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Vergangenheit und Gegenwart gehen beim Rittergutsfest auf Tuchfühlung

Vergangenheit und Gegenwart gehen beim Rittergutsfest auf Tuchfühlung

Großpösna. Trotz einiger unwirtlicher Regenschauer nutzten am Wochenende zahlreiche Besucher die Gelegenheit zur Stippvisite auf dem Rittergutsfest. Während sich im Biwak der „Preußen von Möckern 1813“ und den Oldtimerfreunden alles um die Vergangenheit drehte, hatte die Freiwillige Feuerwehr die Zukunft im Blick.

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Rittergutsfest und Tag der offenen Tür der Feuerwehr in Großpösna. Biwak mit den Preußen von Möckern.

Quelle: André Kempner

Erstmals konnte bei einem Tag der offenen Tür das nagelneue Gebäude besichtigt werden.

Udo Krenek führte am Sonnabend sichtlich stolz die Besucher durch das neue Haus. „Hier stimmt auch die Lage, die Leute sehen uns beim Ausrücken, und wir können die benachbarte Wiese des Pösna Parks für Übungen nutzen“, freute sich der Gemeindewehrleiter. Führungen durchs bisherige unansehnliche Domizil hätten schließlich wenig Sinn gehabt. „Dort war ja nicht viel zu sehen.“ Durch den Neubau ist die Freiwillige Feuerwehr nun mitten im Ort. „Auf diese Weise werden auch Eltern mit ihren Kindern auf uns aufmerksam“, so Michael Lägel, Chef der Jugendwehr. Zum Tag der offenen Tür konnte seine Truppe schon zwei künftige neue Mitglieder registrieren. Derzeit zähle die Jugendwehr zwölf Mitstreiter. „Der Nachwuchs ist unser größtes Problem“, so Lägel. „Mit dem neuen Gerätehaus hoffen wir nun auf mehr Zulauf.“ Treffpunkt ist aller zwei Wochen immer in den ungeraden Kalenderwochen freitags ab 17 Uhr.

Über neue Mitstreiter freut sich auch der Großpösnaer Oldtimerstammtisch. „Wir sind kein Verein, regelmäßig treffen sich bei uns 10 bis 15 Leute an jedem ersten Dienstag im Sportlerheim zu Benzingesprächen“, schmunzelt Ralf Guhlemann. Vertreten sei alles, was in früheren Jahrzehnten durch die Gegend rollte. „Unser ältestes Fahrzeug ist ein Excelsior-Motorrad von 1923, auch das fährt noch perfekt.“ Um ein Haar hätte der Stammtisch auf einen Mitstreiter verzichten müssen. „Ich habe vive la france gerufen, schon wurde ich verhaftet“, berichtet Ingo Voigtländer. Warum das? Nebenan hatten die „Preußen von Möckern 1813“ ihr Lager aufgeschlagen, und die verstanden angesichts ihres Kampfes gegen Napoleon überhaupt keinen Spaß. Doch sie hatten ein Einsehen – für fünf Gulden Auslöse durfte Voigtländer wieder von dannen ziehen.

Auf authentisches Verhalten legen die Historiendarsteller nun einmal viel Wert. Auf dem Rittergutsgelände hatten sie ihre originalgetreuen Leinwandzelte aufgebaut. „Wir achten auch bei den Marschübungen aufs Detail“, verriet Peter Heider, der die Gruppe im Jahre 1985 ins Leben rief. „Die Bauern konnten damals kaum rechts von links unterscheiden. Deshalb wurde auf den linken Stiefel ein Bündel Heu und auf den rechten Stiefel ein Bündel Stroh geschnallt. Kommandiert wurde dann Heu, Stroh, Heu, Stroh...“ Die Landwehr wurde seinerzeit zur Verteidigung der preußischen Provinzen aufgestellt. „Und dahin schickte man meist den dümmsten Knecht und nicht den schlauesten Bauer“, weiß Heider. Für ihn begann die Beschäftigung mit der Zeit der Völkerschlacht schon im Kindesalter. „Damals haben wir in Auenhain nach Murmeln gebuddelt. Das waren in Wirklichkeit Gewehrkugeln. Später fand ich sogar einen abgebrochenen Säbel. Das war faszinierend.“

Bert Endruszeit

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