten am Sonntag mobile Schätze bestaunt werden. Der Oldtimerverein hatte zum Tag des offenen Denkmals seine Mafs aus der Garage in der Ziegelstraße geholt und lud zu Rundfahrten ein. Mit gut 30 Stundenkilometern chauffierte Vereinsvorsitzender Wilfried Hohnstädter Neugierige mit einem D 8, Baujahr 1914, durch die Stadt. „Wir wollen gesehen werden und keine Rennen fahren“, sagte er lachend. Noch gemütlicher ging es mit dem F 5, Baujahr 1911, und dem D 2, Baujahr 1909. Mit zwölf beziehungsweise zehn PS waren die Original Markranstädter Automobile ein Erlebnis für alle Generationen. „Männer und Kinder sind sowieso begeistert, aber selbst Frauen lassen sich so etwas nicht entgehen“, meinte der Chef.

Von Ulrike Witt

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