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Markkleeberg Übel riechende Brühe aus Floßgraben strömt in den Waldsee Lauer
Region Markkleeberg Übel riechende Brühe aus Floßgraben strömt in den Waldsee Lauer
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09:52 12.07.2017
Diese Brühe aus dem Floßgraben strömte über den gemeinsamen Ablauf in die tiefer gelegene Lauer zwischen Markkleeberg und Leipzig.  Quelle: Jörg ter Vehn
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Markkleeberg/Leipzig

 Der Geruch ist eindeutig: Bei dem Starkregen am Montagnachmittag ist fäkalienhaltiges Mischwasser aus Markkleeberg-West über den Floßgraben in den Waldsee Lauer geströmt. Den Kommunalen Wasserwerken ist die Gefahr seit Jahren bekannt. Gehandelt wurde bislang nicht.

Besucher des idyllischen Gewässers, das in Markkleeberg abwechselnd gern auch „die Lauer“ oder „Wolfssee“ genannt wird, rümpften noch gestern Vormittag die Nase. Es stinkt. Und das nicht zum ersten Mal, wie Lutz Heller regelmäßig nach einem Starkregen feststellt. Auch „Feststoffe“ und „Toilettenartikel“ will er am Montagnachmittag wieder in der Brühe gesehen haben, die vom Floßgraben in die Lauer zurückdrückte. Problem für ihn: In der Lauer werde im Sommer gern gebadet, erzählt er. Und: Die Lauer habe auch eine Verbindung zum Cospudener See.

Grund für das Dilemma ist die Mischwasserentsorgung von Markkleeberg-West. Damit die Kanäle im Starkregenfall nicht überlaufen und die Gullydeckel hochdrücken, gibt es Überläufe ins Gewässernetz, hier den Floßgraben. Zwei davon kann Katja Gläss von den Kommunalen Wasserwerken Leipzig auflisten: Einer im Ziegeleiweg diene nur fürs Regenwasser, ein weiterer im Bereich der Kirschallee führe „stark verdünntes Mischwasser“ ab, wie sie erklärt.

„Wie und wohin das Mischwasser von den beiden beschriebenen Einleitstellen läuft, das können wir nicht beeinflussen“, meint sie weiter. Dass der Floßgraben Richtung Leipzig fließt, ebenso der Wolfsee dorthin ableitet und sich beide Abläufe kurz hinter der Brückenstraße vereinen, wissen die Wasserwerker aber schon. Am Montagnachmittag war der Wasserstand im Graben so hoch, dass es schlicht hineinströmte in den tiefer gelegen Waldsee Lauer. Die LVZ beobachtete und filmte von einer Brücke am Auslass des Sees gut eine Stunde nach dem Starkregen am Nachmittag, wie ein steter, übelriechender Strom aus Richtung Leipzig ins Gewässer drückte.

Wasserwerke sind skeptisch

Die Wasserwerke glauben das eher nicht. „Ihre Schilderungen würden bedeuten, dass abgeschlagenes Mischwasser von der Kirschallee im Floßgraben rund 700 Meter geflossen und vom vereinigten Floßgraben wieder 90 Meter entgegen der Fließrichtung in den Wolfssee zurückgeflossen sein muss“, staunte Sprecherin Gläss am Dienstagnachmittag. „Ob diese Möglichkeit hydraulisch überhaupt besteht, muss durch die Verantwortlichen für dieses Gewässer, also die zuständige Wasserbehörde, geprüft und gegebenenfalls durch sie Gegenmaßnahmen eingeleitet werden“, erklärte sie. Augenzeugen zählen da nicht.

Vor knapp sieben Jahren, am 28. September 2010, hatte die LVZ schon einmal über die unhaltbaren Zustände geschrieben. Schon damals hatten die KWL jegliche Einleitungen vom Flößgraben in den Wolfssee als „unmöglich“ dargestellt – denn es gebe keine Verbindung zum Floßgraben. Basta.

Schon damals waren jedoch beide Abläufe miteinander verbunden. Gläss versprach, dass Möglichkeiten geprüft würden, wie der Gesamtprozess weiter optimiert werden könne – die Standartformulierung für solche Fälle. Das Ergebnis ließ sich jetzt wieder in der Lauer riechen.

Hoffnungsschimmer: Markkleebergs OBM Karsten Schütze wusste gestern Nachmittag von Plänen für ein Entlastungsbauwerk des Floßgrabens zu berichten. Die Planungen stünden aber noch ganz am Anfang, hieß es. Federführend seien die Tagebausanierer.

Von Jörg ter Vehn

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